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Sebastian Vettel feierte in Bahrain den 28. Sieg seiner Karriere © getty

Der Mann mit dem "sechsten Sinn" dominiert in der Wüste, doch Erzrivale Alonso kündigt schon die Revanche in der Heimat an.

Von Lars Becker

München - "Wüstenkönig" Sebastian Vettel war von seinem souveränen Triumph selbst ein bisschen überrascht.

"Ich war dominant - das habe ich mit Sicherheit nicht erwartet. Der Speed war phänomenal", sagte der dreimalige Weltmeister und zuckte die Schultern: "Teilweise waren wir eine Sekunde schneller als der Rest des Feldes."

Ein solcher Durchmarsch zum 28. Sieg seiner Karriere war nach Platz zwei beim Qualifying hinter Nico Rosberg so tatsächlich nicht zu erwarten gewesen. Doch das lag auch ein gutes Stück am Versagen der Konkurrenz (BERICHT: Vettel enteilt der Konkurrenz).

Alonso kann Flügel nicht nutzen

Das Mercedes-Team verzockte sich beim letzendlich nur neuntplatzierten Rosberg ("Es war grausam") gleich mehrfach in Sachen Strategie. Fernando Alonso konnte das DRS-System wegen eines Defekts am Heckflügel nicht nutzen.

Und Vettels Teamkollege Mark Webber - auch ihn muss man nach dem Streit von Malaysia wohl auch eher als Gegner bezeichnen - war aus unerfindlichen Gründen "drei bis vier Sekunden langsamer als das, was eigentlich hätte drin sein sollen".

Blieb also nur Lotus übrig, das dann mit Kimi Räikkönen und Romain Grosjean auch die Plätze neben Vettel auf dem exakt wie 2012 besetzten Podium einnahm (DATENCENTER: Das Ergebnis).

Um den Dominator an der Spitze wirklich gefährden zu können, war der achte Platz von Räikkönen im Qualifying allerdings zu schlecht gewesen.

Kumpel ist erster Verfolger

Der "Iceman" bleibt in der WM-Wertung nach vier Rennen mit nunmehr zehn Punkten Rückstand allerdings der härteste Konkurrent seines Kumpels. Gut informierte Quellen behaupten ja, dass Räikkönen 2014 neuer Teamkollege von "Super-Seb" werden soll.

Gute Gründe für einen Wechsel zu Red Bull gäbe es: Vettel hat eindeutig das über die unterschiedlichen Kurse des Jahres bislang insgesamt beste Auto unter dem Hintern.

Und Bahrain hat gezeigt, dass das Team offenbar einen Weg gefunden hat, den Reifenhunger von "Hungry Heidi" selbst bei Streckentemperaturen um die 50 Grad einzudämmen. (706789DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Horner lobt "sechsten Sinn"

Ein paar Veränderungen am Frontflügel sollen Wunder bewirkt haben. Teamchef Christian Horner hob aber ganz besonders die fahrerischen Qualitäten seiner Nummer 1 hervor, die Rosberg und Alonso auf der Strecke überholte: "Sebastian hat die Reifen prima behandelt. Es scheint fast, als hätte er einen sechsten Sinn dafür."

Ins Schwitzen kamen die Chefs an der Red-Bull-Box trotzdem - als Vettel kurz vor Schluss noch die schnellste Rennrunde hinlegte.

"Er hat gezeigt, dass die Reifen noch etwas hergeben. Ich wünschte nur, er würde das bleiben lassen", sagt Horner bei "Sky": "Er ist erst 25 Jahre alt. Ich denke, seine beste Zeit kommt noch, je mehr Erfahrung er sammelt."

Auf dem Weg zum vierten Titel

Das klingt ganz so, als wäre Vettel schon auf dem Weg zum vierten WM-Titel in Serie.

Trotzdem bleibt der Champion zurückhaltend: "Die Weltmeisterschaft geht sehr lang, da kann man noch keine wirkliche Tendenz erkennen. Lotus sieht gut aus im Moment, Ferrari ist verflixt schnell. Ich werde sie sicher nicht abschreiben."

Das sollte Sebastian Vettel auch nicht tun. Zum einen war sich Ferrari-TeambossStefano Domenicali nach dem Rennen sicher, dass "Fernando ohne Probleme mindestens ums Podium" hätte fahren können.

Zum anderen findet das nächste Rennen in Barcelona statt, der spanischen Heimat von Alonso.

"Das wird eine enge Geschichte. Die Europa-Saison dürfte interessant werden", sagte Horner.

Kein höflicher Empfang in Barcelona

Und Vettel rechnet auch mit Blick auf die deutsch-spanischen Duelle in der Fußball-Champions-League mit ganz neuen Problemen: "Ich drücke den deutschen Klubs natürlich die Daumen und hoffe, dass wir dann in Barcelona nicht ganz so höflich empfangen werden."

Zumindest nicht von Alonso. Der ist sich nämlich sicher, "dass sich das Glück wenden wird". Das wäre dann mal eine neue Überraschung für Sebastian Vettel.

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