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Nico Rosberg kam 2009 vom englischen Wiliams-Team zu Mercedes © getty

Ratlose Silberpfeile in Bahrain: Die Leistungen von Nico Rosberg und Lewis Hamilton gehen völlig auseinander. Warum, ist offen.

Von Marc Ellerich

München - Nico Rosbergs Hoffnungen währten genau drei Runden lang. (BERICHT: Vettel enteilt der Konkurrenz)

Nach drei Umläufen auf dem Bahrain International Circuit zog Weltmeister Sebastian Vettel am sich erbittert wehrenden Pole-Setter im Mercedes vorbei. (DATENCENTER: Das Ergebnis)

Zwei Runden später tat Fernando Alonso im Ferrari dasselbe.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt, aber eigentlich bereits nach Vettels Überholmanöver, wusste Rosberg: Es würde bei diesem heißen Rennen durch die Sakhir Wüste Bahrains nichts werden mit dem ersehnten "Kickstart" in die Saison.

So hatte der Wahl-Monegasse Rosberg seine ebenso überraschende wie dominante Fahrt zur Pole-Position tags zuvor genannt. (706789DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Zwei WM-Punkte

Der Grand Prix erfüllte die große Hoffnung des jungen deutschen Fahrers nicht. Runde um Runde fiel Rosberg auf den 308 Kilometern zurück.

Er wehrte sich nach Kräften gegen die Verfolger, die einer nach dem anderen in seinem Rückspiegel auftauchten, wirklich Paroli bieten konnte er ihnen nicht.

Das Ziel erreichte er nach 57 harten Runden als Neunter. Immerhin zwei WM-Zähler nahm er dafür mit. Nach zuvor zwei Ausfällen in drei Grands Prix ein winziger Lichtblick.

"Kein Spaß da draußen"

Trösten konnte das Rosberg nicht. "Heute morgen habe ich mich noch auf das Rennen gefreut und dachte, das wird etwas", berichtete der Mercedes-Pilot später: "Aber das war es dann. Unser Sport kann manchmal so grausam sein."

Rosbergs Gesicht verriet nach dem frustierenden Rennen alles, was man über seine Enttäuschung wissen musste. Und nur weil er gefragt wurde, gab er später einen Einblick in sein Seelenleben: "Es war heute kein Spaß da draußen."

Vier Stopps

Grund allen Übels waren die sensiblen Pirelli-Reifen, die in diesem Jahr schon viele Piloten frustriert hatten.

In Bahrain war Rosberg dran. Sein Bolide fraß die Pneus geradezu. Vier Mal steuerte der Pilot den Mercedes zum Reifenwechsel an die Mercedes-Box.

"Ich bin nur rumgerutscht und hatte ab der ersten Runde Untersteuern", schilderte der Pilot seine Schwierigkeiten.

"Bei Nico waren die Hinterreifen das Problem", ergänzte der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda.

Für Hamilton läuft es

Was die Frustration Rosbergs noch steigern dürfte. Seinem neuen Nebenmann Lewis Hamilton, ohnehin ungleich erfolgreicher ins Jahr gestartet, widerfuhr im vierten Saisonrennen ein wesentlich angenehmeres Schicksal.

Hamilton startete von seinem neunten Platz aus eine beeindruckende Aufholjagd und erreichte das Ziel als Fünfter.

"Es war Schadensbegrenzung und fast wie ein Rennsieg", urteilte der Brite, der einen schwarzen Samstag erlebt hatte.

Platz drei in der WM

An seinem Rennwagen war im 3. Training die linke Hinterrad-Aufhängung gebrochen, ein Getriebeschaden am Mercedes war die Folge gewesen. Wegen des unerlaubten Getriebewechsels wurde Hamilton um fünf Plätze nach hinten strafversetzt.

Sonntags durfte er dann auf einmal zehn Punkte mehr auf seinem Konto verbuchen und liegt in der WM-Wertung auf Platz drei hinter dem führenden Vettel und Lotus-Pilot Kimi Räikkönen. "Das liegt deutlich über den Erwartungen", stellte er zufrieden fest.

Lauda widerspricht Hamilton

Das Debakel seines deutschen Kollegen überraschte den Engländer, wie er später einräumte.

"Nicos Auto war anders als meines", meinte Hamilton.

Stimmt nicht, widersprach Lauda: "Lewis ist die gleiche Strategie und das gleiche Setup gefahren und hatte keine Probleme."

Hartes Urteil

Von einem Holperstart berichtete der Pilot nach dem Grand Prix: "Aber dann lief es auf einmal besser." Dennoch: "Da war irgendetwas, daran müssen wir arbeiten."

Rosbergs Urteil fiel naturgemäß härter aus. "Unglaublich", schimpfte er in die Mikrofone: "Im Qualifying so schnell und im Rennen so katastrophal zu sein. Wir müssen analysieren, was wir falsch machen."

Gewaltiger Tempo-Unterschied

Zumindest bei ihm fiel auf: Der Tempo-Unterschied in Qualifying und Rennen ist gewaltig. Bleibt das so, kann Mercedes trotz sichtbarer Steigerung auch in diesem Jahr nicht mit den Branchengrößen Red Bull, Ferrari, ja selbst dem Lotus-Team, mithalten.

Und so viel steht nach dem Rückschritt in der Wüste fest: Bis zum Europa-Start der PS-Liga in Barcelona Anfang Mai werden viele Köpfe bei den Sternen-Fahrern gewaltig rauchen.

Nico Rosberg weiß das: "Es liegt viel Arbeit vor uns", hielt der Geschlagene fest.

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