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Sebastian Vettel feierte in Bahrain den 28. Sieg seiner Karriere © getty

Nach seinem überlegenen Bahrain-Sieg schwärmt Vettel vom Reifen-Management des Red Bull. Keine gute Nachricht für die Konkurrenz.

Von Marc Ellerich

München - Wie schnell sich das Bild doch gewandelt hat. Die Krise des Weltmeisters dauerte nur ein Rennen lang.

Auf beeindruckende Art und Weise sicherte sich Weltmeister Sebastian Vettel in der Hitze Bahrains den Grand-Prix-Sieg.

Dominant, anders lässt sich die Fahrt des Champions auf den 308 Kilometern nicht beschreiben. (BERICHT: Vettel enteilt der Konkurrenz)

Das fand auch Vettel. "Wir hatten vom Start bis ins Ziel ein fehlerfreies Rennen."

Vettel überrascht

Die Leichtigkeit, mit der der Red-Bull-Pilot siegte, überraschte anschließend nicht nur die Beobachter, sondern auch den Gewinner selbst. "Das hatten wir so nicht erwartet", räumte er freimütig ein. (NACHBERICHT: Vettel überrascht sich - die Konkurrenz versagt)

Wie konnte sich Red Bull innerhalb von nur einer Woche erholen? Noch vergangene Woche, beim China-Grand-Prix, hatte Vettel auf Platz vier zu den Geschlagenen gehört.

In der Folge schimpfte der Heppenheimer schimpfte über den ungemeinen Reifenverschleiß in Schanghai, erteilte den Pirelli-Pneus die miserabelste aller Schulnoten.

"Ein tolles Rennen"

Davon war nach den 57 Runden auf dem Bahrain International Circuit kein Sterbenswörtchen mehr zu hören.

"Es war ein tolles Rennen. Ich konnte in jeder einzelnen Runde Druck machen, aber gleichzeitig die Reifen schonen", schwärmte Vettel stattdessen. (706789DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Liegt hier der Schlüssel zum Sieg? Hat Red Bull das Rätsel Pirelli binnen nur sieben Tagen entschlüsselt?

SPORT1-Kolumnist Hans-Joachim Stuck meint ja. "Vettel und sein Team wissen nun offenbar, wie die Reifen funktionieren. Zumindest haben sie es besser verstanden", schrieb der frühere Formel-1-Pilot.

Hervorragende Abstimmung

Vettel berichtete nach dem Grand Prix: "Es war spürbar, dass ich auf der mittelharten Mischung würde wegziehen können. Der Reifen fühlte sich sehr stark an."

Aber auch mit den harten Reifensätzen sei der RB9 "bestens klargekommen", so Vettel.

Sein Team hatte "Hungry Heidi" perfekt für den Grand Prix abgestimmt. Der Frontflügel war so justiert worden, dass die Reifen geschont werden konnten. Auch die Fahrwerk-Einstellung unterstützte den Effekt.

Keine guten Nachrichten

Und, drittens, kamen dem Red Bull die hohen Temperaturen in der Wüste entgegen. Je kühler es ist, desto schwieriger wird es für das Weltmeister-Team, hat "auto, motor und sport" herausgefunden.

Für die Konkurrenten des deutschen Titelverteidiger wären es keine guten Nachrichten, wenn Red Bull den Reifencode geknackt hätte.

"Wir waren chancenlos. Platz zwei war das Maximum, das wir erreichen konnten", analysierte Lotus-Pilot Kimi Räikkönen das Rennen. (DATENCENTER: Das Ergebnis)

Ferrari-Star Fernando Alonso konnte wegen eines defekten Heckflügels gar nicht erst ins Duell um den Sieg eingreifen.

Horner zweifelt

Ausgerechnet Red Bulls Teamchef Christian Horner machte der Konkurrenz mit seiner Analyse der Reifen-Thematik nach dem vierten Grand Prix des Jahres Mut.

"Wir haben es hier gut hinbekommen mit den komplexen Reifen", sagte der Engländer.

"Wenn du mit der Balance der Reifen im richtigen Fenster bist, dann legst du so eine dominante Vorstellung hin", berichtete er: "Aber das Fenster ist sehr, sehr klein. Wenn du nicht drin bist, dann musst du vier oder fünf Mal stoppen."

"Zu extrem"

Horner hält die Reifenfrage offenbar noch nicht für beantwortet.

"Sie sind immer noch zu unausgereift", kritisiert er Pirelli: "Wenn man vier Mal stoppen muss, ist das zu extrem."

Und sogar Pirellis Motorsportchef Paul Hembery spricht von einem "Balance-Akt".

Teams gespalten

Aber vielleicht hat sich das Thema ja bald erledigt. Derzeit diskutiert Pirelli, ob zum Europastart der Formel 1 Anfang Mai in Barcelona neue Reifen geliefert werden.

Für Vettels Konkurrenten wäre das angesichts der Erfahrungen aus Bahrain keine gute Entwicklung.

In der Wüste hatten der Einheitslieferant wegen der extremen Bedingungen seine härteren Mischungen an den Start gebracht - mit dem außergewöhnlich starken Red-Bull-Auftritt.

Kein Wunder also, dass sich Ferrari und Lotus schon gegen neue Reifen ausgesprochen haben.

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