Mercedes ist beim Spanien-GP chancenlos. Vettel wettert nach Platz vier gegen Pirelli. Sieger Alonso spricht vom WM-Titel

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Von Marc Ellerich

München - Am Samstag die Doppel-Pole, sonntags dann der Niederschlag: Platz sechs für Nico Rosberg, Platz zwölf gar für den deprimierten Kollegen Lewis Hamilton. (Bericht)

Bei Mercedes flüchtete mancher angesichts der bitteren Niederlage in Galgenhumor. (717688DIASHOW: Bilder des Rennens)

"Wir sollten das Rennwochenende am Samstag beenden", stellte Motorsportchef Toto Wolff nach den ernüchternden 307 Kilometern auf dem Circuit de Catalunya bei "Sky" fest: "Uns ist nicht zu lachen zumute."

13 Runden lang währte die Hoffnung von Pole-Setter Rosberg auf den Sieg beim Spanien-Grand-Prix. "Ich dachte, mit einem Mega-Stau hinter mir kann ich das vielleicht noch gewinnen", berichtete der Mercedes-Pilot später: "Aber der zweite Stint ging so was von nach hinten los."

Mercedes durchgereicht

Teamkollege Hamilton hatte sich schon kurz nach dem Start aus dem Geschehen an der Spitze verabschiedet. Und nachdem Ferrari-Star Fernando Alonso Rosberg nach 13 Umläufen von Platz 1 verdrängt hatte, gab es für die Silberpfeile endgültig nur noch eine Richtung: rückwärts.

Mit dem Kampf um den Sieg hatten sie fortan nichts mehr zu tun, den bestimmten andere: Alonso, der sich in einem eindrucksvollen Rennen in seiner Heimat nach 66 Runden gegen Lotus-Star Kimi Räikkönen durchsetzte. Ferraris zweiter Pilot Felipe Massa, der samstags rückversetzt worden war, und schließlich Platz drei belegte. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Vettel angefressen

Und - zumindest bis zur Hälfte des Grand Prix - auch Red Bulls Weltmeister Sebastian Vettel.

Doch dann befiel der Frust auch den Titelverteidiger. "Mitte des Rennens war ich angefressen, als ich gemerkt habe, dass drei Stopps einfach nicht drin sind", berichtete der Red-Bull-Pilot: "Wir haben da am Anfang aufs falsche Pferd gesetzt."

Vettel hielt also vier Mal an, und die Spitze war spätestens zu diesem Zeitpunkt uneinholbar für den Heppenheimer.

"Griff ins Klo"

Red Bulls Nummer 1 hielt nicht lange hinter dem Berg, weshalb er seinen bisher zwei Saisonsiegen in Katalonien keinen dritten Folgen lassen konnte.

"Der neue harte Reifen ist ein Griff ins Klo", attackierte der deutsche Champion wieder einmal den Reifen-Einheitslieferanten Pirelli: "Er hat dem ganzen Feld nicht wirklich weitergeholfen."

Es sei schade, fügte Vettel hinzu, "wenn nicht eine Runde dabei ist, wo man mal richtig auf Gas drücken kann".

Weltmeister fordert Aufholjagd

So blieben Red Bull Vettels vierter Platz und der fünfte Rang von Teamkollege Mark Webber.

"Das war unser Maximum", stellte Teamchef Christian Horner anschließend fest: "Sebastian hat alles getan, was er konnte."

Der Gelobte konnte dem Resultat durchaus Positives abgewöhnen: "So schlecht ist das nicht", urteilte Vettel: "Das sind wertvolle Punkte."

Und doch wissen die Bullen, dass ihnen andere zurzeit enteilt sind.

"Die ersten Drei waren ein bisschen zu schnell für uns. Mit Blick auf die Reifen haben sie einen besseren Job gemacht", räumte Vettel in Barcelona ein und forderte: "Wir müssen aufholen."

Alonso will mehr

Derart kritische Töne waren vom Sieger nicht zu hören. Kein Wunder, Alonso hatte geschafft, was zuvor keinem Piloten auf dem Circuit de Catalunya gelungen war: Er war vom fünften auf den ersten Platz gefahren.

"Das waren fantastische Gefühle", schwärmte der Spanier nach seinem zweiten Saisonsieg, den er mit eine spanischen Flagge im Auto feierte, was zu einer - letztlich folgenlosen - Untersuchung der Rennkommissare führte.

Alonso ließ sich seine Freude nicht verderben: "Wir sind glücklich, aber wir wollen jetzt natürlich nicht aufhören."

Ferrari hat größere Ziele. Die Scuderia will nach drei zweiten Plätzen unbedingt den WM-Titel gewinnen. Alonso hält das nach seiner Jubelfahrt für möglich: "Wir haben ein Auto, um ganz vorne mitzufahren, auch um den Titel."

Räikkönen konstant vorne

Der Kurs in Spanien gilt als Referenzkurs. Das dürfte Alonso Mut machen. Und auch dem zweitplatzierten Räikkönen.

Der Lotus-Pilot war bisher der konstanteste der Topfahrer, ein Sieg und drei zweite Plätze hat er zu Buche stehen. Sein Abstand zum WM-Führenden Vettel ist bis auf vier Zähler geschrumpft.

Euphorie erwartet von Räikkönen bei so einem Resultat nur, wer den stoischen Finnen nicht kennt.

"Es war kein Sieg, und ich bin nur bei einem Sieg glücklich", sagte Räikkönen auf dem Podium in Barcelona.

Lotus-Pilot mit drei Stopps

Zugleich sah er aber auch die Perspektive, die ihm seine konstanten Fahrten ins Vorderfeld eröffnen.

"Wenn man das öfter hinbekommt, hat man am Ende eine gute Chance um den Titel zu kämpfen", rechnete der Lotus-Pilot.

Die Aussichten sind nicht schlecht.

Denn vor allem für Räikkönen gilt, was sein Kumpel Vettel in Spanien mit Blick auf die sensiblen Pirelli-Reifen festgestellt hat:

"Wer auf den Strecken, auf denen einem die Reifen um die Ohren fliegen, schonend damit umgeht, der hat gute Chancen zu gewinnen."

Als einziger der Top-Piloten kam Räikkönen im Rennen mit drei Reifenwechseln aus.

Ein kaum zu überschätzendes Plus des schnellen Finnen.

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