Der Ferrari-Star zofft sich nach verpatzter Monza-Quali mit seiner Box und will sich herausreden. Vettel startet siegessicher.

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Von Tobias Wiltschek

Monza/München - Polesetter Sebastian Vettel war nach dem Qualifying (Bericht) wunschlos glücklich, Rivale Fernando Alonso stinksauer.

Der Ferrari-Star, der in der WM-Wertung hinter Vettel auf Rang zwei liegt, startet nur von Platz fünf in den Großen Preis von Italien (ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER, Zusammenfassung 21 Uhr im TV auf SPORT1) aus.

Seinen Frust über die unbefriedigende Startposition beim Heimspiel ließ er an seiner Boxencrew aus.

"Ihr seid Trottel!", soll der Spanier in den Boxenfunk gerufen haben.

Trottel oder Genies?

In der "Gazetta dello Sport" wies Alonso diese Anschuldigungen zwar zurück.

"Ich habe gesagt: 'Ihr seid wirklich Genies'", meinte Alonso und sprach von einem Missverständnis wegen der Ähnlichkeit der Worte "Trottel" und "Genies" auf Italienisch.

Dennoch lässt der Vorfall tief blicken.

Es scheint ein weiterer Beleg der Spannungen zwischen dem Star-Piloten und der Scuderia zu sein. Der Ex-Weltmeister sei wegen des im Vergleich zu Sebastian Vettels Red Bull unterlegenen Ferrari-Boliden schwer genervt, berichten die italienischen Medien.

Windschatten-Taktik missglückt

Grund für seinen Ärger am Samstag war die misslungene Windschatten-Taktik.

Hinter Teamkollege Felipe Massa sollte Alonso zu einer Top-Zeit rasen.

Dies verhinderte aber Toro-Rosso-Pilot Jean-Eric Vergne, der sich in der letzten Runde von Q3 zwischen Alonso und dem vorausfahrenden Felipe Massa schob - und damit die Windschatten-Taktik des Ferrari-Duos zerstörte.

Am Ende reichte die Zeit von Alonso nicht einmal mehr, um sich vor seinen brasilianischen Teamkollegen zu schieben.

Alonso gibt sich beim Heimspiel seines Ferrari-Teams dennoch optimistisch und angriffslustig. "Zum ersten Mal seit vielen Rennen werde ich in der Startaufstellung den Heckflügel eines Red Bull sehen. Ich kann in der ersten Runde attackieren", freut sich der Spanier.

Überraschungsmann Hülkenberg

Vor Alonso liegt unter anderem Vettels deutscher Landsmann Nico Hülkenberg. Der Pilot des finanziell arg gebeutelten Sauber-Rennstalls sorgte für die Überraschung des Qualifyings.

"Es tut uns allen im Team gut, mal so ein super Ergebnis zu haben, und wird uns ein bisschen Auftrieb geben", sagte Hülkenberg. "Auf jeden Fall Danke an das ganze Team und an alle in Hinwil, die in einem schwierigen Jahr trotzdem sehr hart weiterarbeiten und nie aufgeben."

Aus seiner sensationellen Ausgangsposition in Monza will der 26-Jährige das Beste herausholen.

"Ich hoffe, dass wir einen ähnlichen Speed im Rennen haben und wir mit Punkten nach Hause fahren können", meinte er. Von einer Podiumsplatzierung wagt er trotz der zweiten Startreihe wohl zurecht nicht zu träumen.

Vettel optimistisch

Vettel dagegen hegt berechtigte Sieghoffnungen.

"Es sieht sehr perfekt aus für das Rennen", sagte der Red-Bull-Pilot, von dem solch euphorische Prognosen auch nach erfolgreichen Qualifikationen eher selten zu hören sind (DATENCENTER: Ergebnis Qualifying).

Doch vor dem zwölften WM-Lauf in Monza stimmt nicht nur die eigene Leistung extrem zuversichtlich, auch die Konkurrenz fuhr praktisch ausnahmslos für den dreimaligen Weltmeister.

Erste Pole seit Anfang Juni

In 1:23,755 Minuten holte sich Vettel die erste Pole-Position seit dem Kanada-Grand-Prix vor fast genau drei Monaten.

Gleich neben ihm geht sein australischer Teamkollege Mark Webber ins Rennen, der als einziger Pilot neben Vettel ebenfalls unter der Marke von 1:24 Minuten geblieben war. Deutlicher kann ein Rennstall seine Dominanz nicht unter Beweis stellen.

Selbst Vettel hatte damit nicht gerechnet: "Es ist eine Überraschung, dass wir mit beiden Autos in der ersten Reihe stehen. Sonst hatten wir hier zu kämpfen."

Hamilton sauer auf sich selbst

Selbstkritisch gab sich indes Mercedes-Pilot Hamilton, der durch sein schlechtes Qualifying wohl auch die letzten Chancen vergab, Vettel im Kampf um den Titel noch gefährlich zu werden.

"Ich bin gefahren wie ein Idiot", bilanzierte der Brite, der als WM-Dritter 58 Punkte hinter Vettel zurückliegt: "So schlecht war ich schon seit Jahren nicht mehr."

Der Weltmeister von 2008 war von seiner Leistung offensichtlich so enttäuscht, dass er sich auch nicht über eine Behinderung durch Adrian Sutil beschwerte. Der deutsche Force-India-Pilot wurde deswegen von Platz 14 drei Startränge zurückversetzt.

Die Ehre der im Qualifying sonst so starken Silberpfeile konnte indes auch Nico Rosberg mit Platz sechs nicht retten.

Der Wahlmonegasse setzt für das Rennen einmal mehr auf den Wettergott und hofft auf Regen: "Im Nassen ist unser Auto meist gut."

Doch selbst wenn sich über Monza tatsächlich ein Sommer-Gewitter zusammenbrauen sollte, würde das die Siegchancen von Vettel nicht schmälern.

Schließlich war der Titelverteidiger in dieser Saison bei seinen drei Quali-Triumphen vor dem Italien-GP auf feuchten Strecken zur Pole-Position gefahren.

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