Der Red-Bull-Star kann den Titel nach einer fehlerfreien Fahrt in Monza nur noch mit viel Pech verlieren - darauf hofft Alonso.

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Von Tobias Wiltschek

München/Monza - Zum Glück stand Designchef Adrian Newey auf dem Podium in Monza in seiner Nähe.

Ansonsten hätte sich Sebastian Vettel nach seinem Triumph beim Italien-GP den Champagner wohl selbst ins Gesicht spritzen müssen (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

Ferrari-Star Fernando Alonso und Vettels Red-Bull-Teamkollege Mark Webber - bekanntlich eher Gegner als Freunde des Heppenheimers - hatten sich mit ihren Flaschen schnell zu einer eigenen Party zusammengefunden.

Doch das störte Vettel ebenso wenig wie die unüberhörbaren Pfiffe der italienischen Tifosi. "Je mehr hier gepfiffen wird, wenn man nicht in Rot angezogen ist, desto besser war der Tag", sagte Vettel bei "RTL" nach seinem Sieg vor Alonso und Webber (BERICHT: Vettel fliegt zum Sieg).

Hülkenberg vor Rosberg

Mindestens genauso hoch einzuschätzen ist der fünfte Platz von Nico Hülkenberg. Der Sauber-Pilot verlor zwar schnell seinen dritten Startplatz, verteidigte aber Rang fünf gegen die Angriffe von Nico Rosberg bis ins Ziel erfolgreich. Rosberg musste sich am Ende mit Platz sechs zufriedengeben.

Vettel baute indes mit seinem sechsten Saisonsieg ausgerechnet in der Heimat von Ferrari seinen Vorsprung auf Alonso auf 53 Punkte aus und ist seinem vierten Titelgewinn in Folge einen weiteren großen Schritt näher gekommen (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

So überlegen er in der WM-Wertung führt, so souverän fuhr er im Königlichen Park von Monza auch zu seinem zweiten Sieg nacheinander (774000DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

Nur kleine Probleme

Fehlerlos wie ein Roboter spulte er die 53 Runden auf dem Hochgeschwindigkeitskurs vor den Toren Mailands ab und ließ sich auch von kleinen Schwierigkeiten nicht von seinem Siegkurs abbringen.

"Beim Start hat es etwas gedauert, bis die Kupplung richtig gegriffen hat", analysierte er. Und "gegen Ende hatte ich kleine Probleme mit dem Getriebe. Für mich war es aber nicht so schlimm, weil ich einen kleinen Vorsprung hatte."

Auf die Frage, ob er den Champagner für die Feier seines vierten WM-Titels schon kalt gestellt habe, antwortete Vettel ausweichend: "Es macht im Moment einfach Spaß, Rennen zu fahren. Das Auto funktioniert gut, das Team harmoniert."

Und ohne die kleinen Probleme hätte er in Monza "vielleicht am Ende noch stärker auftrumpfen können".

Hamilton hakt Titel ab

Doch auch so ist die Botschaft bei seinen Konkurrenten angekommen. Lewis Hamilton - am Ort seines Vorjahrestriumphs nur Neunter - hakte sofort nach dem Rennen den Titel ab ("Das war's mit der Meisterschaft").

Selbst Alonso wirkt längst nicht mehr so kämpferisch wie über weite Strecken der bisherigen Saison. "Ich habe immer noch einen großen Rückstand", sagte der Spanier und räumte ein: "Wir brauchen jetzt schon ein paar Ausfälle von Seb, um den Titel zu gewinnen."

Danach sieht es im Moment aber nicht aus. Vielmehr verliert er angesichts seiner Chancenlosigkeit gegenüber Vettel die Nerven.

Als ihm im Qualifying sein Kollege Felipe Massa aufgrund eines Taktikfehlers nicht den gewünschten Windschatten für eine schnelle Runde spenden konnte, soll er per Funk in Richtung Box geflucht haben: "Ihr seid wirklich Trottel."

"Es gibt keine Spannungen"

Bei der Siegerehrung versuchte er dann, Gerüchte über das angespannte Verhältnis zu zerstreuen: "Es gibt keine Spannungen. Wir möchten um die Meisterschaft kämpfen."

Vielleicht aber hat ihn auch nur eine Meldung auf die Palme gebracht, wonach Kimi Räikkönen sein neuer Teamkollege wird. Der Finne, der ihm den Status als Nummer 1 bei Ferrari streitig machen würde, erwischte in Monza einen rabenschwarzen Tag und kam nicht einmal in die Punkteränge.

Viel besser lief es für Hülkenberg. Der Sauber-Pilot empfahl sich mit einer überzeugenden Vorstellung ebenfalls für die Nachfolge des unter Druck stehenden Massa.

Hülk: Mit Alonso gegen Vettel?

"Es ist ein schöner Erfolg, wir haben eine lange Durststrecke hinter uns", freute sich der Emmericher bei "Sky": "So ein Erfolg gibt noch einmal einen Schub für die letzten Rennen." Eventuell ja auch für seinen anvisierten Wechsel zu Ferrari.

Mit ihm als klarer Nummer 2 im Team könnte Alonso im kommenden Jahr den nächsten Angriff auf Vettel starten.

In diesem Jahr ist der Red-Bull-Pilot einmal mehr unantastbar.

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