Peter Kohl zeigt sich in seiner Kolumne vom Sauber-Mann beeindruckt und sagt seinen Aufstieg voraus. Die Ferrari-Fans tadelt er.

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Red Bull: Wer gewinnt, macht alles richtig. Pole, souverän herausgefahrener Triumph nach hartem Kampf von Vettel in der ersten Kurve, Platz 3 von Webber trotz Problemen beim Wechseln vom 2. in den 3. Gang und umgekehrt ohne Zugkraftunterbrechung. Der RB9 ist einfach eine unaufhaltsame Boden-Boden-Rakete. Egal auf welcher Rennstrecke, egal bei welcher Kurscharakteristik. Der Champagner für beide WM-Titel dürfte längst kalt gestellt sein.

Hülkenberg: Der Hülk hat in Monza gewaltig zugeschlagen. Eine perfekte Bewerbungsvorstellung für höhere Aufgaben bei einem besseren Team.

Sauber: Nichts auf dem Konto, deswegen zu Mini-Entwicklungsschritten verdammt. Aber wie man sieht, kann auch aus Wenig eine ganze Menge herausgeholt werden! Ich drücke der sympathischen Truppe aus Hinwil die Daumen, dass Monza zum Befreiungsschlag wird und Peter Saubers Lebenswerk auch in den nächsten Jahren die verdiente Würdigung erfährt!

Ricciardo und Vergne: Der junge Australier Ricciardo hat der Hitze der Scheinwerfer, die nach seiner Bekanntgabe als Webber-Nachfolger bei Red Bull gewaltig auf ihn einbrannten, bravourös stand gehalten. Mit der aufgeflammten Popularität kommt der Sunnyboy charmant zurecht, von gesteigerter Nervosität war nichts zu sehen. Jean-Eric Vergne hat die Enttäuschung darüber, nie ernsthaft als Webber-Nachfolger im Gespräch gewesen zu sein, bestmöglich weggesteckt und zeigt auf der Rennstrecke, dass er ein Kandidat für die Zukunft sein könnte.

Toro Rosso: Die Fahrer sind meist nur so gut wie ihre Autos. Zuletzt war die Scuderia ein bisschen abgetaucht, in Monza feierte sie ein glänzendes Comeback. Auch wenn Vergnes Auto im Rennen streikte. Insgesamt war das wieder ein deutlicher Schritt nach vorne.

Hamilton und Räikkönen: Beide hatten von Beginn an mit dem Kampf ums Podium nichts zu tun aufgrund ihrer mäßige Startplätze, umso erfrischender ihre Rangeleien im Mittelfeld. Das war echtes Entertainment! Danke dafür meine Herren, beim nächsten Mal aber bitte wieder ganz vorne fighten. Unter dem Strich ist es dann doch spannender, wenn es um den Sieg geht.

Grosjean: Lotus hat den Anschluss an die Spitzenteams verpasst seit der Sommerpause - das ist wirklich schade! Daran ändert auch der neue E21 mit dem längeren Radstand nichts, der nach dem Freitagstraining gleich wieder eingemottet wurde. Das passive DRS kommt auch nicht zum Einsatz. Umso bemerkenswerter der Auftritt von Grosjean, der verbissen kämpft wie ein Löwe und zumindest Punkte holt unter den erschwerten Bedingungen. Er war das gesamte Wochenende auf dem Tempo-Level der klaren Nummer 1 im Team, von Kimi Räikkönen.

FLOP

Buhende Fans: Monza ist Kult, der fanatische Rückhalt für Ferrari bewundernswert. Aber zum Sport gehört auch dazu, anzuerkennen, wenn ein anderer besser ist und das auch zu würdigen. Sebastian Vettel während der Hymnen und beim Interview auszubuhen ist einfach ungezogen und unsportlich.

Force India: Der Lack der ersten Saisonhälfte ist endgültig ab, das Team ist zurückgefallen ins Graue-Maus-Dasein. Da alles bereits auf 2014 gerichtet ist, das aktuelle Auto keine Weiterentwicklung mehr erfahren wird, wird der Rest des Jahres für Adrian Sutil und Paul Di Resta ein chancenloses, mühsames Hinterherfahren.

Gutierrez: Dass er nicht auf dem Level seines Teamkollegen fährt ist nachvollziehbar - aber ich sehe keine wirkliche Weiterentwicklung bei dem jungen Mexikaner. Brav und zurückhaltend wie neben der Rennstrecke ist er auch auf selbiger - blass sind seine Vorstellungen, keine wirkliche Empfehlung für eine Weiterbeschäftigung.

McLaren: Die Startplätze 8 und 9 waren doch gar nicht so schlecht. Aber im Rennen ist nichts rumgekommen. Das war schlichtweg zu wenig!

Marussia: Jedes Rennwochenende werden die großen Attacken auf Caterham angekündigt - ja wo bleiben sie denn?

Monza hat seit jeher nicht unbedingt die spannendsten Rennen, aber die Atmosphäre im Königlichen Park ist allein die Reise wert - das gilt allemal auch für Singapur! Ich freue mich riesig auf die Flutlicht-Sessions in den Häuserschluchten der Millionen-Metropole und auf ein abwechslungsreiches Rennen. Die gibt es auf Stadtkursen eigentlich immer?.

Bis in 2 Wochen Pedal to the metal

Ihr Peter Kohl