Der Weltmeister spielt im Training zum Singapur-GP mit der Konkurrenz. Auch die extremen Bedingungen können ihn nicht bremsen.

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Von Marc Ellerich

München - Auf den ersten Blick war auch beim ersten Aufgalopp zum Singapur-Grand-Prix (Quali, Sa. ab 14.45 Uhr im LIVE-TICKER) in der schillernden Formel-1-Welt alles wie immer.

Weltmeister Sebastian Vettel verwies die Gegner im Training mit einer Demonstration der Stärke in die Schranken.

Überlegen fuhr der Red-Bull-Pilot im Flutlicht auf dem Marina Bay Circuit die Bestzeit. Seiner Marke von 1:44,249 Minuten konnte auf dem fünf Kilometer langen Kurs keiner der Konkurrenten folgen. (DATENCENTER: Trainingsergebnis)

Konkurrenten chancenlos

Teamkollege Mark Webber fuhr mit einer halben Sekunde Abstand auf den zweiten Platz. Mercedes-Pilot Nico Rosberg fehlte als Drittbestem schon eine Sekunde.

Noch härter traf es Vettels WM-Verfolger. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Lewis Hamilton hielt den Schaden im zweiten Mercedes als Vierter noch halbwegs in Grenzen, aber Vettels erster Verfolger, Fernando Alonso im Ferrari, kam mit fast eineinhalb Sekunden Rückstand nur auf Platz sechs.

Lotus-Pilot Kimi Räikkönen schnitt als Achter noch schlechter ab.

"Wenn man Vertrauen zum Auto hat, kann man es auch fliegen lassen. Dann traut man sich auch näher an die Wand", kommentierte Vettel seine überlegene Trainingsfahrt.

Vertauschter Rhythmus

Alles beim Alten also auch in der südostasiatischen Metropole?

Vettel scheint jedenfalls der uneinholbare Überflieger zu sein, dem auch die besonderen Strapazen im einzigen Nachtrennen des Jahres nichts anhaben können.

Nicht das schwüle Klima, nicht das Lichtspiel unter den 1500 Scheinwerfern, die den Kurs grell ausleuchten.

Und offenbar auch nicht der vertauschte Tag-Nacht-Rhythmus.

Nachts fahren, tags schlafen

Die meisten Piloten reisen aus Europa zum Rennen an, viele kehren dorthin nach dem Grand Prix auch wieder zurück.

Um das Rennen in Europa zur besten Sendezeit präsentieren zu können, findet der Grand Prix in der asiatischen Finanzmetropole mit Einbruch der Dämmerung statt.

Die Piloten - internationale Jet-Setter - sind nicht bereit und haben wohl auch gar nicht die Zeit, ihren Rhythmus auf das asiatische Nacht-Spektakel umstellen.

Also bleiben sie im europäischen Rhythmus. Heißt: Nachts fahren, tagsüber schlafen.

Das Qualifying in Singapur wird um 21 Uhr Ortszeit (15 Uhr deutscher Zeit) gestartet, das Rennen beginnt eine Stunde früher, dauert dafür aber fast zwei Stunden lang.

Termine, darunter Fahrer-Briefings und Pressekonferenzen, finden zum Teil am späten Abend, oft weit nach 23 Uhr statt.

Späte Anreise

Für Weltmeister Vettel ist das, wie für die anderen Fahrer auch, längst zur Routine geworden.

"Die Schwierigkeit liegt darin, dass man seinen Körper ein bisschen belügt", berichtete der Red-Bull-Star: "Weil der Körper das irgendwann merkt, versucht man so spät wie möglich anzureisen."

Der nächste Trick, um dem gefürchteten Jetlag zu entgehen: Vettel Co schlafen so lange es geht, Frühstücken erst nach Mittag, das Mittagsmahl findet dann eben erst am Abend statt.

Denn das Wichtigste ist, "dass man fit und ausgeschlafen ist", so Vettel.

Sutil: Schnelle Gewöhnung

Auch Force-India-Pilot Adrian Sutil weiß, dass Singapur in Sachen Wach-Schlaf-Rhythmus besonders ist.

"Die innere Uhr sagt einem, dass es Nacht ist, wenn es in Wirklichkeit Tag ist und umgekehrt", erläutert er: "Aber man gewöhnt sich daran recht schnell. Man ist zwar etwas müde, aber wenn es losgeht, ist das vorüber."

Piloten begeistert

Die erzwungene Veränderung ihrer Gewohnheiten stößt bei den Formel-1-Piloten keineswegs auf Ablehnung, im Gegenteil.

"Es ist eine schöne Abwechslung zum üblichen Ablauf eines Rennwochenendes", meint Mercedes-Pilot Lewis Hamilton. Und Jenson Button und Nico Hülkenberg geraten regelrecht ins Schwärmen, wenn sie über das Nachtrennen sprechen.

"Es ist eines der Wunder des modernen Sports", meint McLaren-Star Button. Hülkenberg benötigt nur ein Wort, um seine Gefühle zu beschreiben: "Einzigartig."

Nicht jeder wird gleich derart überschwänglich. Aber sogar der ziemlich trockene Finne Kimi Räikkönen kann dem Rhythmuswechsel etwas Gutes abgewinnen.

"Da kann ich wenigstens ausschlafen", meinte der Iceman in seiner typischen Art.

Vettel: Eines der härtesten Rennen

Ein Leistungsabfall ist bei den Piloten in Singapur nicht zu erkennen.

Schon gar nicht beim Trainingsbesten im Red Bull.

Dennoch: Ein Kinderspiel sei das alles keineswegs, betonte Vettel: Die hohen Temperaturen über 30 Grad, die extrem feuchte Luft: "Es ist eines der härtesten Rennen des Jahres."

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