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Sebastian Vettel fuhr in Singapur zur 41. Pole-Position seiner Karriere © getty

Vettel hat trotz der erzitterten Pole-Position großen Respekt vor dem Nacht-Rennen in Singapur. Räikkönens Start ist fraglich.

Von Tobias Wiltschek

München/Singapur - Die Szene verdeutlichte die Kräfteverhältnisse in der Formel 1 anschaulicher als tausend Worte.

Während seine Konkurrenten im Qualifying zum Singapur-Grand-Prix noch auf der Zeitenjagd waren, stieg Sebastian Vettel schon aus seinem Red-Bull-Boliden und verfolgte die letzte Phase von Q3 vor dem Monitor.

Ein Novum in dieser Saison, in der die Piloten bislang bis zum letzten Meter auf der Strecke gegeneinander um die Pole gekämpft hatten.

Vettels Renningenieur Guillaume Rocquelin hatte sich angesichts des gewaltigen Vorsprungs von über einer halben Sekunde dafür entschieden, den Heppenheimer frühzeitig in die Box zu holen und damit einen Satz Reifen für das Rennen zu sparen (Bericht).

91 Tausendstel fehlen

Dass Mercedes-Pilot Nico Rosberg mit seiner letzten Runde noch mal bis auf 0,091 Sekunden an Vettel herankam, änderte nichts an der Überlegenheit des Weltmeisters.

"Sebastian wäre wieder deutlich vorne gewesen, hätte er (in Q3, d. Red.) den zweiten Run gemacht", war sich Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko sicher.

Vettel selbst erklärte: "Ich wusste, dass wir einen bequemen Vorsprung hatten. Deshalb haben wir uns entschieden, nicht noch einmal rauszufahren." Auch wenn er das Pokerspiel beinahe noch bereut hätte. "Das waren die schlimmsten Qualifying-Minuten, die ich bis jetzt hatte", gab er später zu.

Auch so aber reichte es auf der grell erleuchteten Strecke in der asiatischen Finanzmetropole zu seiner fünften Pole-Position der laufenden Saison - vor Rosberg und dem überraschend starken Romain Grosjean im Lotus.

Auf dem Stadtkurs ist der erste Startplatz bekanntlich doppelt wertvoll, weil dort das Überholen schwieriger ist als anderswo.

Beschwerlicher Weg

Dennoch weiß Vettel, wie beschwerlich der Weg zu seinem dritten Sieg in Folge beim Flutlicht-Spektakel am Sonntag (ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) werden kann.

"Singapur ist das härteste Rennen des Jahres. Eine Runde ist so lang, mit so vielen Kurven", erklärte der 26-Jährige: "Es gibt keinen Raum für Fehler. Dazu kommt noch die Hitze. Es wird ein hartes Rennen."

Auf Fehler des dreimaligen Weltmeisters hofften die Konkurrenten in dieser Saison bislang vergebens. Trotzdem will vor allem Mercedes nicht schon vor dem Rennen aufgeben.

"Der zweite Platz ist ein tolles Ergebnis und eine gute Ausgangsposition für das Rennen. Unser Speed stimmt, das ist sehr erfreulich", sagte Rosberg, nachdem er Vettel mit seiner schellen letzten Runde doch noch ein wenig zittern ließ.

Rosberg hat sich in dieser Saison mit seinem Sieg in Monaco bereits als Stadtkurs-Experte erwiesen und könnte - einen fulminanten Start vorausgesetzt - auch in Singapur Vettel gefährden.

"Nicht schell genug"

Weniger zufrieden war Hamilton mit seiner Leistung. "Ich war heute einfach nicht schnell genug", musste der Brite nach Platz fünf einräumen. Damit steht er noch hinter Vettels Teamkollege Mark Webber.

Dennoch sieht Mercedes-Teamchef Ross Brawn unter gewissen Umständen auch für seinen Landsmann noch Chancen: "Wir müssen hoffen, dass Mark in Zweikämpfe verwickelt wird - oder vielleicht auch auf das Safety-Car."

Diese Hoffnung ist nicht unberechtigt. Kam das Safety-Car doch in den bisherigen fünf Singapur-Rennen im Schnitt vier Runden lang zum Einsatz.

Mit Blick auf die WM-Gesamtwertung lieferte das Qualifying freilich keinen Grund zu erhöhtem Optimismus. Weder bei Mercedes - Hamilton hat als Dritter 81 Punkte Rückstand auf Vettel ? noch bei Ferrari.

Unterlegenheit im Qualifying

Die Scuderia, die unter der Woche die Verpflichtung von Kimi Räikkönen für die nächste Saison bekanntgegeben hatte, musste einmal mehr ihre Unterlegenheit in der Qualifikation anerkennen

"Im Qualifying haben wir Schwierigkeiten, uns zu steigern", bilanzierte Fernando Alonso nach seinem siebten Platz. Der macht es ihm beinahe unmöglich, den Rückstand auf Vettel von derzeit 55 Punkten zu verkürzen.

Zumal er erneut hinter Felipe Massa (6.) starten muss und von nun an wohl nicht mehr auf Schützenhilfe seines Teamkollegen zählen kann. Der Brasilianer hatte ihm die Gefolgschaft aufgekündigt, weil er zur neuen Saison Räikkönen Platz machen muss.

Räikkönen geschwächt

Der Finne erlebte - geschwächt von Rückenschmerzen - ebenfalls ein unerfreuliches Qualifying und scheiterte als 13. bereits in Q2. Sein Start im Rennen ist noch nicht sicher.

"Durch die schmerzstillende Spritze hat er nichts gespürt, aber wir müssen es die Nacht beobachten und sehen, wie es am Sonntag aussieht", sagte Lotus-Teamchef Eric Boullier.

Unklar ist, woher die Verletzung rührt. Räikkönen selbst spricht von einem herausgesprungenen Wirbel.

Spekulationen von einem Freizeit-Unfall machen die Runde. "Es gab einen Zwischenfall", bestätigte ein Lotus-Teammitglied der "Bild am Sonntag".

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