Überflieger Vettel spielt mit der Konkurrenz. Seine Erfolge erdrücken die Formel 1. Nur ein radikaler Plan könnte das ändern.

Sebastian Vettel erlebt zurzeit die ziemlich unschöne Kehrseite seiner erdrückenden Dominanz.

Überall, wo er der Überflieger des elitären Kreisverkehrs auch hinkommt, schallt ihm nicht mehr nur der verdiente Applaus entgegen.

Der sympathische Hesse wird immer häufiger ausgepfiffen.

Zuletzt war das beim Italien-Grand-Prix in Monza so, nun auch wieder beim nächtlichen Glitzer-Rennen in Singapur, wo sicher nicht nur Ferraristi und Alonso-Tifosi zuhause sind.

Die Schmähungen sind unsportlich, unfair - und Vettel hat sie ganz sicher nicht verdient.

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Dass nicht jeder seine überlegenen Auftritte schätzt, hat der dreimalige Weltmeister auf dem Weg zu seinem fast sicheren vierten Titel natürlich mitbekommen.

Aber was soll der beste Pilot seiner Generation tun? Soll er etwa langsamer fahren, um die Herzen und den Respekt der Massen zu gewinnen?

Abbremsen werde er sicher nicht, so hat es Vettel vor dem Grand Prix in Singapur singemäß formuliert, für einen echten Rennfahrer zählen nur die Siege.

Vettel wird damit leben können, dass nicht jeder gut findet, was er tut.

Die Formel 1 hingegen hat ein Problem - und das ist es auch, was die Pfiffe ausdrücken, die Vettel abkriegt: die Dominanz des Weltmeisters und seines Red-Bull-Teams erdrücken die Formel 1.

Es ist das alte Prinzip: Siegt einer zu oft, wird es langweilig.

Und eine Änderung der Kräfteverhältnisse ist nicht in Sicht - so lange das Design-Genie Adrian Newey Vettels pfeilschnelle Rennwagen baut.

Die Entwürfe des Engländers sind jedes Mal aufs Neue Geniestreiche - die Konkurrenz hat ganz offensichtlich niemanden, der Autos von dieser Güte zu bauen vermag.

Und Autos sind in der modernen Formel 1 immer noch der bei weitem wichtigste Schlüssel zum Sieg - nicht der Fahrer, wie manch einer glauben könnte.

Weil zu befürchten ist, dass Red Bulls Uneinholbarkeit bestehen bleibt, so lange Aero-Guru Newey seinen Dienst für das Bullen-Team verrichtet, an dieser Stelle ein Vorschlag, um die Formel 1 wieder spannend zu machen: Newey wird ab sofort verliehen.

Von Team zu Team, immer für ein Jahr.

Vettel würde das natürlich nicht gefallen, aber der Königsklasse würde es sicher sehr gut tun.

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