Mit Vettels Sieg in Singapur ist für Hans-Joachim Stuck die WM entschieden. Ferraris neue Paarung sieht er bei SPORT1 kritisch.

Hallo Formel-1-Fans,

die WM ist mit Sebastian Vettels Sieg in Singapur entschieden. Nur das Schicksal kann Vettel auf dem Weg zum vierten Titel noch aufhalten.

Es ist zwar rechnerisch noch möglich, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er dreimal ausfällt und Alonso viermal gewinnt. Das Schicksal wird den Sebastian nicht so hart erwischen.

Er hat einen beruhigenden Vorsprung. Das reicht zwar nicht, um sich zurückzulehnen. Er wird seine Rennen gut fahren, er wird weiterhin über ein Top-Auto verfügen, daher gibt es keinen Grund, dass sich etwas ändert.

Und er kann die ganze Sache leicht gelassener angehen und kann mit minimalstem Risiko zu Werke gehen, was eine super Beruhigungspille ist.

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Großen Spaß hat mir der Start bereitet. Nico Rosberg war sensationell und auch Alonso war geil. Das war schon super, was die vorgeführt haben. Schade, dass der Nico einen Kilometer zu schnell war. Aber es war eine coole Aktion, so wie man sich Formel-1-Rennen wünscht.

Mich hat es gefreut, dass Räikkönen Dritter geworden ist und Alonso Zweiter. Aber die beiden haben auch vom taktischen Fehler der beiden Mercedes' profitiert. Bei der Safety-Car-Phase hätte auch Mercedes seine Fahrer reinholen müssen.

Vettels Dominanz werden Alonso und Kimi trotz ihrer starken Vorstellung in naher Zukunft nicht durchbrechen können. Das liegt auch daran, dass Ferrari - und auch die anderen Teams wie Mercedes - die Entwicklungsarbeit für das neue Jahr mit neuem Motor vorantreiben und nicht mehr mit 100-prozentiger Intensität am Auto arbeiten werden.

Soweit das möglich ist, werden sie sicherlich Verbesserungen vornehmen, mehr aber nicht. Ferrari und Lotus werden nur noch auf Glück hoffen, um Vettel zu schlagen. Alles andere bringt ja auch nichts. Man muss die Kirche im Dorf lassen, es wäre ja vergebene Mühe.

Damit sich etwas an Vettels Dominanz ändert, muss man für 2014 auf die neuen Regelungen mit den Turbo-Motoren hoffen - nicht auf Ferraris neue Fahrerpaarung mit Alonso und Kimi.

An Ferraris Stelle hätte ich niemals Räikkönen und Alonso zusammengebracht. Niemals. Das birgt für mich großes Konfliktpotenzial.

Wie fühlt sich ein Räikkönen, der wegen Alonso bei Ferrari damals ja rausgeschmissen wurde? Das darf man nicht vergessen. Da sinnt Kimi auf Rache und hat Alonso voll auf dem Zettel. Für Kimi wird es nur eines geben: Sich gegen Alonso durchzusetzen.

Ich glaube nicht, dass diese Kombination für Ferrari zielführend ist. So wie ich die beiden kenne, kann ich mir nicht vorstellen, dass die perfekt zusammenarbeiten werden.

Also müssen wir auf die neuen Autos und die Turbo-Motoren hoffen. Ferrari muss die Zeit nutzen, um eine gelungene Basis mit Auto und Motor zu schaffen, damit sie sich auf Augenhöhe mit Red Bull begeben.

Wenn Vettel den anderen Teams den Schritt weiter voraus ist, den er jetzt ist, wird das auch kommendes Jahr eine stinklangweilige Saison werden.

Bis zum Korea-Grand-Prix, Euer Hans-Joachim Stuck

Hans-Joachim Stuck ist einer der erfolgreichsten und populärsten deutschen Rennfahrer. In seiner aktiven Karriere bestritt er 74 Formel-1-Rennen und fuhr in der Königsklasse zwei Mal auf das Podium. Außerdem gewann er zwei Mal die 24 Stunden von Le Mans, drei Mal die 24 Stunden auf dem Nürburgring, wurde Langstrecken-Weltmeister und DTM-Sieger. Seit dieser Saison schreibt er wöchentlich eine Formel-1-Kolumne bei SPORT1.

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