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Sebastian Vettel führt in der WM mit 60 Punkten Vorsprung auf Alonso © getty

Sebastian Vettel betont nach seinem dritten Singapur-Sieg die harte Arbeit hinter seinen Erfolgen. Pfiffe nimmt er gelassen auf.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel ließ im Moment des Glücks (Bericht) nicht den Hauch eines Missverständnisses aufkommen.

Dritter Singapur-Sieg in Serie (Highlights ab 23.45 Uhr im TV auf SPORT1). , Pole-Position, schnellste Rennrunde und obendrein nicht einen Umlauf die Führung abgegeben - seine Verfolger Fernando Alonso im Ferrari und Kimi Räikkönen im Lotus überquerten den Zielstrich auf dem Marina Bay Circuit eine halbe Minute beziehungsweise 45 Sekunden hinter dem Red-Bull-Star. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Überlegener und zugleich spielerischer konnte Vettels siebter Saisonsieg also nicht erscheinen. Aber der Heppenheimer stellte klipp und klar fest: "Das passiert nicht einfach so, und es war auch nicht so leicht, alles so hinzubekommen." (781039DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Dritter Sieg in Serie

Er sei "extrem glücklich und extrem stolz, weil ich weiß, wieviel Arbeit in solchen Siegen steckt".

Dass er sein Lieblingsrennen in Singapur zum dritten Mal in Serie gewonnen habe, mit dem "Luxus, alles von vorne zu kontrollieren", sei der Hingabe seines Red-Bull-Rennstalls zu verdanken.

"Es ist ein Privileg, Teil dieses Teams zu sein", schloss Vettel seinen Dank ab.

Red-Bull-Maschine auf Hochtouren

Was den Weltmeister derart in Überschwang versetzte, muss bei der Konkurrenz wie der ultimative K.o.-Schlag im Kampf um den WM-Titel wahrgenommen werden. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Zwar ist das Titelrennen auch nach dem südostasiatischen Nachtspektakel offiziell weiterhin offen, aber ernsthaft: Wer soll Vettel und seinen Rennstall aufhalten, jetzt, da die Red-Bull-Maschine auf der Zielgeraden der Saison offenbar auf höchsten Touren läuft?

Der WM-Führende befasst sich mit dieser Frage angeblich nicht, das hat er nach der Zieldurchfahrt auf dem Marina Bay Circuit erneut bekräftigt.

Er genießt laut eigenem Bekunden lediglich, was ihm wiederfährt. "Im Moment macht es einfach so viel Spaß, dass ich nicht über die Meisterschaft nachdenke und einfach nur von Rennen zu Rennen denke", gab der Red-Bull-Pilot sein Credo dieser Tage wieder.

Aufholjagd von Alonso und Vettel

Der Deutsche sprach nach den zwei Stunden auf dem fünf Kilometer langen Stadtkurs in der südostasiatischen Finanzmetropole von einer "wahren Schlacht", aber das meinte Vettel nicht mit Blick auf die Verfolger.

Seine Worte bezogen sich auf die körperlichen Anstrengungen, die ihm "das härteste Rennen" der Saison bereitet hatte.

Seine WM-Verfolger erwähnte er nicht. Wieso auch? Weder Alonso noch Räikkönen, die beide fabelhafte Fahrten vom siebten beziehungsweise 13. Startplatz gezeigt hatten, kamen jemals in Schlagdistanz.

"Er war das ganze Wochenende zu schnell für uns, wir müssen ihm gratulieren", sprach folglich Alonso nach den kräftezehrenden 308 Kilometern.

Rosberg mutig

Der einzige Fahrer, der Vettel an diesem Tag für wenige Augenblicke das Heck gezeigt hatte, war Nico Rosberg in seinem Mercedes.

Mit einer mutigen Attacke hatte er den Pole-Setter im Red Bull beim Start überholt. Das hatte er sich vorgenommen nach dem Motto: "Ich habe nichts zu verlieren, da halte ich mal rein."

Rosbergs Glück währte indes nur bis kurz nach der ersten Kurve, dann zog Vettel wieder an ihm vorbei.

"Er war in einer eigenen Liga", erkannte Blondschopf Rosberg.

Ricciardo sorgt für Safety-Car

Sein Rennen verdarb eine lange Safety-Car-Phase zwischen Runde 25 und 31, nachdem Toro-Rosso-Pilot Daniel Ricciardo seinen Rennwagen an die Wand gesetzt hatte.

Während die Konkurrenz, darunter Alonso und Räikkönen, zum Reifenwechsel abbog und davon im Finale des Grand Prix profitierte, blieb Mercedes auf der Strecke.

Was sich im weiteren Rennverlauf fatal auswirkte. Später mussten sie nämlich doch zum Stopp abbiegen und die Konkurrenten um die vorderen Plätze konnten passieren.

Rosberg, als Zweiter gestartet, beendete das Rennen schließlich als Vierter, einen Platz vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton.

"Es war wohl nicht die beste Entscheidung, draußen zu bleiben", kommentierte Rosberg die Mercedes-Strategie.

Vettel zieht auf und davon

Teamchef Ross Brawn stellte fest: "Das Safety-Car kam für uns zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Nico hatte das zweitschnellste Auto da draußen. Es ist wirklich schade, dass er nicht aufs Podium gekommen ist."

Für Vorfahrer Vettel und sein Team war die Safety-Car-Phase nur eine missliebige Unterbrechung.

Probleme bereitete sie dem Titelverteidiger nicht im Ansatz, im Gegenteil. "Nach der Safety-Car-Phase haben wir die Hosen runtergelassen", verriet der Red-Bull-Pilot. Soll heißen: Jetzt wurde ernst gemacht.

Vettel zog gnadenlos davon. Seine Gegenspieler sahen ihn erst viel später wieder. Auf dem Podium bei der Siegerehrung.

Pfiffe der Ferrari-Fans

Dort sah sich Vettel wie schon häufiger in diesem Jahr den Pfiffen und Buh-Rufen erzürnter Ferraristi ausgesetzt.

Vettel kennt das mittlerweile, die Anhänger der Scuderia reagierten eben sehr emotional, wenn ihre Fahrer nicht ganz oben stünden, meinte er gelassen.

"Sie kriegen von mir im Moment nicht die spannendsten Rennen", fügte der strahlende Sieger hinzu: "Aber an Tagen wie diesen ist mir das egal."

Und mehr noch, fand Vettel: "So lange sie pfeifen, machen wir einen guten Job."

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