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Sebastian Vettel hebt Teamkollege Daniel Ricciardo nach dessen ersten Sieg in der Formel 1 in die Höhe © getty

Nicht Vettel profitiert vom Mercedes-Fehlerteufel, sondern sein Teamkollege. Rosberg ist der heimliche Sieger.

Von Holger Luhmann

Montreal - Als Sebastian Vettel aus seinem Red Bull stieg, eilte der Weltmeister zu Daniel Ricciardo, drückte seinen Teamkollegen ganz fest und hob ihn in die Luft.

Vettels Freude über den ersten Sieg des australischen Dauerlächlers in der Formel 1 wirkte ganz ehrlich.

"Heute ist sein Tag", sagte der Heppenheimer wenig später.

Ricciardo als Profiteur

Dabei war Vettel beim Großen Preis von Kanada in Montreal durchaus wieder der Dumme.

Endlich - aus Sicht der Konkurrenz - waren die in dieser Saison bislang so dominierenden Mercedes von einem beinahe ominösen und doppelten Fehlerteufel heimgesucht worden.

Doch nicht Vettel war der große Profiteur, sondern Ricciardo.

Während Ricciardo in der letzten Runde an Rosberg im Stotter-Silberpfeil vorbei an die Spitze zog, musste sich Vettel mit Platz drei begnügen. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

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Vettels "Suzie" eine "Gurke"

Dass Vettel erst hinter den Force India von Sergio Perez und Nico Hülkenberg fest saß und dann auch noch das Timing des zweiten Boxenstopps nicht stimmte, passte in die bislang so unglückliche Saison.

Und so ließ Vettel seinen Frust über die ganze verfahrene Situation dann doch noch raus.

"Das mit unserer Gurke auf der Geraden nichts geht, ist einfach frustrierend. Entschuldigung, aber das muss man mal so sagen", wählte der viermalige Champion deutliche Worte.

Nur: Ricciardo saß in der gleichen Gurke - und war damit bereits zum fünften Mal in dieser Saison schneller als Vettel.

"Das mich das anfrisst, ist keine Frage", sagte Vettel: "Um Zweiter oder Dritter zu werden, bin ich nicht hier."

"Riesenglück" bei Massa-Abflug

Am Ende konnte Vettel aber noch froh sein, dass er nicht in den üblen Crash von Felipe Massa und Perez verwickelt wurde.

Beim "Abflug" in die Streckenbegrenzung verfehlte Massa Vettel nur ganz knapp.

"Da hat Sebastian Riesenglück gehabt", sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko bei "Sky" und fügte sichtlich erleichtert hinzu: "Gott sei dank ist es gut ausgegangen."

Ahnungsloser Rosberg

Gut ausgegangen war das Rennen letztlich auch für Rosberg.

Das Überholmanöver von Ricciardo konnte er verschmerzen. Denn durch den Ausfall von Stallgefährte Lewis Hamilton führt er die Gesamtwertung nun mit 22 Punkten vor dem Briten an und durfte sich als heimlicher Gewinner fühlen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Entsprechend gelöst plauderte Rosberg schließlich: "Es ist so viel um mich herum passiert, dass ich im Ziel meinen Ingenieur fragen musste, auf welchem Platz ich eigentlich angekommen bin. Ich dachte, dass ich vielleicht Fünfter oder Sechster geworden bin. Umso glücklicher war ich, als ich erfuhr, dass ich Zweiter war", erzählte der 28-Jährige und fasste für sich zusammen:

"Das sind sehr wichtige Punkte für den WM-Kampf, somit war es ein schwieriger, aber letztlich doch guter Tag für mich." Hier gibt es Tickets für die Formel 1

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"Fantastische Schadensbegrenzung"

Eine Überhitzung in der elektronischen Kontrollbox hatte dafür gesorgt, dass das Hybridsystem MGU-K an beiden Autos ausfiel. Rosberg und Hamilton standen somit im zweiten Renndrittel rund 160 PS weniger zur Verfügung. An Hamiltons Wagen versagten schließlich noch die Bremsen.

"Es gibt eine Kontrollbox über die ganze Elektronik im Auto. Die ist bei beiden überhitzt", erklärte Aufsichtsratschef Niki Lauda bei "RTL" und ergänzte: "Bei beiden Autos wird dann die Elektronik abgeschaltet. Das muss so sein, das ist so gebaut worden. Die Überhitzung ist dann wieder zurückgegangen, aber man konnte es nicht mehr resetten. Deswegen sind beide Autos ohne Hybrid, mit dem Benzinmotor alleine, ins Ziel gefahren." (SHOP: Jetzt Motorsport-Artikel kaufen)

Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff zollte Rosberg ein Sonderlob: "Er hat eine sensationelle Leistung gezeigt. Wenn man bedenkt, wie viel weniger Power er im Vergleich zu den anderen Autos hatte, war das eine fantastische Schadensbegrenzung."

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