Rosberg besteht seine Reifeprüfung. Englands Presse vergleicht seine Rettungstat von Montreal mit einer großen Torhüterlegende.

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Von Holger Luhmann

München - Den verbalen Ritterschlag erhielt Nico Rosberg aus berufenem Mund.

"So wie der Nico gefahren ist", schwärmte Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda, "das war weltmeisterlich."

Lauda kann das gut einschätzen. Der Österreicher hat selbst dreimal den WM-Titel der Formel 1 gewonnen.

Rosberg auf Laudas Spuren

Nun rast Rosberg auf Laudas Spuren. Umso mehr seit dem Großen Preis von Kanada.

Den Sieg musste er in der letzten Runde zwar an Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo abtreten. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Trotzdem ist Rosberg der heimliche Gewinner von Montreal.

Vergleich mit Gordon Banks

Gebeutelt von technischen Problemen seines stotternden Silberpfeils rettete der 28-Jährige Platz zwei ins Ziel.

Der "Daily Telegraph" verglich ihn prompt mit Englands Torwartlegende Gordon Banks und dessen Jahrhundertparade bei der WM 1970 in Mexiko gegen Peles Kopfballkracher. Rosberg habe "fast die größte Rettungstat seit Gordon Banks 1970 vollbracht".

Sicher ist: Rosberg bestand seine Reifeprüfung.

Oder ? wie es Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff ausdrückte ? er betrieb "eine fantastische Schadensbegrenzung".

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Wie im Qualifying-Modus

Denn als die elektronische Kontrollbox überhitzte, das Hybridsystem MGU-K lahm legte und plötzlich 160 PS weniger Power zur Verfügung stand, blieb Rosberg ganz cool.

"Ich habe versucht, alle möglichen Knöpfe am Lenkrad zu drücken, aber es hat nichts genutzt", erklärte Rosberg.

"Ich konnte nur noch versuchen, das Rennen unter den Voraussetzungen so gut wie möglich zu Ende zu bringen", meinte der WM-Spitzenreiter: "Ich bin jede neue Runde wie eine Qualifying-Runde angegangen, um das Maximum rauszuholen." Es gelang ihm mit Bravour.

Vorsprung ausgebaut

Und weil Teamkollege Lewis Hamilton mit dem gleichen Problem an seinem Boliden zu kämpfen hatte und schließlich sogar mit einem Bremsdefekt ausfiel, baute Rosberg seine Führung auf den Briten in der Gesamtwertung sogar auf 22 Punkte aus. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Doch Rosberg hatte nach 70 kräfte- und nervenzehrenden Runden ganz andere Probleme. Denn kurzfristig hatte er etwas die Orientierung verloren. Um ihn herum sei so viel passiert, dass er im Ziel seinen Ingenieur fragen musste, auf welchem Platz er denn gelandet war. Fünfter oder Sechster, dachte er, sei er geworden.

"Umso glücklicher war ich, als ich erfuhr, dass ich Zweiter war", erzählte Rosberg.

Rosberg schlägt zurück

Im internen "Krieg der Sterne" hat Rosberg innerhalb von zwei Wochen mächtig gegen Hamilton zurückgeschlagen. Hier gibt es Tickets für die Formel 1

Vor Monaco hatte Stallrivale Hamilton Rosberg noch die Titelreife abgesprochen. Rosberg, so Hamilton, sei "mit Jets, Hotels und Yachten aufgewachsen". Ihm fehle der letzte Biss.

Offensichtlich eine Fehleinschätzung.

Die Antwort hat Rosberg auf der Rennstrecke gegeben. Erst mit seinem Sieg in Monaco, nun mit seinem Husarenritt in Montreal

Red Bull und Ricciardo nagen an Rosberg

So richtig freuen wollte sich Rosberg über seinen zweiten Rang zunächst nicht. "Ohne einen Sieg aus Kanada abzureisen, ist eine große Enttäuschung für uns. Ich habe keine Lust, dass Red Bull gewinnt, das ist nix - wir wollen die immer schlagen", gab er zu Protokoll. (SHOP: Jetzt Motorsport-Artikel kaufen)

Auf Nachfrage machte er aus seiner Genugtuung dann aber doch kein Geheimnis.

Rosberg sprach von "sehr wichtigen Punkten für den WM-Kampf". Dass er den Vorsprung auf Hamilton ausbauen konnte, sei "positiv".

Eine "große Sache."

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