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Auf dem Nürburgring wurde in der Eifel bis 1985 der Deutschland-GP ausgetragen © imago

Die Nürburgring-Gesellschafter verkünden einen Deal mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Der kritisiert seine "Freunde in Hockenheim".

Köln - Das Knallen der Korken am Nürburgring ließ die Betreiber in Hockenheim sinnbildlich vor Wut schäumen.

Zwischen den Ausrichtern der traditionsreichen Formel-1-Rennen in Deutschland ist am Dienstag ein handfester Streit entbrannt.

Drei Monate nach dem Erwerb des Kurses vermeldete die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) ein grundsätzliches Übereinkommen mit Promoter Bernie Ecclestone, den Deutschland-Grand-Prix der Motorsport-Königsklasse ab 2015 für mindestens fünf Jahre in der Eifel auszutragen.

In Baden-Württemberg löste die Bekanntgabe des Deals Wut und blankes Entsetzen aus.

"Es ist eine Frechheit"

"Es ist eine Frechheit, dass diese Pressemitteilung herausgegeben wurde. Es gibt in der Formel 1 ein ungeschriebenes Gesetzt, das besagt: Kein Versand von Pressemitteilungen, wenn man sich im Verhandlungszustand befindet", sagte Hockenheim-Geschäftsführer Georg Seiler. "Das ist rufschädigend. Erst geht man pleite zu Lasten des Steuerzahlers, und nun macht man Millionenverträge."

Der Düsseldorfer Automobilzulieferer Capricorn hatte den insolventen Nürburgring im März für rund 102 Millionen Euro gekauft und sich gleich in seinem ersten öffentlichen Statement zur Formel 1 in der Eifel bekannt.

Nun also der große Wurf? Erstmals seit den 1970er-Jahren soll die Formel 1 (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer) dauerhaft am Nürburgring gastieren. Zuletzt fand das Rennen im jährlichen Wechsel mit Hockenheim statt.

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Vertraglich zugesichertes Rennen

Dort pocht man darauf, auch 2016 und 2018 angeblich vertraglich zugesicherte Rennen auszutragen.

"Wir freuen uns auf den Grand Prix von Hockenheim", sagte Seiler, demzufolge Ecclestone nicht die Möglichkeit habe, den Kontrakt aufzulösen. Seiler meinte, er sehe den Briten als fairen Partner und habe keinen Grund, daran zu zweifeln. "Er kann und will den Vertrag nicht kündigen."

Der Promoter räumte seinerseits die Existenz eines Spezialvertrags mit dem Hockenheimring ein und deutete eine mögliche Entscheidung gegen die Traditionsstrecke in Baden-Württemberg an.

Ecclestone kritisiert Hockenheim

"Es spricht nichts gegen Hockenheim, außer dass es den Anschein hat, dass unsere Freunde in Hockenheim nicht in der Lage sind, unsere Bedingungen zu erfüllen", sagte Ecclestone der Fachzeitschrift "auto motor und sport": "Deshalb haben wir mit ihnen einen Spezialvertrag gemacht, um ihnen zu helfen. Aber auf dieser Basis können wir nicht ewig weitermachen."

Laut "auto motor und sport" gibt es Klauseln, nach denen der bestehende Vertrag kündbar ist, sobald ein Veranstalter bessere Konditionen anbietet.

"Wenn wir mit dem Nürburgring ein langfristiges Abkommen abschließen, dann ist es das Beste den bestehenden Vertrag zu beenden und bereits 2015 mit dem neuen zu beginnen", sagte Ecclestone. Zuvor hatten die Nürburgring-Betreiber um Hauptgesellschafter Robertino Wild von der Einigung geschwärmt.

"Beide Parteien sind davon überzeugt, dass dieser Weg für alle an der Veranstaltung Beteiligten deutliche Vorteile und einen Mehrwert erbringt. So haben Fans und Zuschauer Gewissheit, wo und wann das Highlight in der Königsklasse des Motorsports stattfindet", hieß es in der Capricorn-Mitteilung.

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Feuerunfall von Lauda

Zudem würden sich für Sponsoren und Geschäftspartner optimale und langfristige Planungsmöglichkeiten ergeben: "Damit ist eine dauerhafte Bindung der Formel 1 am Nürburgring möglich und in greifbarer Nähe", hieß es in der Mitteilung weiter.

Beabsichtigt sei eine dauerhafte Partnerschaft über fünf Jahre hinaus. Für die Finanzierung kündigte Capricorn ein "neues Modell" an, das eine ausgeglichene Gewinnverteilung vorsieht.

Die Formel 1 war seit Anfang der 50er Jahre fester Bestandteil des Nürburgrings. Bis zu Niki Laudas verheerendem Feuerunfall am 1. August 1976 fuhr die Formel 1 auf der 22,8 Kilometer langen Nordschleife, danach kehrte die Königsklasse der Eifel bis zur Fertigstellung des neuen Grand-Prix-Kurses 1984 den Rücken.

20 Jahre Hockenheim

1985 fand der Große Preis von Deutschland dann noch einmal auf dem Nürburgring statt, ehe er 1986 für zunächst 20 Jahre nach Hockenheim umzog.

2007 gab es einen Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring, seit 2008 findet der Große Preis von Deutschland im jährlich wechselnden Rhythmus in Hockenheim und in der Eifel statt.

Zuletzt gastierte die Formel 1 im Jahr 2013 auf dem Nürburgring. Weltmeister Sebastian Vettel gewann damals erstmals den Großen Preis von Deutschland.

Darüber, wo dieser künftig stattfindet, wird nun heftig gestritten.

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