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Sebastian Vettel ist der jüngste Weltmeister in der Geschichte der Formel 1

Sebastian Vettel erlebt in Spielberg ein Desaster, die Pannenserie setzt sich fort. Doch auch er ist mitschuldig am Absturz.

Aus Spielberg berichtet Andreas Reiners

Spielberg - Sebastian Vettel war nicht aufzuhalten.

Der Weltmeister hatte es eilig, setzte sich auf seinen Roller und brauste davon. Die Szene kurz nach dem achten Saisonrennen in Spielberg (Bericht) sah aus wie eine Flucht. Und passte perfekt zur Situation des viermaligen Formel-1-Weltmeisters.

Nur weg vom Ort des sportlichen Debakels. Nichts mehr hören und niemanden mehr sehen. Der 26-Jährige hatte vor seiner überstürzten Abreise erst gar nichts sagen wollen.

Das musste er auch eigentlich gar nicht. Katastrophe, Debakel, Demütigung. All das trifft den Nagel derzeit so ziemlich auf den Kopf.

Lange Pannenliste

Ausgerechnet beim Heimspiel seines Arbeitgebers Red Bull erlebte Vettel den nächsten Tiefschlag.

Die Pannenliste in Österreich: Dreifacher Dreher im Training, verpatztes Qualifying, technische Probleme im Rennen, mit einer Runde Rückstand Letzter, beschädigter Frontflügel im Duell um Platz 20 (!) und schließlich die Aufgabe in Runde 36.

"Ich weiß nicht, warum es immer mich trifft. Drei Ausfälle sind bitter, die erste Saisonhälfte hätten wir uns ergebnistechnisch sparen können", sagte der Heppenheimer. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

In der Tat: Der WM-Zug ist für Vettel schon jetzt abgefahren. 2014 erlebte er bislang so viele Ausfälle wie in den vergangenen drei Jahren zusammen. Und hat dazu ein hoffnungslos unterlegenes Auto.

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Red Bull schimpft über Renault

Bei Red Bull schiebt man den Schwarzen Peter dem Motorenpartner Renault zu.

"Die Standfestigkeit ist inakzeptabel, und auch die Leistung ist es", schimpfte Teamchef Christian Horner: "Renault muss etwas ändern, denn so kann es nicht weitergehen. Das ist weder für Renault noch für Red Bull Racing gut. Es ist frustrierend, dass das Produkt derzeit nicht funktioniert."

Red Bull und Vettel müssen aber erst einmal weiter mit dem auskommen, was sie haben. Und der 26-Jährige versucht alles. Probiert aus. Ändert das Setup. Bekommt neue Updates. Alles ohne Erfolg.

Neben den technischen Unzulänglichkeiten an seinem Dienstwagen der neuesten V6-Generation kommt Vettel aber auch mit dessen Fahrverhalten und der Motorcharakteristik mit dem Hybridsystem nicht so gut zurecht wie in der Vergangenheit mit den alten Boliden. (Hier gibt es Tickets für die Formel 1)

Suzie zickt und bockt

Vettel ist mit seinem sauberen aerodynamischen Fahrstil an viel Anpressdruck gewöhnt. Seine Suzie ist lebendiger als ihre Vorgängerinnen. Zickt, bricht aus - und treibt Vettel so regelmäßig in den Wahnsinn.

Allerdings ist der Weltmeister zum Teil aber auch selbst schuld.

Seit Saisonbeginn hat er eine Abneigung gegen das neue Reglement entwickelt. Vettel versucht erst gar nicht, seine negative Grundeinstellung zu überspielen.

Meckert gegen die leisen Motoren. Über das Fahrverhalten. Und immer öfter auch gegen seine Mannschaft. Zuletzt nannte er sein Auto eine "Gurke", wirkt zeitweise beleidigt. Und auch hilflos. Vettel hat das Verlieren verlernt. Wenn er es überhaupt jemals konnte. (SHOP: Jetzt Motorsport-Artikel kaufen)

Vettel wünscht sich den Seilzug zurück

Und wie zum Beweis stänkerte er auch in Spielberg wieder munter drauflos.

"Es ist schade, man gibt Gas, und der Motor nimmt das nicht an - da wünscht man sich den alten Seilzug wieder. Das Team ist hochprofessionell und die Technik hochkompliziert - ob das jemand braucht, ist etwas anderes", wetterte Vettel.

Auch die sozialen Medien beschäftigt Vettels Aus

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Ricciardo kommt besser zurecht

Denn sein größtes Problem ist nicht einmal die fehlende Performance seines Red Bulls. Sondern dass sein Teamkollege Daniel Ricciardo mit eben jener Gurke wesentlich besser zurechtkommt.

Die Zahlen sprechen für den Australier: Der 24-Jährige gewann sechs von acht Qualifying-Duellen und landete in den Rennen ebenfalls sechsmal vor Vettel. In der WM-Wertung hat der stets gut gelaunte und dauergrinsende Ricciardo 23 Punkte mehr auf dem Konto. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Der eigentlichen Nummer zwei sind Fragen nach dem Status im Team allerdings sichtlich unangenehm. Er weicht aus, grinst verlegen und versucht sich in einem Kompromiss.

"Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht"

"Er ist viermaliger Weltmeister und es ist nicht so, dass er Probleme mit dem Auto hat. Ich denke, dass er sich inzwischen ans Auto gewöhnt hat", so Ricciardio:

"Natürlich versuchen wir beide immer mehr zu finden und anscheinend habe ich öfter ein bisschen mehr gefunden als er", sagte er. Grinste wieder. Überlegte. Und fügte hinzu: "Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht."

Einer wusste in Spielberg dann aber doch, woran es liegt. "Er hat mein Auto vom letzten Jahr", scherzte Mark Webber, der vor Ricciardo Vettels Teamkollege gewesen war.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

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