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Angesichts des deutlichen Rückstands auf Rosberg steht Hamilton beim Heimrennen in Silverstone enorm unter Druck - besonders nachdem sich Rosberg die Pole schnappt. In Führung liegend muss der Deutsche schließlich im Rennen sein Auto wegen technischen Problemen abstellen. Im Nachhinein ein wichtiger Wendepunkt in der WM - denn Hamilton siegt und holt sich 25 wichtige Punkte
Lewis Hamilton gewann zum zweiten Mal in seiner Karriere in Silverstone

Rosberg verpasst in Silverstone einen Big Point, der Vorsprung auf Hamilton schmilzt. Der lässt sich von Hollywood inspirieren.

Von Carsten Arndt

Spielberg/München - Nico Rosberg wollte einfach nicht aufgeben.

Immer wieder drückte er auf dem Lenkrad seines Mercedes herum, den heraneilenden Streckenposten schickte er mit einer eindeutigen Geste davon.

"Ich funkte die Box an und fragte, ob wir etwas machen könnten, um ins Ziel zu kommen - weniger schalten oder irgendwas Verrücktes!", sagte Rosberg anschließend.

Doch am Ende war alle Mühe vergeblich. In Führung liegend musste er den Großen Preis von Großbritannien (Bericht) wegen Getriebe-Problemen vorzeitig aufgeben.

Rosberg hätte seinem ersten Titel einen weiteren großen Schritt näher kommen können, doch stattdessen ist die WM nach dem Rennen in Silverstone offener denn je.

Hamilton siegt vor eigenem Publikum

Denn mit Lewis Hamilton profitierte der Teamkollege und erste Verfolger am meisten von Rosbergs Missgeschick.

60 Jahre nach dem ersten Formel-1-Triumph für Mercedes feierte der Ex-Weltmeister vor eigenem Publikum seinen fünften Saisonsieg. (917702DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

"Ich könnte nicht glücklicher sein. Vielen Dank, Jungs für ein fantastisches Rennen. Sorry für gestern", funkte er nach der Zieldurchfahrt an die Box.

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Inspiration aus Hollywood

Ein Sonderlob gab es dann noch für das britische Publikum.

"Habt ihr den Animationsfilm Monster AG gesehen? Die sammeln Energie durch Angst, aber sie erkennen, dass Freude und Lachen viel mehr wert ist. Und das spüre ich, wenn ich hierherkomme. So wie es heute gelaufen ist, das habe ich auch den Fans zu verdanken", jubelte Hamilton.

Vorentscheidung verpasst

Statt einer möglichen Vorentscheidung in Richtung des Deutschen ist die WM nun offen wie nie. Nur noch vier Punkte liegt Hamilton hinter seinem Teamkollegen. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Nach Hamilton Siegesserie hatte der Deutsche immer wieder angekündigt, den Lauf des Teamkollegen brechen zu wollen. Nun ist dies möglicherweise dem Briten gelungen.

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Rosberg gewinnt den Start

Dabei sah es anfangs noch gut aus für WM-Leader Rosberg.

Direkt am Start zog er an Sebastian Vettel, der schlecht wegkam und auf Rang fünf zurückfiel, vorbei und setzte sich zügig vom Feld ab. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Kontrahent Hamilton konnte ebenfalls zwei Plätze gut machen, lag als Vierter aber noch nicht in direkter Reichweite des 29-Jährigen.

Räikkönen crahst heftig

Wirklich Fahrt aufnehmen konnte Rosberg allerdings nicht. Noch in der ersten Runde verlor Kimi Räikkönen die Kontrolle über seinen Ferrari und schlug mit einer Wucht, die dem 47-fachen seines eigenen Körpergewichts entsprach, in der Leitplanke ein.

Unfall ohne schlimme Folgen

Glücklicherweise zog sich der Finne lediglich eine schwere Prellung des linken Sprunggelenks zu, in Hockenheim wird der "Iceman" aller Voraussicht nach wieder am Start sein können.

Am Ende des Tages verließ der Ex-Weltmeister stilecht im goldenen Ferrari die Strecke.

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Rosberg setzt sich ab

Nach etwa einstündiger Verzögerung folgte ein Neustart hinter dem Safety-Car.

Als das Rennen wieder freigegeben wurde, machte Rosberg da weiter, wo er aufgehört hatte und fuhr schnell einen Vorpsrung auf die beiden McLaren von Jenson Button und Kevin Magnussen heraus.

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Rosberg von der Technik gestoppt

Doch die fehlende Zuverlässigkeit seines Silberpfeils machte dem Wiesbadener einen Strich durch die Rechnung. Das Getriebe steckte im fünften Gang fest.

"In der 20. oder 21. Runde kündigte sich dieses Problem schon an. Es waren erst kleine Anzeichen, ich dachte nicht, dass es ein totaler Getriebeschaden werden würde. Ich wollte das Rennen einfach nur beenden und vielleicht noch ein paar Punkte mitnehmen, aber auch das hat leider nicht geklappt", sagte ein frustrierter Rosberg.

Vettel kämpft mit Alonso

Im Schatten der Silberpfeile lieferte sich Sebastian Vettel ein packendes und hart geführtes Duell mit Ferrari-Pilot Fernando Alonso um Platz fünf. Sowohl der Spanier als auch der Heppenheimer beschwerten sich mehrfach über Boxenfunk über die Fahrweise des anderen, bevor Vettel mit einem Brechstangen-Manöver den Zweikampf beendete.

"Zwei Mal hätte mich Alonso fast von der Strecke geschoben. Wenn ich da zwei Mal nicht zurückgezogen hätte, wären wir beide zwei Mal rausgeflogen. Am Ende hab ich es noch mit der Brechstange geschafft, an ihm vorbeizukommen", erklärte der Weltmeister. (SHOP: Jetzt Motorsport-Artikel kaufen).

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Hamilton schlägt zurück

Mit dem Kampf um die Spitze hatten die beiden freilich nichts zu tun. Dort drehte Hamilton am Ende einsam seine Kreise und konnte es sich sogar leisten, sein Auto zu schonen.

Nachdem er in den letzten Rennen einige Male unglücklich agiert und sich auch im Qualifying am Samstag einen Fehler erlaubt hatte, schlug der Brite nun im Titel-Rennen eindrucksvoll zurück. "Das Wochenende hat gezeigt, dass man nie aufgeben darf", sagte er.

Vorfreude auf Hockenheim

Rosberg wollte sich trotz seiner Enttäuschung nicht lange mit der Vergangenheit aufhalten. Sein Blick richtete sich schon wieder in Richtung des nächsten Rennens.

"Unser Tempo war hier super, wir waren fast schon so dominant wie zu Saisonbeginn", sagte Rosberg und fügte hinzu: "Ich möchte beim nächsten Rennen wieder angreifen, so wie immer."

Auch in Hockenheim wird es wohl wieder den Zweikampf der beiden Teamkollegen geben.

Dann allerdings hat Rosberg den Vorteil des heimischen Publikums auf seiner Seite.

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