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Sebastian Vettel startet seit 2007 in der Formel 1

Vettel zeigt sich in Silverstone verbessert, der Zweikampf mit Alonso begeistert. Dennoch bleibt er hinter Ricciardo zurück.

Von Carsten Arndt

Spielberg/München - Red Bull hatte einen Podestplatz fest eingeplant.

Nach der bitteren Enttäuschung beim Heimspiel am Red-Bull-Ring in Österreich sollte es in Silverstone wieder bergauf gehen - und die Hoffnungen von Teamchef Horner und Co. wurden nicht enttäuscht.

Doch nicht Sebastian Vettel, der am Samstag mit einem starken Qualifying aufhorchen ließ und von Rang zwei ins Rennen ging, sondern Teamkollege Daniel Ricciardo stand am Ende neben Lewis Hamilton und Williams-Pilot Valtteri Bottas auf dem Treppchen (Bericht).

Erneut wurde der amtierende Weltmeister vom jungen Australier geschlagen - zum siebten Mal in dieser Saison. Zum siebten Mal in Folge. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Seit Vettels zweitem Platz beim zweiten Saisonrennen in Malaysia, hat der Deutsche die Zielflagge nicht mehr vor seinem Teamkollegen gesehen.

Ricciardo überglücklich

Dessen Laune könnte dementsprechend kaum besser sein. "Das ist der beste dritte Platz, den ich jemals gehabt habe", jubelte er. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Ich bin normalerweise nicht so enthusiastisch über einen dritten Platz, aber heute bin ich es", fügte der stets gut gelaunte Australier hinzu.

Teamchef Christian Horner fand anschließend lobende Worte für den 25-Jährigen: "Daniel hat seine Reifen sehr gut am Leben erhalten, und es war großartig, dass er bei unserem zweiten Heimrennen auf dem Podium stand."

Schwacher Start

Dabei ging Ricciardo nach seinem missglückten Qualifying nur von Rang acht ins Rennen. Und damit sechs Plätze hinter dem Vierfach-Weltmeister aus Heppenheim.

Doch der erwischte einen ganz schwachen Start und wurde nach wenigen Metern bis auf Rang fünf durchgereicht.

"Mein Start war ziemlich bescheiden, alle auf der rechten Seite kamen nicht gut weg, auch Nico Hülkenberg hinter mir hatte Probleme. Ich habe viele Plätze verloren", ärgerte sich Vettel.

Falsche Taktik

Auch Ricciardo kam nicht besonders gut weg, wählte im weiteren Rennverlauf aber die bessere Taktik. Während Ricciardo nur einmal an die Box kam, steuerte Vettel diese zweimal an. Ein Fehler, wie sich herausstellte.

"Ich habe erwartet, heute Dritter zu werden. Die Pace war da, aber die Strategie war nicht richtig", so Vettel.

Harter Fight mit Alonso

Und so musste sich der Weltmeister am Ende mit Platz fünf zufrieden geben, und selbst dafür sein ganzes fahrerisches Können aufbieten. In den letzten Runden lieferte er sich ein packendes und hart geführtes Duell mit Ferrari-Pilot Fernando Alonso. (917702DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Vettel schob sich mehrmals neben den Spanier, doch der machte immer wieder die Tür zu.

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"Magie des großen Zirkus"

Die 120.000 Fans auf dem Silverstone Circuit riss es reihenweise von den Sitzen, die spanische Presse überschlug sich geradezu in Lobeshynmen.

Die "Marca" sah die "Magie des großen Zirkus", für "El Mundo Deportivo" war die "Schlacht" schlicht "das Beste am ganzen Rennen".

Vettel mit der "Brechstange"

Sowohl Alonso als auch der Heppenheimer beschwerten sich mehrfach über Boxenfunk über die Fahrweise des anderen, bevor Vettel mit einem waghalsigen Manöver den Zweikampf beendete.

"Zwei Mal hätte mich Alonso fast von der Strecke geschoben. Wenn ich da zwei Mal nicht zurückgezogen hätte, wären wir beide zwei Mal rausgeflogen. Am Ende hab ich es noch mit der Brechstange geschafft, an ihm vorbeizukommen", sagte Vettel anschließend.

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Lauda kritisiert Vettel

Dass sich Vettel derart vehement beschwerte, sorgte bei Niki Lauda für Unverständnis.

"Ich verstehe Vettel und seine Schimpferei nicht", wird er in der 'Bild' zitiert. "Dass er wie ein kleines, erschrockenes Kind herumbrüllt, soll er sein lassen. Das sind zwei Topfahrer und das ist top Racing, das wollen die Zuschauer doch sehen", sagte der Mercedes-Aufsichtsratschef.

Er kämpfe seit langem dafür, dass die Fahrer wieder "mit mehr Freiheit" fahren können.

"Vettel: Ein bisschen dumm"

"Es wurde ein bisschen dumm, als wir beide angefangen haben uns zu beschweren, dass der andere die Streckenbegrenzung missachtet. Aber ich habe die Nachricht bekommen, dass er sich beschwert hat, also habe ich dasselbe gemacht", musste auch Vettel eingestehen. (SHOP: Jetzt Motorsport-Artikel kaufen).

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Schwächen beim Motor

Am Ende lag er vor seinem Dauerrivalen aus den vergangenen erfolgreichen Zeiten, doch auch das Duell mit dem Ferrari machte wieder einmal deutlich, dass der Renault-Antriebsstrang nicht konkurrenzfähig ist.

"Uns fehlt eben der Top-Speed. Schade, heute wäre das Podium drin gewesen", analysierte der Weltmeister.

Neuer Chef bei Renault

Es ist kein Geheimnis, dass man auf Seiten der Bullen den Motorenpartner als Hauptschuldigen für die Misere in diesem Jahr ausgemacht hat. (Hier gibt es Tickets für die Formel 1)

Der hat nun offenbar auf die schwache erste Saisonhälfte regiert und laut "motorsport-total.com" den bisherigen Management-Direktor vor die Tür und damit ein Zeichen für die Zukunft gesetzt

Mehr Mitsprache-Recht

Über den Winter darf der Motor beinahe komplett neu designt werden. Offenbar bekommt Red Bull dann starken Einfluss auf die Entwicklung des Antriebs.

Zudem soll sich Stardesigner Adrian Newey als Leiter eines Innovationszentrums um die reibungslose Integration zwischen Chassis und Antrieb kümmern.

Vettel kämpft um Nummer-1-Status

In diesem Jahr wird das Sebastian Vettel allerdings nicht mehr weiterhelfen, die Titelverteidigung ist schon lange kein Thema mehr.

Doch mittlerweile hat sich ein anderes Ziel für den Heppenheimer herauskristallisiert. Der Kampf um die Bestätigung seines Nummer-1-Status' im Team.

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