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Einsam fahren, gemeinsam feiern: Timo Glock (l.) und Jarno Trulli © imago

Die Toyota-Piloten Jarno Trulli und Timo Glock färben die erste Startreihe beim Bahrain-GP rot-weiß. Vettel bleibt unbeeindruckt.

Von Marc Ellerich

München/Manama - Der Vorsprung des bisherigen Sensationsteams Brawn GP scheint aufgebraucht, der Vorteil der "Diffusoren-Bande" aber besteht offenbar weiter.

So jedenfalls sieht es der derzeitige WM-Führende Jenson Button nach dem Qualifying zum Großen Preis von Bahrain (Rennen, So., 13.45 Uhr ).

"Im Vergleich zur Konkurrenz mussten wir kämpfen", sagte Button und lieferte den Grund gleich mit: "Wir haben im Moment nicht das Tempo der Red Bulls und der Toyota."

Buttons Urteil: "Das wird morgen gewiss kein Spaziergang im Park."

Trulli, Glock, Vettel

Das Ergebnis der Zeitenjagd in der Sakhir-Wüste von Bahrain gibt dem Briten recht. Als Vierter geht der WM-Leader ins Rennen am Sonntag (DATENCENTER: Die Startaufstellung).

Was nicht schlecht war, aber eben nicht gut genug für die Spitze. Besagte Konkurrenz von Toyota und Red Bull stahl den bisher so überlegenen Brawn-Rennern am Samstag die Schau.

Zum ersten Mal in der siebenjährigen Formel-1-Geschichte färbte Toyota die erste Startreihe eines Grand Prix in den Teamfarben rot und weiß.

Jarno Trulli vor Timo Glock und Sebastian Vettel lautete die Reihenfolge nach der einstündigen Jagd auf die Pole Position 97635(Bilder des Qualifyings).

Verwunderter Pole-Setter

Und es dürfte kein Zufall sein, dass ein Team in der ersten Startreihe steht, welches seit der ersten Stunde ebenso wie Brawn GP (und das Williams-Team des neuntplatzierten Nico Rosberg) mit dem berühmt-berüchtigten Doppel-Diffusor unterwegs ist.

Selbst wenn Glocks italienischer Teamkollege sich anschließend über das Resultat wunderte:

"Um ehrlich zu sein, habe ich mich auf der Qualifying-Runde nicht sehr wohl gefühlt", gab Trulli nach seiner Fahrt zur vierten Pole Position seiner Karriere zu: "Es war nicht einfach, ich hatte Probleme mit dem Bremspedal."

"Wollen vorne bleiben"

Glock dagegen war glücklich, obwohl er die erste Führungsposition seiner Karriere lediglich um 28 Hundertstel verpasst hatte.

"Diesmal hat endlich alles gepasst", freute sich Glock, räumte aber ein, dass Platz eins für ihn außer Reichweite gewesen sei: "Das war nicht gut genug für die Pole."

Wie Trulli sprach er anschließend von Bremsproblemen, die sein Team zu einer Nachtschicht gezwungen hatte.

Doch trotz solcher Schwierigkeiten will Glock, Spitzname "Kampfdackel", die vorderste Reihe nicht widerstandslos räumen: "Natürlich wollen wir da vorne bleiben."

Kampfansage an Vettel

Eine Kampfansage ("Kampfdackel" beißt sich vorne fest), die vor allem an einen Landsmann gerichtet sein dürfte, der dieser Tage die Formel 1 gewaltig aufmischt.

Nach seinem Sieg in der Sintflut von Schanghai bewies Sebastian Vettel, dass der von Designer Adrian Newey entworfene Red Bull keine Technik-Tricks wie den Doppel-Diffusor oder das Energie-System KERS braucht, um schnell zu sein - egal ob im Wasser oder im Wüstensand.

Auf dem Sakhir Bahrain Circuit fuhr Vettel in den ersten beiden Qualifikationsdurchgängen jeweils die Bestzeit.

Dass er sie ausgerechnet im dritten Abschnitt verfehlte, trübte seine gute Laune anschließend nicht.

"Sehr, sehr schnell"

"Wir haben ein sehr, sehr schnelles Auto", stellte der Shootingstar der PS-Liga fest und gab zu, dass sein Rennwagen im dritten Durchgang mit recht hoher Benzinlast unterwegs gewesen sei: "Ich denke, die Toyota werden ein bisschen eher zum Tanken kommen. Dann werden wir sehen, wie die Sache ausgeht."

Und selbstbewusst fügt er hinzu: "Noch ist nichts gewonnen oder verloren. Aber wir haben gute Chancen. Ich bin überrascht, wie gut wir waren."

Vettel geht davon aus, dass die Bremsen am Sonntag eine wichtige Rolle spielen werden. "In Bahrain werden die Bremsen extrem beansprucht. Im Rennen wird es bei diesen Temperaturen schwierig, sie zu kühlen", so der Youngster ("Vettel fährt um den Titel").

Hamilton zuversichtlich

Ähnlich forsche Töne wie vom jungen Deutschen waren in Bahrain auch von Weltmeister Lewis Hamilton zu hören.

Der McLaren-Mercedes-Pilot liefert ein starkes Qualifying ab und setzte seinen Boliden auf den fünften Starplatz - das bisher beste Ergebnis für den jungen Briten in dieser Saison.

Sein Auto habe sich wesentlich besser angefühlt - ein Ergebnis fieberhafter Aufholjagd des Rennstalls, der von Ausstiegsgerüchten erschüttert wird (Daimler-Boss droht mit Mercedes-Ausstieg).

Jetzt traut der Youngster sich für das Rennen sogar noch mehr zu. Hamilton: "Ich denke, wir können um eine vordere Position kämpfen."

Blanker Frust bei BMW

Und selbst für die krisengepeinigte Scuderia Ferrari endete die Qualifikation mit einem zarten Hoffnungsschimmer: Platz acht für Felipe Massa, Rang zehn für Kimi Räikkönen, die Roten standen in diesem Jahr schon schlimmer war.

Der blanke Frust herrschte hingegen bei BMW-Sauber. Beide Piloten des deutsch-schweizerischen Teams kamen über den zweiten Durchgang nicht hinaus: Nick Heidfeld wurde 14. hinter seinem Kollegen Robert Kubica.

Statt sich zu verbessern, wird BMW von Rennen zu Rennen schlechter (BMW-Desaster: Nerven liegen blank).

Kubica-Bolide brennt

Und in der Wüstenglut von Bahrain blieb den Münchnern lediglich eine unschmeichelhafte Nebenrolle: Sie sorgten für den Hingucker der samstäglichen Zeitenjagd. Das war, als Robert Kubicas Bolide in Flammen aufging und gelöscht werden musste.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Der WM-Plan der Weiß-Blauen, er steht im Moment lichterloh in Flammen.

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