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Nr. 1 und Nr. 2: Jenson Button und Sebastian Vettel (l.) in Bahrain © getty

Der WM-Führende Jenson Button siegt beim Grand Prix in Bahrain und wehrt Sebastian Vettels Angriff ab. BMW ist in der Krise.

Von Marc Ellerich

München/Manama - Man hätte es ahnen können. Der Bluff ist ganz offensichtlich Teil der Erfolgsrezeptur des derzeitigen Überfliegerteams von Formel-1-Superhirn Ross Brawn.

Mit einem nie gefährdeten Sieg in der Wüste von Bahrain hat Jenson Button seine Führung in der WM-Wertung weiter ausgebaut. Auch Red-Bull-Shootingstar Sebastian Vettel konnte den Briten eine Woche nach seinem spektakulären Sieg beim China-GP zu keinem Zeitpunkt in Verlegenheit bringen 98107(Bilder des Rennens).

Der Deutsche wurde Zweiter vor dem Pole-Setter Jarno Trulli im Toyota (DATENCENTER: Ergebnis und WM-Stand).

Führung in Runde 13

Am Tag vor seinem dritten Saisonsieg hatte Button noch von einem Machtwechsel in der höchsten PS-Liga orakelt. Sein Bolide könne das Tempo der führenden Toyota- und Red-Bull-Rennwagen nicht mitgehen, behauptete der Brawn-Pilot nach seinem vierten Platz in der Qualifikation.

Nur 24 Stunden später bot sich dem Publikum allerdings ein völlig anderes Bild dar, auch wenn Button später immer noch betonte, sein Team habe keinen Wettbewerbsvorteil besessen.

In Runde 13 übernahm der Erste der Fahrer-WM die Führung und gab sie in einem stark von der Strategie geprägten Grand Prix nie wieder ab.

"Bin überrascht worden"

Die entscheidende Szene spielte sich jedoch bereits beim Start ab. Sebastian Vettel musste sich zum Auftakt des Wüstenrennens sowohl Weltmeister Lewis Hamilton als auch dem späteren Sieger geschlagen geben und fiel von Platz drei auf die fünfte Position zurück.

Hamilton konnte sich im weiteren Rennverlauf nicht behaupten, beendete den Grand Prix allerdings auf einem beachtlichen vierten Platz.

Vettel ging davon aus, dass sein verschlafener Rennbeginn ihn den Sieg gekostet habe. "Ich bin am Start überrascht worden und musste Lewis Hamilton und Jenson Button vorlassen. Da habe ich vielleicht einen Fehler gemacht, und das hat ein bisschen unser Rennen verdorben."

Respekt vor Vettel

Auch Button sah in seinem gelungenen Startmanöver den Schlüssel zum vierten Sieg seiner Karriere: "Wenn ich Sebastian nicht überholt hätte, wäre es spannender geworden. Unser Speed war sehr ähnlich."

Seinem Widersacher zollte Button, der bereits in Melbourne und Malaysia der Schnellste war, großen Respekt: "Sebastian ist verdammt schnell, aber ich fahre derzeit so gut wie noch nie in meiner Karriere."

Vettel gab die Komplimente gerne zurück: "Wir sind sehr nah dran, aber ich konnte diesen Typen heute nicht stoppen."

Die beiden dominierenden Piloten der WM - Button führt mit 31 Punkten vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello (19) und dem Deutschen (18) - werden also vermutlich weiterhin die Szenerie bestimmen. Alles deutet auf ein erbittertes WM-Duell der beiden Piloten hin ("Vettel fährt um den Titel").

Enttäuschter Glock

Was auch daran liegt, dass das Toyota-Team, das am Samstag die erste Startreihe erstmals in der Formel-1-Geschichte rot-weiß eingefärbt hatte, den Big Point nicht nutzen konnte.

Trulli rettete immerhin den letzten freien Platz auf dem Podium. Sein Teamkollege Timo Glock, der als Zweiter in den vierten Grand Prix des Jahres gegangen war, verspielte im Rennverlauf die Führung, die er mit einem Blitzstart erobert hatte.

Am Ende musste sich der Hesse als Siebter mit zwei WM-Zählern zufrieden geben. Dass er ein besseres Ergebnis verpasste, führte Glock auf eine unglückliche Wechselstrategie zurück: "Ich war als Erster in der Box, was schon nicht besonders glücklich war. Und dann bin ich auf den harten Prime-Reifen zurückgekommen und weiß nicht, wie viel Zeit ich verloren habe, weil der Grip gefehlt hat."

Comeback des Weltmeisters

Button und Vettel werden künftig wohl eher verstärkt auf den Weltmeister achten müssen. Bei Lewis Hamilton kündigt sich nach einer fieberhaften Aufholjagd seines McLaren-Mercedes-Rennstalls ein zweiter Frühling an.

Die Formkurve bei den Silberpfeilen steigt rasant und kann vermutlich nur durch ein hartes FIA-Urteil in der Lügen-Affäre geknickt werden.

Mit der besten Platzierung unterhalb des Podiums will sich das Team mittelfristig nicht begnügen.

Teamchef Norbert Haug jedenfalls übte nach dem Wüsten-Grand-Prix weiter Druck aus - nicht zuletzt unter dem Eindruck der Ausstiegsgerüchte, die aus der Stuttgarter Zentrale auf die arabische Halbinsel drangen (Daimler-Boss droht mit Mercedes-Ausstieg).

"Wer gewinnen will, macht bei Platz vier keinen Flick-Flack", urteilte Haug in Manama streng: "Wir müssen nachlegen."

Desaster für BMW

Bei BMW-Sauber wären sie heilfroh über erste zarte Anzeichen einer ähnlichen Entwicklung.

Wenn man es positiv wenden will, stagniert der deutsch-schweizerische Rennstall gegenüber der Konkurrenz. Doch der Eindruck besteht, als würden sich die Weiß-Blauen von Rennen zu Rennen tiefer ins Desaster arbeiten.

In Bahrain wurde Nick Heidfeld Letzter hinter seinem Kollegen Robert Kubica. Das Team, das in diesem Jahr um den Titel kämpfen wollte, gerät immer weiter in die Krise.

In Bahrain kollidierten die beiden BMW-Piloten zu allem Überfluss. Nick Heidfeld schäumte anschließend vor Wut: "Das Ergebnis ist eine Katastrophe. Wir haben vom ersten Rennen bis jetzt keinen Schritt nach vorne gemacht, sondern eher zurück. Das Auto ist einfach nicht schnell genug."

Signale, die Linderung versprechen, sind weit und breit nicht in Sicht.

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