Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist dem Hockenheimring am Samstag entgegen seiner vorherigen Ankündigung ferngeblieben.
Zahlreiche bestellte Gesprächspartner sowie eigens angereiste Vertreter des finanziell angeschlagenen Nürburgrings warteten vergeblich auf den 81-Jährigen, der seinen Besuch auch nicht abgesagt hatte.
"Er hat kalte Füße bekommen", mutmaßte Daniel Amelung, Anwalt von Gerhard Gribkowsky, in der "Süddeutschen Zeitung" (Montags-Ausgabe).
Ecclestone droht in der mancherorts als "Berniegate" bezeichneten Schmiergeldaffäre eine Anklage, nachdem der zu achteinhalb Jahren Haft verurteilte Gribkowsky, Ex-Risikovorstand der Bayerischen Landesbank (BayernLB), gegen den Briten ausgesagt haben soll. Die Staatsanwaltschaft in München äußerte sich bisher nicht offiziell, treibt die Ermittlungen nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" aber "mit Hochdruck" voran.
Dass Ecclestone, wie mancherorts spekuliert, im Falle einer Einreise nach Deutschland eine Verhaftung gedroht hätte, glaubt aber nicht einmal Gribkowskys Anwalt Daniel Ameldung.
"Wenn man ihn nun inhaftieren würde, vielleicht sogar über längere Zeit, und er würde am Ende freigesprochen werden, dann würden extrem hohe Schadensersatzforderungen auf den Freistaat Bayern zukommen", sagte er dem "Deutschlandfunk": "Und da hat man wohl nochmal innegehalten und das so scharfe Schwert der Staatsanwaltschaft, wenn man es schon gezückt hat, eben wieder in die Scheide gesteckt."
Ob Ecclestone seine Geschäftspartner wirklich aus Angst vor den Ermittlungen am Samstag ohne Absage verprellte, ist nicht bekannt. Britische Medien spekulieren, er habe seiner Tochter nach der Trennung von ihrem Freund unter der Woche beigestanden.
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet derweil, dass Ecclestone bei seinen bisherigen Aussagen in Deutschland stets freies Geleit zugesagt worden sei. Dies gehe aus Briefwechseln von Ecclestones deutschem Anwalt Sven Thomas mit der Münchner Justiz hervor. Das freie Geleit sei immer auf einige Tage befristet gewesen, könne Ecclestone nun aber offenbar nicht mehr zugesichert werden.
