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Niki Lauda fuhr von 1971 bis 1985 in der Formel 1 und holte dabei 25 Siege © getty

Im Interview mit Sport1.de spricht Niki Lauda über das Comeback Michael Schumachers und prophezeit Kimi Räikkönen eine harte Zeit.

Von Julian Meißner

München - Eines der spektakulärsten Comebacks der Sportgeschichte wirft seine Schatten voraus:

Michael Schumacher wird beim nächsten Formel-1-Saisonlauf in Valencia aller Voraussicht nach den verunglückten Ferrari-Piloten Felipe Massa ersetzen (Sensations-Comeback! Schumi springt ein).

Doch ob der siebenmalige Weltmeister die hohen Erwartungen erfüllen kann, ist ungewiss (Reaktionen: "Schumacher ist Hardcore").

Einer, der die Formel-1-Welt und die Verhältnisse bei Ferrari im Speziellen bestens kennt, ist der dreimalige Weltmeister Niki Lauda. Der 60-jährige Österreicher bestritt 171 Rennen in der Königsklasse und holte in den Jahren 1975 und 1977 zwei seiner Titel mit der Scuderia ("Keine bleibenden Verletzungen" bei Massa).

Im Interview mit Sport1.de spricht Lauda über das sensationelle Comeback Michael Schumachers und prophezeit Kimi Räikkönen eine harte Zeit. Schumachers Resultate sind für ihn zweitrangig.

Sport1.de: Herr Lauda, zuletzt häuften sich die Negativschlagzeilen in der Formel 1. Wie bewerten Sie nun das Comeback Michael Schumachers?

Niki Lauda: Es hat eine riesige Bedeutung. Ich finde es fantastisch. Alles, was negativ war in diesem Jahr, wird dadurch ausgelöscht. Mit dieser Entscheidung gewinnt man das ganze Interesse zurück, das sich nun wieder voll auf die Formel 1 konzentriert. Jeder Fan wird vor dem Fernseher sitzen oder auf der Rennstrecke sein, um das zu beobachten.

Sport1.de: Und Bernie Ecclestone reibt sich die Hände.

Lauda: Ecclestone sollte eigentlich Schumachers Gehalt zahlen.

Sport1.de: Hat er im Hintergrund eine Rolle gespielt?

Lauda: Nein. Ich denke, dass es eine Entscheidung zwischen dem Ferrari-Team, Präsident Luca di Montezemolo und Michael war. Dass er die Bereitschaft hat, Massa zu helfen, ihn zu ersetzen, das ist das Tolle. Ich glaube auch fest, dass er nur fahren wird, so lange Massa nicht da ist. Dann geht er wieder in den Ruhestand zurück. Aber alleine das ist eine Sensation.

Sport1.de: Spürt Schumacher vielleicht auch, dass die Formel 1 ihn in diesen schweren Tagen braucht?

Lauda: Nein, das ist ihm vollkommen wurscht. Er musste für sich entscheiden: Will ich das machen und kann ich das machen.

Sport1.de: Könnte er denn Probleme bekommen?

Lauda: Eine Schwierigkeit ist, dass er die Strecke Valencia nicht kennt und das Auto nicht kennt. Auf einem Kurs, der ihm bekannt ist, hätte er es natürlich leichter.

Sport1.de: Die aerodynamischen Unterschiede zu den Boliden, die Schumacher zuletzt fuhr, sind sehr stark. Inwiefern wird sich das bemerkbar machen? (SERVICE: Rennkalender und Kurse)

Lauda: Leider darf er nicht testen, das ist für ihn erschwerend. Er muss alles in Valencia in dem wenigen Training, das ihm zu Verfügung steht, ausprobieren. Das zu beobachten, wird toll.

Sport1.de: Das Testverbot lässt auch sich nicht umgehen? Immerhin hat man in Fiorano eine eigene Strecke.

Lauda: Nein, keine Chance.

Sport1.de: Glauben Sie, er ist fit genug?

Lauda: Absolut, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Er ist immer Motorradrennen gefahren und topfit, das ist überhaupt keine Frage. Andernfalls würde er es nicht tun. Und Michael weiß, was er tut. Er macht es nur, weil er fit ist und glaubt, in der Lage zu sein, vorne mitzufahren.

Sport1: Alle Welt erwartet, dass der siebenmalige Champion vorn dabei ist.

Lauda: Man muss ihn an Kimi Räikkönen messen. Denn kein Mensch weiß, wie gut oder schlecht der Ferrari in Valencia funktioniert.

Sport1.de: Räikkönen stand in Ungarn gerade auf dem Podium (DATENCENTER: WM-Stand Teams).

Lauda: Bei einem Rennen. Davor war der Ferrari nicht so toll. Die Messlatte ist Kimi.

Sport1.de: Wie empfindet es wohl Räikkönen, einen Rekordweltmeister vor die Nase gesetzt zu bekommen?

Lauda: Der wird keine Freude haben. Das gesamte Interesse an diesem Wochenende wird nur bei Michael sein.

Sport1.de: Der Rummel um Schumacher wird gigantisch sein - lenkt ihn das ab?

Lauda: Nein, da muss er durch. Ich sehe das nur positiv.

Sport1.de: Wie genau laufen nun seine Vorbereitungen ab?

Lauda: Auch für Michael kommt das Ganze ja überraschend. Er wird nun alles tun, was in seiner Macht ist, um eine super Leistung zu bringen. Wahrscheinlich fährt er jetzt nach Maranello und beschäftigt sich mit der Technik des Autos, mit allem, was er nicht weiß. Er wird sich perfekt vorbereiten.

Sport1.de: Mit welchen Resultaten rechnen Sie?

Lauda: Das ist im Grunde vollkommen egal. Was immer er tut - es ist eine Sensation. Er hat nichts zu verlieren, er kann nur gewinnen.

Sport1.de: Sie hatten ihm von vornherein zu einem Comeback geraten?

Lauda: Nein. Ich habe im Fernsehen nur gesagt: Wäre ich di Montezemolo, und ich habe Luca Badoer und Marc Gene als einzige Möglichkeiten, Massa zu ersetzen - da ist doch Schumacher zehnmal besser als die beiden zusammen.

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