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Timo Glock fuhr in 36 Grands Prix 51 Punkte ein und wurde zwei mal Zweiter © getty

Virgin-Pilot Timo Glock spricht im Sport1.de-Interview über sein neues Team, Rückkehrer Michael Schumacher und die neue Formel 1.

Von Marc Ellerich

München - Timo Glock hat sich in nur zwei Saisons in der Formel 1 einen Namen in der Königsklasse gemacht.

Bereits in seinem Premierenjahr überraschte der gelernte Gerüstbauer aus dem Odenwald mit einem zweiten Platz beim Ungarn-Grand-Prix auf dem Hungaroring. In 36 Grand-Prix-Starts fuhr der 28-Jährige 51 WM-Punkte ein.

Seine Zeit in der berühmtesten Rennserie schien allerdings schnell wieder beendet zu sein, als sein Toyota-Team im vergangenen Herbst seinen Rückzug aus der Formel 1 erklärte 201909(DIASHOW:Tests in Jerez).

Für Überraschung sorgte die Nachricht, als Glock wenig später bekannt gab, er werde 2010 für den Formel-1-Neuling Virgin an den Start gehen.

"Wollen den Anschluss finden"

Was ihn dort erwartet, wurde in den ersten Tests der Saison in Jerez deutlich. Glock fuhr der Konkurrenz in seinem rot-schwarzen Boliden gleich um Sekunden hinterher. Dennoch gibt sich der Hesse im Interview mit Sport1.de tapfer: "Wir wollen den Anschluss finden und irgendwann im Mittelfeld kämpfen."

Die zweite Testphase in Spanien gibt Glocks Einschätzung Recht: Der Bolide kam ohne Ausfall durch, wirkt wesentlich zuverlässiger. Glock spulte 72 Runden ab, fuhr dabei die achtbeste Rundenzeit. (SERVICE: Alles Tests - Alle Zeiten)

Bei Sport1.de spricht Timo Glock über seine Vorbereitung auf die neue Saison, das Comeback von Michael Schumacher, und er verrät, wie er mit den großen Namen in der Startaufstellung umgeht. (DATENCENTER: Die Saison 2010 im Überblick)

Sport1.de: Die Pause in der Formel war aufgrund des Testverbots so lang wie nie zuvor. Wie hart war für Sie die Zeit "ohne"?

Timo Glock: Doch ziemlich. Ich habe den Tag herbeigesehnt, an dem es wieder losgeht, an dem ich wieder ins Auto einsteigen kann. Man freut sich darauf, im Cockpit zu sitzen und mit der Arbeit zu beginnen. Ich habe zwar schon ein paar Stunden im Simulator verbracht. Aber reelles Formel-1-Fahren ist einfach göttlich.

Sport1.de: Wie haben Sie den Winter verbracht?

Glock: Ich habe zunächst einmal versucht, mein Bein wieder auf Vordermann zu bringen. Und dann habe ich natürlich viel trainiert, ich war zum Beispiel zehn Tage in Spanien und bin mehr als 800 Kilometer Fahrrad gefahren. Man versucht einfach, sich so fit wie möglich zu halten.

Sport1.de: Ihre Vorfreude ist also groß, sicher nicht zu Unrecht. Täuscht der Eindruck, oder steht Fans, aber auch den Fahrern eine der spannendsten Saisons der Geschichte bevor?

Glock: Ich glaube schon, dass die Saison ziemlich spektakulär wird, weil viele Teams sehr konkurrenzfähig sein werden: Ferrari ist zurück, so wie es aussieht, Red Bull wird sehr, sehr stark sein, Schumacher ist natürlich ein Thema bei Mercedes. Es wird mit Sicherheit spannend.

Sport1.de: Wenn Sie an die vielen negativen Schlagzeilen des vergangenen Jahres denken: Ihr ehemaliges Toyota-Team hat sich aus der Serie zurückgezogen, der Machtkampf zwischen Weltverband und Teams und so weiter. Überrascht es Sie, wie schnell die Formel 1 sich zumindest in der Außendarstellung regeneriert hat?

Glock: Ich konnte ja miterleben, wie schnell sich die Dinge in der Formel 1 drehen können, wie von einem Jahr aufs andere alles wieder anders aussehen kann. Das macht es sehr interessant, und ich glaube, im letzten Jahr haben wenige erwartet, dass das Blatt sich so wenden könnte.

Sport1.de: Die Startaufstellung 2010 liest sich ziemlich eindrucksvoll: Schumacher, Button, Vettel, Hamilton, Alonso, Massa und so weiter. Begeistert Sie das als Pilot - oder schüchtert Sie das eher ein?

Glock: Einschüchtern auf keinen Fall. Das motiviert mich. Im Moment sind wir natürlich in einer anderen Position mit dem neuen Team, aber ich hoffe doch, dass wir uns nach vorne kämpfen werden. Wir wollen den Anschluss finden und irgendwann im Mittelfeld kämpfen.

Sport1.de: Über allem schwebt der Name Schumacher. Vollenden Sie doch bitte den Satz: Michael Schumachers Comeback ist?

Glock: ? ist sehr gut für die Formel 1 und ein Highlight für alle Fans.

Sport1.de: Welche Chancen räumen Sie ihm ein?

Glock: Schwierig zu sagen. Das hängt davon ab, wie das Auto funktioniert. Wenn er das Material zu Verfügung hat, wird er konkurrenzfähig sein, so wie er es immer war. Er hat gezeigt, dass er sofort schnell ist. Aber eine Prognose? Warten wir?s ab, bis in Bahrain die Hosen runtergelassen werden.

Sport1.de: Schauen Sie als Profi mehr hin, wenn der Rekord-Weltmeister zurückkehrt?

Glock: Auch nicht mehr als sonst. Bei Tests verfolge ich natürlich gerne, wer was macht. Ich sehe mir die Bilder der Autos an. Natürlich wird in der Öffentlichkeit extrem verfolgt, was Michael macht. Aber nicht von mir.

HIER geht's zum zweiten Teil des Interviews

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