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Timo Glocks Motorsport-Karriere begann 1996 im Motocross © getty

Timo Glock über sein mögliches Aus in der Formel 1, seine Ziele mit Virgin und den Umgang mit dem schweren Crash von Suzuka.

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews (HIER geht's zum ersten Teil) spricht Timo Glock über den Ausstieg von Toyota und die Suche nach einem neuen Team.

Er sagt, was er von Virgin erwartet und berichtet, wie er seinen Unfall beim Japan-Grand-Prix 2009 verarbeitet hat (SERVICE: Alles Tests - Alle Zeiten) .

Sport1.de: Hatten Sie sich nach dem Toyota-Aus im vergangenen Herbst innerlich schon von der Formel 1 verabschiedet?

Glock: Nie! Einfach weil schon sehr früh, so um die Rennen in Singapur und Japan herum, viele, viele interessante Gespräche stattgefunden hatten. Das eine oder andere Team war bereits zu diesem Zeitpunkt sehr interessiert. Deshalb war da nie ein mulmiges Gefühl.

Sport1.de: Umso überraschender, dass Sie sich für Virgin entschieden haben. Nach einigen bemerkenswerten Resultaten 2009 blüht Ihnen dort eine Saison als Hinterbänkler. Hart?

Glock: Nein, ich weiß ja, worauf ich mich eingelassen habe. Im ersten Jahr wird es natürlich schwierig werden, da werden wir ganz schwer an die Resultate anknüpfen können, die ich im Vorjahr hatte. Aber das ist normal. Das Team hat Potenzial, daran glaube ich. Wir gehen komplett neue Wege. Das Auto stand kein einziges Mal bisher im Windkanal, es wurde komplett am Computer entworfen. Das, glaube ich, ist die Zukunft der Formel 1. Natürlich ist es schwierig, gegen so erfahrene Teams wie McLaren, Ferrari, Williams anzutreten. Aber es ist eine spannende Herausforderung.

Sport1.de: Welche Ziele setzen Sie sich für den ersten Schritt?

Glock: Der erste Schritt muss sein, besser zu sein als alle anderen neuen Teams, die kommen werden, und sich dann über das Jahr hinweg zu steigern und immer konkurrenzfähiger zu werden. Es muss immer ein Aufwärtstrend da sein, das ist wichtig für mich. (DATENCENTER: Die Saison 2010 im Überblick)

Sport1.de: Gibt es eine mittelfristige Perspektive?

Glock: Wir wollen uns natürlich von Jahr zu Jahr steigern. Natürlich sagen viele, sie wollen Rennen gewinnen und Formel-1-Weltmeister werden. Das will ich natürlich auch, am besten mit Virgin. Aber wie Sie schon festgestellt haben: Ich habe gemerkt, wie schnell die Formel 1 sich ändert. Es ist schwierig, sich Ziele zu setzen, weil die Dinge immer von außen beeinflusst werden können.

Sport1.de: Sie hatten im vergangenen Jahr einen schweren Unfall. Was ist davon zurückgeblieben, und das meine ich jetzt nicht körperlich? Bleibt etwas im Kopf zurück?

Glock: Nein, man verschwendet keine Sekunde daran. Das ist weit weg.

Sport1.de: Weil Sie sonst Ihren Beruf nicht ausüben könnten?

Glock: Richtig, man wäre grundlegend zu langsam, wenn man sich Gedanken machen würde. Ich hatte ja auch noch nie so einen schweren Unfall, dass fraglich war, ob ich weiter Autofahren kann. In Suzuka ist alles sehr schnell abgehakt gewesen: Ich kann alles bewegen, es tut nichts weh. Es dauerte keine halbe Stunde, bis ich wieder ins Auto wollte. 201909(DIASHOW:Tests in Jerez)

Sport1.de: Welche Schlagzeile würden Sie 2010 gerne über sich lesen?

Glock: Ich würde gerne lesen: Hut ab vor der Leistung, die Timo Glock und Virgin Racing im ersten Jahr auf die Beine gestellt haben. Ein klassisches Underdog-Thema also. Dass wir vielleicht doch besser aussehen, als viele erwarten.

Sport1.de: Eine Erfolgsgeschichte, wie die des Brawn-Teams 2009?

Glock: Vielleicht nicht ganz so extrem. Das wäre vielleicht ein bisschen hoch gegriffen. Wir haben absolut von Null angefangen, mit einem weißen Blatt Papier. Brawn war doch einige Schritte weiter, denke ich. Es wäre aber doch sehr schön, wenn wir die absolute Überraschung der Saison werden würden.

HIER geht's zurück zum ersten Teil

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