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Adrian Sutil belegte 2010 in der Fahrer-WM mit fünf Punkten Platz 17 © imago

Force-India-Pilot Adrian Sutil spricht im Interview über seinen Optimismus für die neue Saison und die Folgen neuer Regeln.

Von Marc Ellerich

München - Adrian Sutil hat in der Formel 1 einen steinigen Weg hinter sich gebracht. Seit er 2007 mit dem damaligen Spyker-Team in die Eliteklasse des Motorsports einstieg, musste sich der gebürtige Starnberger mit hinteren Plätzen abfinden und häufig auch den Ausfall seines unterlegenen Rennwagens verkraften.

Daran änderte sich zunächst auch nichts, nachdem der Rennstall vom indischen Milliardär Vijay Mallya übernommen wurde. Erst in der vergangenen Saison zeigte der Pfeil bei dem Team, das seit Mallyas Einstieg Force India heißt, nach oben - auch bedingt durch den Einstieg von Mercedes als Lieferant von Motoren und weiterem technischen Knowhow.

Beim Großen Preis von Italien in Monza erreichte Sutil nach Startplatz zwei im Qualifying den vierten Platz im Rennen. Beim Belgien-Grand-Prix belegte sein damaliger Teamkollege Giancarlo Fisichella den zweiten Platz. (DATENCENTER: Die Saison 2010 im Überblick)

Diesen Trend will Sutil 2010 fortsetzen - auch wenn Meldungen über eine mögliche Schließung des Rennstalls aufgrund von Bilanzierungsproblemen für Unruhe sorgten.

Im Sport1.de-Interview der Woche spricht Adrian Sutil über die Aufwärtsentwicklung bei Force India, seine Ziele für diese Saison und die Auswirkungen der Regeländerungen.

Sport1.de: Herr Sutil, Sie und Ihr Team hatten 2009 einige sehr bemerkenswerte Resultate. Was nehmen Sie sich für dieses Jahr vor?

Adrian Sutil: Ich möchte konstant bei der Musik sein, in den Top Ten und in den Punkten. Und hoffentlich ist dann auch mal ein Podium dabei, das wäre natürlich grandios. Wir haben uns selbst im vergangenen Jahr die Messlatte hochgelegt durch die Erfolge, das will ich natürlich toppen. Wobei es schwierig werden wird, die Resultate in Monza und Spa zu übertreffen.

Sport1.de: In Monza wurden Sie Vierter, Ihr Kollege Giancarlo Fisichella fuhr in Belgien auf den zweiten Platz. Es klingt so, als hätten Sie diese Platzierungen selbst überrascht.

Sutil: Dass es so gut laufen würde, hatten wir alle nicht erwartet. Dass das unsere starken Strecken sind, wussten wir schon. Aber wenn man dann einen Sprung von zehn bis 15 Plätzen in der Startaufstellung und dann auch im Rennen macht, ist das natürlich erstaunlich. Mich hat das alles sehr gepusht, und es hat riesig Spaß gemacht, endlich wieder da vorne zu sein, wie ich es gewohnt war aus den Nachwuchsserien.

Sport1.de: Wie schwierig ist es, das Auto auf dieser Basis weiterzuentwickeln, um tatsächlich eine Podiumsplatzierung zu realisieren?

Sutil: Je näher man rankommt, desto enger wird es. Der Sprung von hinten ins Mittelfeld, das ist zu machen. Aber dann wird es immer steiniger, und man braucht immer mehr Zeit, muss immer extremer und besser arbeiten. Aber wir haben im Winter einen guten Fortschritt gemacht, und deswegen bin ich mit meinen Aussagen auch so optimistisch. Ich glaube, unser Auto wird schon ganz gut sein.

Sport1.de: Wobei die Startaufstellung 2010 doch einschüchternd ist: Schumacher, Alonso, Massa, Hamilton, Button - das sind große Namen, die es zu schlagen gilt, wenn man ganz nach vorne will.

Sutil: Eigentlich ist es jedes Jahr schwer, sich vorne zu behaupten, gerade für ein kleines Team. Ich sehe da schon andere Teams vor uns. Aber es gibt einige Teams, bei denen man nicht wusste, wie es weitergeht, die in ihrer Struktur einiges ändern mussten. Vor denen sollten wir schon dran sein. Ich sehe im Moment vier bis fünf Teams, die vor uns liegen können. Mit den anderen sollten wir mithalten können.

Sport1de: Wie wird sich das neue Nachtank-Verbot auf die Taktik auswirken?

Sutil: Das wird große Veränderungen geben. Das Nachtanken hat die Strategie sehr beeinflusst, und jetzt muss sie komplett verändert werden. Man wird versuchen, mit einem Boxenstopp durchzukommen. Aber dann ist natürlich die Frage, ob die Reifen durchhalten. Man muss sehr taktisch fahren, eventuell sogar seinen Fahrstil verändern. Fakt ist auch, dass man beim Start des Rennens um die sechs Sekunden langsamer sein wird im Vergleich zum Qualifying. Das wird schwierig. Man kommt mit 160 Kilo mehr an Bord in die erste Kurve und weiß dann nicht mehr, wo der Bremspunkt ist.

Sport1.de: Hinzu kommt das neue Punktesystem, das erste Plätze stark aufwertet.

Sutil: Ich finde gut, dass derjenige belohnt wird, der gewinnt. Konstant zu fahren, um vielleicht Zweiter zu werden, reicht nicht mehr. Man muss schon etwas riskieren, um den Sieg einzufahren und wirklich um jede Position zu kämpfen. (SERVICE: Alles Tests - Alle Zeiten)

Sport1.de: Bedeutet das im Rennen nicht Mord und Totschlag in der ersten Kurve?

Sutil: Natürlich wird das sehr aufregend in Bahrain mit 22 bis 26 Autos am Start, alle vollgetankt, und keiner weiß, wie es ist, mit so einem Auto wirklich übers Rennen zu kommen. Die erste Kurve wird kritisch, aber es weiß auch jeder, dass so ein Rennen lang ist und man es sich einteilen muss. Wer wegen eines kaputten Frontspoilers in die Box muss, verliert sehr viel Zeit. Dann ist das Rennen fast gelaufen, man kann die Strategie nicht mehr einfach so umstellen.

Sport1.de: Können Sie von den geschilderten Veränderungen profitieren?

Sutil: Ich würde sagen, hart fahren ist wahrscheinlich nicht so förderlich dieses Jahr. Man muss die Reifen schonen, muss sich den Sprit einteilen, deswegen: Wer sein Auto gut behandelt, also mit einem weichen Fahrstil gut zurecht kommt, ist im Vorteil. Jenson Button ist so einer, dem das zugute kommen könnte. Ich glaube, ich komme auch ganz gut damit klar.

HIER geht's zum zweiten Teil des Interviews

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