vergrößernverkleinern
Niki Lauda gewann 1974 in Spanien im Ferrari den ersten von 25 Grands Prix © getty

Formel-1-Legende Niki Lauda spricht im Interview über die vielversprechende Fahrerkonstellation, die neuen Teams und volle Tanks.

Von Julian Meißner

München - Auch ein dreimaliger Weltmeister tappt kurz vor dem Saisonstart am kommenden Wochenende in Bahrain im Dunkeln.

"Es ist zu früh, eine realistische Einschätzung zum Leistungsstand der Teams abzugeben", sagt Niki Lauda im Gespräch mit Sport1.de. Erst in Bahrain werde man sehen, wer vorne dabei ist.

Doch eines steht für Lauda fest: "Es sind beste Voraussetzungen, um eine interessante Saison zu erleben."

Für dieses Urteil sprechen nicht nur das Comeback Michael Schumachers, sondern auch das Verbot des Nachtankens und teaminterne Duelle wie das der zwei Weltmeister Jenson Button und Lewis Hamilton bei McLaren-Mercedes (DATENCENTER: Die Saison 2010 im Überblick).

Lauda spricht im Interview mit Sport1.de über die vielversprechende Fahrerkonstellation, die neuen Teams und volle Tanks. Von der neuen Punkteregelung hält der Österreicher gar nichts.

Sport1.de: Herr Lauda, Sie haben in der Formel 1 alles erlebt. Kann sie die spektakuläre Fahrer-Konstellation für die neue Saison dennoch in Begeisterung versetzen?

Niki Lauda: Auf jeden Fall. Es gibt überall Feuer und wilde Paarungen. Besonders dem Michael werden sie alle um die Ohren fahren wollen und umgekehrt. Es sind beste Voraussetzungen, um eine interessante Saison zu erleben.

Sport1.de: Ist Michael Schumachers Comeback ein Segen für die Formel 1?

Lauda: Jawohl, genau das ist es. Die ersten drei Rennen wird nur er bestimmen.

Sport1.de: Die Erwartungen sind naturgemäß extrem hoch. Kann Schumacher noch ganz vorne mitfahren?

Lauda: Er ist fahrerisch ganz vorne. Es hängt nur davon ab, wie gut sein Mercedes gleich von Anfang an im Vergleich zu den anderen Autos sein wird. Inwiefern das der Fall ist, werden wir in Bahrain zu sehen bekommen.

Sport1.de: Muss Nico Rosberg aufpassen, dass er neben Schumacher nicht unter die Räder kommt? 180745(DIASHOW: Teams und Fahrer 2010)

Lauda: Nein, er muss einfach darauf achten, von Beginn an schneller zu sein. Dann hat er auch die Situation im Griff.

Sport1.de: Fernando Alonso startet im Ferrari als einer der Mitfavoriten. Ist das für Sie eine Paarung, die passt?

Lauda: Die Paarung passt absolut. Alonso ist einer der erfahrensten und auch der schnellsten Leute. Ihn muss man auf jeden Fall auf der Rechnung haben.

Sport1.de: Sebastian Vettel und Red Bull haben den WM-Titel als Ziel ausgegeben. Realistisch?

Lauda: Das kann ich nicht sagen, bevor wir nicht in Bahrain alle Autos unter gleichen Bedingungen gesehen haben. Dort werden alle Teams die Karten aufdecken, und dann wissen wir, wer schnell und wer langsam ist. Fahrerisch kann er es auf jeden Fall, das hat er ja 2009 gezeigt.

Sport1.de: Weltmeister Jenson Button ist zu McLaren gewechselt. Für Sie nachvollziehbar?

Lauda: Ja, weil er wechseln wollte. Ob er sich dabei verpokert hat, wird sich zeigen. Ich bin kein Hellseher. Aber mit Lewis wird er ein Problem bekommen. Der ist eine harte Nuss.

Sport1.de: Das neue Punktesystem hat viel Kritik geerntet. Sehen Sie dadurch Vorteile?

Lauda: Nein. Das bringt gar nichts, und ich verstehe den Schritt auch nicht. Für mich ist das nicht richtig.

Sport1.de: 2010 gibt es keine Tankstopps mehr. Müssen sich die Fans auf Langweile einstellen?

Lauda: Ganz im Gegenteil. Der doppelt so große Tank wird eine Riesenherausforderung. Zum einen für das Design der Autos, da die Autos mit 200 kg Sprit an Bord ein ganz anderes Fahrverhalten haben. Da weiter Reifen gewechselt werden, wird sich sonst aber für die Zuschauer nicht so viel verändern. Die Fahrer werden aber mit einer völlig neuen Situation konfrontiert.

Sport1.de: Inwiefern wird sich die Regelung auf die Taktik auswirken?

Lauda: Sehr stark sogar. Man muss sich mit leerem Tank qualifizieren und versuchen, die schnellste Runde zu fahren. Am nächsten Tag muss man dann mit den gleichen Reifen, aber mit vollem Tank starten. Da können dann schon Probleme auftreten.

Sport1.de: Müssen wir also mit Massencrashs in der ersten Kurve rechnen?

Lauda: Nein, aber die Fahrer werden sich an die veränderten Bremspunkte gewöhnen müssen. Man kann davon ausgehen, dass gegen Ende des Rennens Bremsprobleme auftreten können, gerade in den ersten Rennen. Ganz einfach, weil die Autos wesentlich schwerer sind.

Sport1.de: Kann eines der neuen Teams für Furore sorgen?

Lauda: Ich denke nicht. Man weiß ja nicht einmal, wer tatsächlich an den Start geht. Das ist unglaublich: Wir gehen nach Bahrain und wissen nicht, wie die Startaufstellung aussehen wird.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel