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Sebastian Vettel holte in 43 Grands Prix bislang fünf Siege - den ersten 2008 in Monza © getty

Keine Angst vor großen Namen: Sebastian Vettel unterstreicht im Interview mit Sport1.de seine Ambitionen auf die Weltmeisterschaft.

Von Julian Meißner

München/Manama - Sebastian Vettels Ansprüche sind massiv gestiegen.

In seinem vierten Jahr als Stammpilot in der Formel 1 kennt der 22-jährige Heppenheimer vom Red-Bull-Team nur ein Ziel: die Weltmeisterschaft.

Schon 2009 hätte es beinahe gereicht, wäre der RB5 etwas standfester gewesen - so aber ging der Titel an Jenson Button und Brawn GP.

Vor dem Auftakt zur neuen Saison in der Wüste von Bahrain (Quali, Sa., 11.45 Uhr LIVE) herrscht noch weitgehend Rätselraten, was die Qualität der Top-Boliden angeht.

Fakt ist aber: Die Konkurrenz unter den Fahrern ist mit Rückkehrer Michael Schumacher (Mercedes), Doppel-Weltmeister Fernando Alonso (Ferrari), Englands Liebling Lewis Hamilton und dem aktuellen Champion Button (beide McLaren) so groß wie nie.

Vettel zeigt sich im Interview mit Sport1.de dennoch selbstbewusst und unterstreicht seine WM-Ambitionen (Sport1.de-Teamcheck: Red Bull).

Sport1.de: Herr Vettel, sind Sie nervös unmittelbar vor Saisonstart?

Sebastian Vettel: Nein, mir geht es gut. Es ist Zeit, dass es wieder losgeht.

Sport1.de: Nach den Eindrücken der Tests: Wie sind die Kräfteverhältnisse?

Vettel: Alle tappen noch etwas im Dunkeln. Keiner weiß so richtig, wo er dieses Jahr sein wird. Ich denke aber, wir sind in der Spitzengruppe dabei. Vier Teams liegen innerhalb von ein paar Zehnteln: Ferrari, McLaren, Mercedes und wir. Auch das Mittelfeld ist recht stark und lässt die eine oder andere Überraschung erwarten.

Sport1.de: Wann wissen wir mehr?

Vettel: Erst im Qualifying am Samstag werden die Karten auf den Tisch gelegt. Da im Rennen nicht nachgetankt werden darf, hat man einen erheblich größeren Tank. Deshalb variieren die Rundenzeiten unter Trainingsbedingungen sehr stark.

Sport1.de: Keiner will der Stärkste sein. Gehört es zum Geschäft, die Favoritenrolle von sich wegzuschieben?

Vettel: Nein. Ich glaube, nach unserem letzten Jahr erwartet man von uns, dass wir wieder vorne dabei sind. Es liegt nur an uns, das zu bestätigen. Was die Leute schreiben und was erwartet wird, ist letzten Endes wurscht. Im Vorfeld wird immer viel geredet, das ist normal. Aber wir haben selber den Anspruch, da weiterzumachen, wo wir letztes Jahr aufgehört haben.

Sport1.de: Welches der Konkurrenzteams sieht für Sie bislang am stärksten aus?

Vettel: Ferrari.

Sport1.de: Wie schwer wiegt der Nachteil, dass Sie die ersten Tests verpasst haben und dann noch das Wetter in Jerez nicht mitspielte?

Vettel: Natürlich trifft einen das, aber das geht ja allen so. Die anderen hatten noch den Test in Valencia, aber alle waren auf Jerez angewiesen, wo das Wetter dann leider sehr schlecht war. Unter diesen Bedingungen kann man zwar ein bisschen fahren, aber die Ergebnisse sind nicht so aussagekräftig wie bei trockenen und konstanten Bedingungen.

Sport1.de: Einen großen Teil der Aufmerksamkeit zieht Michael Schumacher auf sich. Sind Sie froh, dass Sie nach der tollen Saison 2009 gar nicht so sehr im Mittelpunkt stehen?

Vettel: Zunächst einmal ist das normal. Man darf nicht vergessen, wofür Michael in Deutschland steht. Wenn so jemand zurückkommt, ist das Interesse natürlich sehr, sehr groß. Ich hatte es ein bisschen ruhiger. Aber mir ist es nicht wichtig, die meisten Schlagzeilen zu haben. So bleibt mir mehr Zeit, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Sport1.de: Ist Schumacher für Sie ein Gegner wie jeder andere?

Vettel: Es schon etwas Besonderes, gegen ihn antreten zu dürfen. Unterm Strich ist es aber doch so: Wenn ich in den Rückspiegel schaue - und ich hoffe, das ich das oft tue -, ist mir egal, wer hinter mir ist. Welche Farbe das Auto hat, welchen Helm der Fahrer trägt - es spielt am Ende auch keine Rolle, ob er Deutscher ist oder nicht. Unser Ziel ist kein Geheimnis: Wir wollen Weltmeister werden. Um das zu erreichen, muss man alle schlagen (Lauda im Sport1.de-Interview: "Alle wollen Michael um die Ohren fahren".

Sport1.de: Belastet Sie die höhere Erwartungshaltung?

Vettel: Nein. Entscheidend ist der Anspruch, den man an sich selbst hat. Ich erwarte von mir, ganz vorne mitzufahren und habe das Ziel, Weltmeister zu werden. Was von außen erwartet wird, ist sekundär.

Sport1.de: Der Sieger eines Rennens wird nun mit 25 Punkten belohnt. Kommt Ihnen als angriffslustigem Fahrer das neue System entgegen?

Vettel: Im Grunde ist es nicht viel anders als das alte, nur mit zweieinhalb multipliziert. Ich werde taktisch deshalb nicht anders fahren. Bei 19 Rennen weiß man, dass die WM nicht im ersten gewonnen oder verloren wird. Das Geheimnis ist, dass man konstant ist und die Rennen zu Ende fährt (DATENCENTER: Die Saison 2010 im Überblick).

Sport1.de: Worauf Sie reagieren müssen, ist das Verbot des Nachtankens. Werden Sie aufgrund der schweren Autos Ihren Fahrstil anpassen?

Vettel: Ja, vor allem zu Beginn des Rennens, wenn man mit extrem viel Sprit unterwegs ist. Da muss man besonders auf die Reifen und die Bremsen schauen. Aber wir hatten ja doch einige Testfahrten, das hat man schnell drin. Und im Rennen kommt eh immer alles anders: Man muss nicht nur auf sich selbst achten, sondern auch auf die Leute, die um einen herumfahren. Da muss man gucken: Wo im Rennen befinde ich mich? Gegen wen kämpfe ich und gegen wen nicht?

Sport1.de: Was erwartet die Zuschauer?

Vettel: Die Rennen werden sicherlich anders werden. Ob Sie langweiliger werden, interessanter oder gar chaotisch, bleibt abzuwarten. Am Sonntag sind wir schlauer.

Sport1.de: Die bisher gezeigten Leistungen und vier Weltmeister im Fahrerfeld lassen viele Experten eine extrem enge Saison erwarten. Sehen Sie das ähnlich?

Vettel: Die Situation ist schwer einzuordnen. Aber derzeit sind vier Teams, also acht Fahrer dicht beisammen. Einer gewinnt am Ende, einer wird nur Achter. Das verspricht schon Spannung.

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