vergrößernverkleinern
Hispania-Teamchef Colin Kolles übernahm im Februar 2010 das Campos-Team © getty

Hispania-Teamchef Colin Kolles erläutert im zweiten Teil des Interviews der Woche, warum nur er den Rennstall retten konnte.

Von Marc Ellerich

München - Im zweiten Teil des SPORT1-Interviews der Woche (Hier geht's zum ersten Teil) spricht Teamchef Colin Kolles über die Ziele mit Hispania, die Formel 1 der drei Geschwindigkeiten und die öffentliche Wahrnehmung des spanischen Rennstalls.

SPORT1: Was sind die nächsten Schritte von Hispania?

Kolles: Der nächste Schritt ist, dass wir unser eigenes Entwicklungsprogramm auf die Beine stellen und dann für 2011 unser eigenes Auto bauen. In diesem Jahr versuchen wir, das Auto so weit wie möglich zu verbessern. Aber wir müssen irgendwann einen Schlussstrich ziehen und uns auf 2011 konzentrieren.

SPORT1: Und wohin führt das dann? Was ist Ihre Vision?

Kolles: Die Vision ist ganz klar: Das Team nach vorne zu bringen. Das ist keine andere Vision als bei Jordan, Spyker, Midland oder Force India. Sie müssen das Team retten, es stabilisieren und dann nach vorne bringen, indem Sie die richtigen Entscheidungen treffen. Diese Zeit versuchen wir jetzt etwas zu verkürzen. Bei Force India hat es fünf Jahre gedauert. Wir wollen es in drei schaffen.

SPORT1: Mit welchem Ziel - bei all dem Stress, den Sie sich antun?

Kolles: Sehen Sie: Ich bin gebeten worden, das zu machen. Ich persönlich kann es mir gar nicht leisten, Formel 1 zu machen. Ich kreiere Werte für andere Leute. Das habe ich für Alexander Shnaider gemacht, für Spyker, für die Mol-Familie und so weiter. Das Team ist immer weiter und immer teurer verkauft worden, weil sich das Team entwickelt hat.

Und die meisten Leute, die sich auskennen, wussten, dass ich der Einzige bin, der das schaffen kann. Das ist nicht arrogant gemeint, das ist ganz einfach so, weil kein anderer diese Infrastruktur und das Knowhow hat. Und jetzt liegt es natürlich an den Eigentümern.

SPORT1: Was schreiben Ihnen die auf die Fahne? Es sind turbulente Zeiten, die Sponsorensuche ist schwierig.

Kolles: Ich schreibe mir selbst auf die Fahne, dass ich das Team nach vorn bringen will. Die Eigentümer müssen dabei gewisse Dinge finanzieren. Es ist schwierig in diesen Tagen mit Sponsoren, aber daran denke ich nicht. Dazu habe ich gar nicht die Zeit. Ich habe auch keinen Business-Plan. Ich habe ein Ziel, und ich arbeite darauf hin, es zu erreichen ohne vorher zu überlegen, wie lange ich für einen einzelnen Schritt brauchen werde. Ich arbeite einfach durch, bis er erreicht ist. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

SPORT1: Den Titel als Ziel auszugeben, wäre vermessen?

Kolles: So was sage ich ganz bestimmt nicht. Ich spreche von einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Da ist es möglich, das Team auf das Niveau von Force India zu bringen. Ich bin jahrelang kritisiert worden für Force India. Jetzt zeigt sich, dass es ein Beispiel für gute Arbeit ist. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis ist es das effizienteste Team der Formel 1. Schon seit 2005, als es noch Jordan war.

SPORT1: Hispania wird es also in fünf Jahren noch geben und es wird dann auch konkurrenzfähig sein.

Kolles: Ja, so lange ich verantwortlich bin.

SPORT1: Die Formel 1 teilt sich im Moment in eine Formel 1 der drei Geschwindigkeiten auf: Es gibt die Weltmeister-Kandidaten, das Mittelfeld und die Neulinge. Die Neulinge werden von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Ist es unter diesen Voraussetzungen sinnvoll, ein kleines Team an den Start zu bringen?

Kolles: Es ist doch klar, dass es eine Entwicklung über Jahre ist, bis ein neues Team wahrgenommen wird. Aber irgendwann muss sie ja anfangen. Man kann nicht erwarten, ein Team an den Start zu bringen und direkt Weltmeister zu werden. Wir sind nicht Brawn GP, das als Retorten-Team spezielle Voraussetzungen hatte - wo Honda viele Millionen investiert hatte und sich dann zum genau falschen Zeitpunkt zurückzog und Brawn dann Weltmeister wurde. Mit einem wirklich neuen Team ist das nicht zu vergleichen, und das ist jedem bewusst. (227871DIASHOW: Legendäre Duelle der Formel 1)

SPORT1: Es interessiert Sie nicht, dass die breite Öffentlichkeit ein Team wie Hispania nicht ernst nimmt?

Kolles: Nein, was soll mich das interessieren? Ich schreibe keine Fanbriefe. Wenn die neuen Teams Erfolg haben, wird sich das mit der Aufmerksamkeit erledigen - und wenn nicht, dann auch. HIER geht's zum ersten Teil

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel