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Michael Schumacher ist bis Ende 2012 bei Mercedes unter Vertrag © getty

Mercedes-Star Michael Schumacher spricht im Interview über die WM 2011, sein neues Auto und Vettels Angriff auf seine Rekorde.

München - Michael Schumacher kehrte 2010 nach drei Jahren Pause in die Formel 1 zurück und stellte sich der jüngeren Konkurrenz sowie jeglicher Kritik, er sei möglicherweise zu alt oder zu langsam.

Er habe sich durch die Schwierigkeiten in seiner ersten Comeback-Saison nicht beirren lassen, meint der Mercedes-Star im Interview und hofft jetzt darauf, 2011 mit dem neuen Silberpfeil die Früchte der Aufbauarbeit zu ernten. (Test-Bilanz: Mercedes jagt Top-Duo)

Frage: "Pünktlich zum Testabschluss war Ihr Silberpfeil plötzlich richtig schnell. Ist der Wagen jetzt das Siegerauto, das Sie sich für 2011 gewünscht haben? Sind Sie damit in Ihrem Drei-Jahres-Plan im Soll?"

Michael Schumacher: "Die Richtung stimmt. Definitiv. Wir sollten in diesem Jahr ordentlich dastehen. Ob der Wagen schon das Siegerauto ist - für diese Einschätzung möchte ich erst mal ein paar Rennen abwarten. Aber mit dem Wagen werden wir um vordere Plätze kämpfen können, das ist die gute Nachricht. Das Team hat super gearbeitet."

Frage: "Wenn Sie vorher gewusst hätten, wie schwierig sich 2010 Ihre Rückkehr in die Formel 1 gestalten sollte, hätten Sie sich dennoch für das Comeback entschieden?"

Schumacher: "Ich habe nie gedacht, dass ich nach drei Jahren zurückkomme und alles ist wie früher. Ich bin Realist. Insofern hat sich die Frage damit beantwortet. Es stimmt, die Wiedereingewöhnung hat länger gedauert, als ich gehofft hatte, aber mir war immer klar, dass es schwer werden würde und dass es keine Garantie auf Erfolg gibt. Ich bin aber der Typ, den solche Herausforderungen noch mehr anspornen."

Frage: "Hatten Sie irgendwann einmal Zweifel an Ihren eigenen Fähigkeiten? Oder daran, dass Mercedes auf dem Weg nach oben ist?"

Schumacher: "Wie gesagt, ich bin Realist. Und hier sprechen wir von einem hochkomplexen, sehr kompetitiven und sich ständig verändernden Sport. Da kann man nicht erwarten, dass die Dinge immer nach Wunsch laufen. Wichtig ist, sich nicht beirren zu lassen und konzentriert zu arbeiten. Das haben wir gemacht, und ich bin überzeugt davon, dass Mercedes wieder ein WM-Anwärter sein wird."

Frage: "Sind Kämpfe im Mittelfeld für einen siebenmaligen Weltmeister frustrierend oder machen sie vielleicht sogar mehr Spaß, als mit einem überlegenen Auto fast ohne Konkurrenz von Sieg zu Sieg zu fahren?"

Schumacher: "Ich habe auch oft genug mit einem nicht überlegenen Auto und nach harten Kämpfen gewonnen, und das macht sicherlich am meisten Spaß. Aber vor allem habe ich immer daran geglaubt, dass Erfolge keine Selbstgänger sind, sondern dass man sie hart erarbeiten muss. Daher: Kämpfe im Mittelfeld sind nicht frustrierend, sie sind Teil des Ganzen."

Frage: "Spüren Sie in irgendeiner Weise, dass Sie inzwischen 42 Jahre alt sind? Oder sind Sie noch immer so fit wie vor Ihrem Rücktritt?"

Schumacher: "Körperlich habe ich keinerlei Probleme, ich bin absolut fit. Aber die Formel 1 ist in den letzten Jahren auch langsamer geworden. Ich bin natürlich abgeklärter, ruhiger und vielleicht auch geduldiger als früher."

Frage: "Würden Sie Ihr Comeback als gescheitert ansehen, wenn Sie es vielleicht nicht mehr zurück bis ganz an die Spitze schaffen?"

Schumacher: "So denke ich nicht. Ich setze mich ja nicht vorher hin und definiere Situationen durch, damit ich sie hinterher benennen kann, sondern ich lasse mich auf einen Wettbewerb ein, weil ich von der Sache überzeugt bin, und gebe alles dafür, dass das Ziel erreicht wird. So denken alle Sportler, sonst gäbe es keinen Wettkampf."

Frage: "Ist Nico Rosberg der stärkste Teamkollege, den Sie je hatten? Können Sie vielleicht auch von ihm etwas lernen?"

Schumacher: "Man kann immer von jedem lernen. Das habe ich schon immer gesagt, und Nico ist mit Sicherheit jemand, von dem man viel lernen kann. Er war sehr stark im vergangenen Jahr, und ich bin überzeugt, dass er auch 2011 sehr stark sein wird. Und allein schon angesichts seiner Statistik gegen mich ist er in der Tat der stärkste Teamkollege bisher."

Frage: "Ist Sebastian Vettel nach seinem WM-Titel auch in diesem Jahr wieder die Messlatte? Hat er das Zeug dazu, vielleicht irgendwann einmal Ihre Rekorde anzugreifen?"

Schumacher: "Red Bull sieht sehr stark aus, und deshalb wird Sebastian als Favorit in die Saison gehen. Der Titel hat damit erst mal nichts zu tun, das weiß Sebastian, aber natürlich ist er stark genug, wieder um den Titel zu kämpfen. Und was meine Rekorde anbetrifft - er greift doch schon an."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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