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Sebastian Vettel hat seinen Vertrag mit dem Red-Bull-Team vorzeitig bis 2014 verlängert © getty

Sebastian Vettel spricht im Interview über seine Motivation nach dem Titelgewinn, Schumacher und Freundschaften in der Formel 1.

Von Marc Ellerich

München - Mit dem WM-Sieg als jüngster Pilot aller Zeiten hat Sebastian Vettel den Olymp seines Sports erklommen. Dennoch gehe er unverändert motiviert in die neue Saison, beteuert er.

Im Interview der Woche spricht der Red-Bull-Star über seine Liebe zur Formel 1, das Verhältnis zu Fernando Alonso und Michael Schumachers möglichen Vorteil im WM-Rennen.

SPORT1: Herr Vettel, was motiviert Sie für die Saison - und auch langfristig? Haben Sie jetzt nicht schon alles erlebt, was der Motorsport zu bieten hat?

Sebastian Vettel: Motivation ist für mich auch nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft kein Problem. Ich stelle den Zähler auf Null und habe die gleichen Ziele wie immer: Rennen gewinnen und den Titel holen.

SPORT1: Was halten Sie von der Variante: Sie beenden 2011 Ihre Karriere und fangen ein Studium an?

Vettel: Wäre das zweitliebste, was ich mir vorstellen könnte. Besonders was Technisches wie Maschinenbau. Es gibt aber eine Sache, die ich mehr liebe: Rennen fahren. Und genau das will ich noch eine Zeitlang machen. Studieren kann ich auch noch mit 50, das läuft mir nicht weg.

SPORT1: Sie haben deutliche Kritik an der wachsenden Radikalität der Formel 1 geübt. Ist die Radikalität, Grenzen auszuloten und auch zu überschreiten, nicht die grundlegende Charakteristik Ihres Sports seit seinen Anfängen? Und ist nicht sogar früher der Fahrer der letzte gewesen, auf den in der Formel 1 Rücksicht genommen wurde? Hat sich also die Formel 1 im Laufe der Zeit nicht im Gegenteil entradikalisiert?

Vettel: Das ist Quark. Die Leute hören nun mal immer bloß das, was sie hören wollen. Ich habe nichts wirklich kritisiert. Ich liebe den Sport, den ich betreibe. Zudem bin ich mit der Art und Weise wie er betrieben wird auch aufgewachsen. Es wäre also ein Widerspruch, wenn ich ihn so harsch kritisieren würde. Dieses Jahr gibt es lediglich viele Änderungen, die sich auf den Rennverlauf auswirken können. Das habe ich versucht zu erklären. Nicht mehr und nicht weniger.

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SPORT1: Im Fokus solcher Diskussionen steht vor allem der neue, verstellbare Heckflügel als befürchtete Gefahrenquelle. Mal abgesehen von der Gefahr: Wie beurteilen Sie die Wirkung des Flügels, der ja das Überholen erleichtern soll?

Vettel: Das kann man endgültig erst nach den ersten Rennen bewerten. Wenn das Überholen künstlich wird, dann ist das Käse, das gilt es zu verhindern. Es hat aber genug Leute und uns Fahrer, die sicherlich hiernach schauen.

SPORT1: Hinter welches der neuen Features, Flügel, Reifen, KERS, setzen Sie das größte Fragezeichen? Was bereitet Ihnen die größten Sorgen?

Vettel: Sorgen bereitet mir nichts. Es ist für alle gleich. Alles ist neu, zumindest für uns, was KERS betrifft.

SPORT1: Zu Ihren Konkurrenten um den Titel dürften Sie auch 2011 die üblichen Verdächtigen zählen, Ferrari, McLaren, natürlich auch Ihren Teamkollegen Mark Webber? Oder rechnen Sie mit Überraschungen?

Vettel: Sie kennen sich wirklich aus. Aber Mercedes und Renault sollte man zusätzlich nicht unterschätzen.

SPORT1: Wie geht Fernando Alonso mit Ihnen um? Ist er der gefährlichste Rivale, weil der Stachel der Niederlage so tief bei ihm sitzt?

Vettel: Er geht in diesem Sinne gar nicht mit mir um. Wir grüßen uns freundlich, wenn wir uns begegnen, mehr nicht. Wirkliche Freundschaften gibt es in der Formel 1 nicht. Wir sind Einzelkämpfer und unterm Strich Rivalen. Wir respektieren uns - was das Wichtigste ist!

SPORT1: Der erbitterte Wettstreit mit Mark Webber um den Titel im Vorjahr, welche Spuren hat der bei Ihnen und im Team hinterlassen?

Vettel: Ich denke, gar keine. Oftmals wurde das Verhältnis überspannt dargestellt. Intern gab es nicht diese großen Unruhen. Mark und ich sind nicht die besten Freunde, waren wir auch noch nie, aber wir lieben den gleichen Sport, und das verbindet uns wieder. Man redet die gleiche Sprache und über die gleichen Dinge.

SPORT1: Wie schätzen Sie Mercedes ein? Die Vorbereitung verlief ja offenbar nicht problemlos. Und von welchem der beiden Piloten ist mehr zu erwarten?

Vettel: Mal sehen, wie sie sich noch steigern können. Ich traue Ihnen jedenfalls zu, vorne mitzumischen. Beiden Piloten übrigens.

SPORT1: Michael Schumacher fasziniert nach wie vor das Publikum weltweit, hat aber ein schwieriges erstes Jahr hinter sich. Trauen Sie ihm in den verbleibenden beiden zu, tatsächlich seinen achten Titel zu gewinnen? Sie selbst sagten, das Alter spielt eine Rolle für den Erfolg.

Vettel: So habe ich das nicht gesagt. Michaels Erfahrung kann ein großer Pluspunkt sein. Ich zweifele nicht an seinem Speed. So etwas verliert man nicht. Ich rechne mit Ihm, egal ob 2011, 2012 oder später.

SPORT1: Zuletzt natürlich die Frage: Jetzt wo Sie und Ihre Konkurrenten doch zahlreiche Testkilometer hinter sich haben, haben Sie mit dem RB7 das richtige Auto, um Ihren Titel zu verteidigen?

Vettel: Ganz sicher kann man vor dem ersten Rennen nie sein, aber ich habe ein gutes Gefühl.

SPORT1: Wie groß ist das Plus, das sie gegenüber den Konkurrenten durch den Weltmeister-Titel besitzen? Ist Ihr Selbstbewusstsein ein Vorteil, den die Konkurrenz für Geld nicht kaufen kann?

Vettel: Alle fangen bei null an. Ich würde den Titelgewinn also nicht überbewerten. Aber natürlich zeigt mir der Erfolg, dass mein bisher gegangener Weg der richtige war.

(Auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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