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Nico Rosberg holte 2010 142 WM-Punkte und wurde Siebter © getty

Mercedes-Pilot Nico Rosberg spricht im Interview über die neue Saison, das Duell mit Schumacher und den Vettel-Effekt.

München - Eigentlich sind Rennfahrer eher rastlos und ungeduldig, der Erfolg kann ihnen nicht schnell genug kommen. Mercedes-Pilot Nico Rosberg dagegen übt sich in Geduld. "Ich bin überzeugt, dass meine Zeit auch kommen wird", sagt er im Interview vor dem Saisonstart (Training, Fr. ab 6 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Neid auf Sebastian Vettel, der zwei Jahre jünger, aber schon Weltmeister ist, verspürt er nicht, dafür ist er sich bewusst, dass er als Formel-1-Fahrer in einer sehr privilegierten Position ist. (Rosberg: Wann fällt die große Hürde?)

Frage: "Welche Schlagzeile würden Sie gerne 2011 über Nico Rosberg lesen?"

Nico Rosberg: "Rosberg siegt im Silberpfeil."

Frage: "An einem bestimmten Ort?"

Rosberg: "Ja, in Monaco. Das wäre der Hammer. Und das ist machbar. Ich war im letzten Jahr in der zweiten Qualifying-Session der Schnellste. Wenn das Auto in diesem Jahr besser ist, was es sein wird, warum nicht?"

Frage: "Sind Siege in diesem Jahr wirklich machbar?"

Rosberg: "Klar ist das machbar. Wir gehen nicht in die Saison mit der Erwartung, dass wir vom ersten Rennen an die Schnellsten sind. Aber wir hoffen, dass wir viel näher dran sein werden. Und dann kommt es auf die Entwicklung über das Jahr an. Im letzten Jahr hatte ich in Schanghai geführt, was zeigt, dass bei schwierigen Bedingungen ein Sieg sogar eher mal drin ist als zu Saisonbeginn erwartet."

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Frage: "Kann man sagen, in welchen Bereichen sich das Team am meisten verbessern musste?"

Rosberg: "Zum Beispiel bei der schnellstmöglichen Umsetzung von Ideen."

Frage: "Ist da Teamchef Ross Brawn die treibende und integrierende Kraft?"

Rosberg: "Natürlich. Mit seiner Erfahrung und seiner Kompetenz, Menschen zu führen. Das ist seine Stärke."

Frage: "Haben Sie sich die Arbeit mit ihm so vorgestellt oder ist es anders, vielleicht sogar besser, als zuvor gedacht?"

Rosberg: "Ich hatte es mir ein bisschen anders vorgestellt, weil ich gedacht hatte, dass er nur das 'technische Genie' wäre. Er ist aber genau so stark in Menschenführung und Management, wie er Mitarbeiter motiviert und in richtige Positionen bringt."

Frage: "Ross Brawn hat gesagt, er würde gerne noch lange mit Ihnen zusammenarbeiten, und Sie seien einer der Fahrer der Kategorie, die man im Team haben sollte. Er meinte, er wäre sehr stolz darauf, wenn er Sie bis zu einem WM-Titel begleiten könnte."

Rosberg: "Coole Aussage."

Frage: "Könnten Sie jetzt schon sagen: 'Ich fühle mich bei Mercedes wohl, ich will hier gar nicht mehr weg'?"

Rosberg: "Natürlich, klar. Es ist ein Traum, für Mercedes zu fahren, im Silberpfeil, mit Ross Brawn und mit Norbert Haug zu arbeiten. Das ist was ganz Besonderes. Auch mich würde es freuen, wenn wir eine langfristige gemeinsame Zukunft hätten."

Frage: "Thema Spaß: Es macht doch sicher Spaß, einen siebenmalige Weltmeister mit gleichem Material immer mal wieder zu schlagen, oder?"

Rosberg: "Das ist natürlich eine gute Sache."

Frage: "Hätten Sie es vorher gedacht, dass es so schnell möglich ist, Michael Schumacher im Griff zu haben?" (Schumacher-Interview: Formel 1 langsamer geworden)

Rosberg: "Nein, natürlich nicht. Ich bin mit der Erwartung in die Saison gegangen, wie ich auch jetzt wieder in die Saison gehe, dass es ein sehr harter Kampf wird. Ich bin überzeugt, dass ich eine sehr gute Leistung bringen werde, aber auch davon, dass es wieder sehr hart wird. Ich glaube, es wird ein gutes Duell, und hoffentlich habe ich wieder die Nase vorn."

Frage: "Sie gehen also davon aus, dass Schumacher seine Schwächen aus dem vorigen Jahr abstellen kann und ein deutlich härterer Gegner sein wird?"

Rosberg: "Auf jeden Fall."

Frage: "Wie ist die Zusammenarbeit mit Schumacher?"

Rosberg: "Sehr gut. Für mich ist es eine interessante Erfahrung. Viele Jahre habe ich zugeschaut, wie er gegen Mika Häkkinen gefahren ist, jetzt arbeite ich mit ihm zusammen. Das ist schon cool."

Frage: "Gibt es bestimmte Punkte, die Schumacher auszeichnen, Fähigkeiten, die Sie selbst auch gerne hätten?"

Rosberg: "Er ist siebenmaliger Weltmeister, das kommt nicht von ungefähr. Er hat es echt drauf, in allen Bereichen, nicht nur fahrerisch. Ich glaube, es gibt einige Fahrer, die in die Formel 1 gekommen sind, die fahrerisch ein ähnliches Talent haben. Nur stimmt bei ihm das ganze Paket. Man kann heute so viel machen, mit der Elektronik, mit dem Setup. Wenn Du das nicht hundertprozentig hinkriegst, kannst Du noch so gut fahren, hast aber keine Chance."

Frage: "Sebastian Vettel ist schon Weltmeister geworden - und ist noch zwei Jahre jünger als Sie. Wird man da ein bisschen neidisch?"

Rosberg: "Nein, neidisch nicht. Denn auch ich habe schon vieles erreicht und bin zufrieden. Sebastian ist stark gefahren, er hat sich das verdient. Ich bin überzeugt, dass meine Zeit auch kommen wird. Man muss ein wenig Geduld haben."

Frage: "Vettels Erfolg bringt der Formel 1 in Deutschland noch einmal ein größeres Interesse."

Rosberg: "Davon profitieren wir alle."

Frage: "Spüren Sie das auch selbst?"

Rosberg: "Ja. Dank ihm ist die Formel 1 noch interessanter geworden, auch wenn das in Deutschland eigentlich gar nicht mehr geht, mit sechs deutschen Fahrern, Vettel, Silberpfeilen, Schumacher, hoffentlich bald auch mit mir." (Test-Bilanz: Mercedes jagt Top-Duo)

Frage: "Es ist eine sehr lange Saison, wenn Bahrain nachgeholt wird, erstmals sogar mit 20 Rennen. Haben Sie Bedenken, dass das für die Fahrer und Teams irgendwann einmal zu viel werden könnte?"

Rosberg: "Unsere Wochenenden sind schon sehr intensiv. Man steckt alles, was man hat, da rein, nicht nur 100, sondern 200 Prozent. Da ist es schon eine sehr lange Saison."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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