vergrößernverkleinern
Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda feierte bei 171 Starts 25 Formel-1-Siege © imago

Niki Lauda ordnet im SPORT1-Interview den Saisonstart der Formel 1 ein. Von Vettel ist er begeistert, von einer Neuerung nicht.

Von Julian Meißner

München - Der frühere, dreimalige Weltmeister Niki Lauda ordnet im SPORT1-Interview den Saisonstart ein. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Um das kriselnde Mercedes-Team abschließend zu beurteilen, sei es zu früh, meint der TV-Experte, auch ob Renault dauerhaft ganz vorne mitmischen könne, müsse man abwarten.

In einem ist sich der Österreicher jedoch sicher: Bei Weltmeister Sebastian Vettel und seinem Red-Bull-Team stimmt derzeit alles. Lauda weiß, warum.

Und: Den neuen, verstellbaren Heckflügel verdammt er in Bausch und Bogen.

SPORT1: Herr Lauda, Sebastian Vettel hat den Saisonauftakt in beeindruckender Weise dominiert. Ist er dieses Jahr mit der Lockerheit des Titelgewinns und dem starken Red-Bull-Paket überhaupt zu schlagen?

Niki Lauda: Das Jahr ist lang. Aber im Moment hat er natürlich ein perfektes Auto, er fährt perfekt, er hat überlegen in Melbourne gewonnen. Vielmehr kann man dazu gar nicht sagen, er ist auf jeden Fall der Favorit, wenn das alles so weitergeht.

SPORT1: Der Mercedes-Auftritt war eine totale Enttäuschung. Droht das nächste Krisenjahr für die Silberpfeile?

Lauda: Das kann ich nicht sagen, ich bin kein Hellseher. Das erste Rennen ist zu wenig aussagekräftig. Wir müssen erst noch die nächsten beiden Grands Prix abwarten in Kuala Lumpur und in Schanghai, und dann kann man sich ein genaues Bild machen. Die Autos können in dieser kurzen Zeit nicht nachgerüstet werden. Dann wird man sehen. Man kann nicht kategorisch nach dem ersten Rennen sagen, wie das alles ausgehen wird. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

SPORT1: Wie lange wird man Michael Schumacher noch Zeit geben, bis man feststellt, dass Nico Rosberg vielleicht doch einfach stärker ist? (Erste Experten schreiben Mercedes ab)

Lauda: Das ist dort gar nicht das Problem. Das Hauptproblem dort ist, dass das Auto in Melbourne nicht schnell genug gewesen ist. So, jetzt muss das Team, inklusive Schumacher, Rosberg und den Technikern gemeinsam daran arbeiten, dass das Auto in Ordnung gebracht wird. Und dann erst kann man den Rest beurteilen.

[kaltura id="0_bjwc0jhk" class="full_size" title="Vettel erkl rt KERS und Fl gel"]

SPORT1: Ferrari ist durchwachsen gestartet. Welche Fehler hat man in Maranello gemacht, nachdem die Tests ja eigentlich gut verlaufen waren?

Lauda: Tja, Tests sind Tests, und die Rennen sind etwas anderes. Dort sind alle Karten offengelegt worden, und es ist eindeutig, dass das Red-Bull-Auto mit Sebastian Vettel das schnellste ist.

SPORT1: Gerhard Berger sagt, Adrian Newey (Red Bulls Technischer Direktor, Anm. d. Red.) mache den Unterschied bei den Top-Teams. Kann man es darauf reduzieren?

Lauda: Ja, absolut. Adrian Newey mit seinem Team. Er ist der Innovative und weiß genau, wie er ein Auto bauen muss, um am schnellsten zu sein. Der weiß, wie's geht. Er hat es im letzten Jahr schon gewusst und weiß es heuer wieder.

SPORT1: Jetzt geht es nach Malaysia, dort ist viel Aerodynamik gefragt, die Temperaturen sind tropisch. Wird Red Bull wieder alle in die Tasche stecken?

Lauda: Malaysia ist ein anspruchsvoller Kurs, dort muss das Auto wirklich gut sein, um zu gewinnen. Das ist für mich eigentlich die bessere Rennstrecke, um die Performance zu beurteilen.

SPORT1: Renault mit Witali Petrow gehörte zu den positiven Überraschungen. Kann das Team die Verfolgergruppe aufmischen?

Lauda: Na ja, es sieht im Moment so aus, dass die wirklich gut unterwegs waren. Aber noch einmal: Das war jetzt ein Rennen, das ist alles zu früh.

SPORT1: Das befürchtete Chaos aufgrund der neuen Pirelli-Reifen ist in Melbourne ausgeblieben.

Lauda: Die Reifen haben super funktioniert. Alles, was man befürchtet hatte, die vielen Boxenstopps, ist nicht eingetreten. Überhaupt kein Problem.

SPORT1: Der flexible Heckflügel sollte das Überholen einfacher machen und so die Show verbessern. Große Effekte hat man in Melbourne nicht sehen können. (Neue Formel 1: Viel Wind um nichts?)

Lauda: Die Flügel-Regelung ist das Dümmste, das man machen konnte. Überholmanöver vorzugeben, finde ich grundsätzlich falsch. Es hat sich in Australien auch nicht richtig bewährt. Überholmanöver sollen die Fahrer selber machen und selber entscheiden und sich nicht von der FIA mit grünen Lichtern im Cockpit erlauben zu lassen, wann sie ihren Flügel hoch- und niederklappen dürfen.

SPORT1: Glauben Sie, dass die Regel beibehalten wird oder dass nachgebessert wird?

Lauda: Das weiß ich nicht. Ich hätte sie nie eingeführt. Es ist jedenfalls die größte Schnapsidee, die je erfunden wurde.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel