vergrößernverkleinern
Nico Rosberg hat in dieser Saison bisher 26 WM-Punkte angesammelt © getty

Nico Rosberg spricht vor dem Kanada-GP über die Mercedes-Krise, kleine Siege und die verbliebenen Chancen in diesem Jahr.

Montreal - Auch im zweiten Jahr fährt das Mercedes-Werksteam den eigenen Ansprüchen in der Formel 1 hinterher (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Silberpfeil-Pilot Nico Rosberg sieht dennoch Lichtblicke. "Wir müssen schauen, dass wir die Situation besser verstehen und mehr von diesen Lichtblicken schaffen", sagt der 25-Jährige im Vorfeld des Großen Preises von Kanada (So., ab 19 Uhr im LIVE-TICKER).

Frage: "Haben Sie sich schon ein kleines Dankeschön für Ihre Mechaniker ausgedacht, die in Monte Carlo (Bericht u. 411278Bilder) nach Ihrem Crash in Rekordzeit Ihr Auto wieder aufgebaut haben?"

Nico Rosberg: "Ja, da mache ich schon was. Aber das hat nicht unbedingt etwas mit dem Unfall zu tun. Das war sowieso geplant, ich mache immer wieder was für unsere Jungs, die so hart arbeiten."

Frage: "Wie wichtig ist es für Sie, zu jedem Mitglied des Teams eine gute persönliche Beziehung zu pflegen?"

Rosberg: "Mir ist es wichtig, dass ich ihnen meinen Respekt zeige. Das ist ein wichtiger Teil des Sports. Denn letztendlich ist es ein Team, in dem die Leistung jedes einzelnen zählt. Die Mechaniker stecken da so viele Stunden Arbeit rein, dass ich mein Auto fahren kann."

Frage: "Was geht einem dann durch den Kopf, wenn man weiß, dass man diese ganze Arbeit als Fahrer mit einer kleinen Unachtsamkeit zunichte gemacht hat?"

Rosberg: "Daran denkt man nicht. Ich habe gedacht: Mist, jetzt ist mein Monaco-Wochenende vorbei. Mein Auto wirkte im ersten Moment wie komplett zerlegt, und ich hatte nie gedacht, dass ich rund zwei Stunden später noch ins Qualifying kommen würde."

[kaltura id="0_ag4vs6sj" class="full_size" title="Streckenvorstellung Kanada GP"]

Frage: "Was macht man in dieser Zeit? Läuft man wie ein Tiger ums Auto rum und schaut ungeduldig jedem über die Schulter?"

Rosberg: "Das ist grausam, wirklich schlimm. Ab und zu habe ich mal zugeguckt, aber als das Qualifying dann anfing, war noch keine Abdeckung auf dem Auto drauf - und kurze Zeit später fuhr ich."

Frage: "Was ist das für ein Gefühl, wenn es klappt und man doch wieder fahren kann?"

Rosberg: "Der erste Moment, wenn man nach dem Unfall wieder fährt, ist schon heftig. Ich habe zwei Runden gebraucht, bis ich wieder das volle Vertrauen ins Auto hatte."

Frage: "Es geht für Sie und Ihr Team in dieser Saison sehr auf und ab ..."

Rosberg: "Die Lichtblicke sind immer da. Wir müssen schauen, dass wir die Situation besser verstehen und mehr von diesen Lichtblicken schaffen. Viele Sachen sind nicht gut gelaufen, wie zum Beispiel unser Verschleiß der Hinterreifen in Monaco. Wir müssen zusehen, dass wir die Sachen in den Griff kriegen. Und wir kriegen das in den Griff, es ist nur eine Frage der Zeit."

Frage: "Denken Sie nicht manchmal, ich bin im zweiten Jahr hier, und es läuft immer noch nicht optimal? Schauen Sie vielleicht schon auf die nächste Saison?"

Rosberg: "Ich bin hundertprozentig in dieser Saison. Es ist eine tolle Aufgabe mit einem Team, in dem ich mich sehr wohlfühle. Dieses Team mitzuführen zu besseren Resultaten, das ist extrem motivierend."

Frage: "Teamchef Ross Brawn hat gesagt, er würde Ihnen gerne so schnell wie möglich zu Ihrem ersten Sieg und zum ersten des neuen Teams verhelfen ..."

Rosberg: "Es ist toll, dass er so etwas sagt."

Frage: "Ist Ross Brawn so eine Art Vaterfigur?"

Rosberg: "Ross ist eine starke Führungspersönlichkeit. Es ist interessant, mit ihm zu arbeiten. Seine Einstellung zu dem ganzen Thema, wie er mit Menschen umgeht, das ist schon toll. Er ist ein echter Leader."

Frage: "Was macht Ihnen im Moment mehr Spaß: ein erfolgreicher Triathlon oder ein hart umkämpftes Rennen, in dem es am Ende vielleicht nicht ganz nach oben geht?"

Rosberg: "Ein tolles Rennen ist ein super Gefühl. Es ist das Schönste, mit dem Auto, das man hat, eine Hammerleistung gebracht zu haben, auch wenn man nicht ganz vorne ist. Daraus kann man viel Freude ziehen, und diese Freude habe ich auch in diesem Jahr schon gehabt."

Frage: "Kann man also sagen, dass Sie Ihren persönlichen Sieg in diesem Jahr schon gefeiert haben?"

Rosberg: "Schon öfter."

Frage: "Haben Sie ein absolutes Highlight in dieser Saison?"

Rosberg: "Schanghai, die Führungsrunden. Da war sogar der Sieg drin, ein bisschen mehr Sprit ..."

Frage: "Gibt es eine Strecke, auf der so etwas vielleicht wieder möglich sein könnte?"

Rosberg: "Schwer zu sagen. Hier in Montreal liegt uns die Strecke eigentlich sehr, im Qualifying. Da wird dann die Frage sein, wie es im Rennen mit unserem Reifenverschleiß aussieht."

Frage: "Würden Sie gerne mal mit Sebastian Vettel das Auto tauschen?"

Rosberg: "Nein. Ich möchte hier schauen, dass es vorangeht. Mit meinem Auto."

Frage: "Ist es wertvoller, wenn man sich den Erfolg quasi selbst erarbeitet? Würde es Ihnen etwas bedeuten, das Auto, das Mercedes den ersten Sieg nach der Rückkehr beschert, mitentwickelt zu haben?"

Rosberg: "Das wäre sehr schön. Natürlich. Wenn man sieht, wo wir aus dem letzten Jahr herkommen, wäre es fantastisch, wenn wir noch einen Sieg bekommen könnten. Ich fühle mich sehr wohl bei Mercedes."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel