vergrößernverkleinern
Nico Rosberg (l.) wechselte 2010 von Williams zu Mercedes GP © getty

Mercedes-Pilot Nico Rosberg bittet bei SPORT1 um Geduld mit seinem Team und erklärt, warum er Vettel noch nicht am Ziel sieht.

Von Tobias Wiltschek

München - Vor eineinhalb Jahren startete das Projekt Mercedes GP.

Die Zuversicht, die damals herrschte, ist jedoch schon seit längerer Zeit verflogen.

Trotz der Verpflichtung von Rekordweltmeister Michael Schumacher und des Top-Piloten Nico Rosberg konnten die Silberpfeile bislang nicht in den Titelkampf eingreifen (430481DIASHOW: Zwischenzeugnisse der Piloten).

"Dieses Team braucht einfach noch seine Zeit", bittet Rosberg im Interview der Woche bei SPORT1 vor dem Deutschland-GP (Training, Fr. ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) um Geduld. Die letzten Rennen hätten zumindest auf einen Aufwärtstrend hingedeutet.

"Wir können vorn dran sein"

Im kommenden Jahr will er endlich ganz vorn mitfahren. "Wenn wir im Winter gute Arbeit leisten, dann können wir sicherlich angreifen", meint der 26-Jährige, der bislang fünfmal in seiner Karriere auf dem Podium stand.

Bei SPORT1 spricht Rosberg über die Entwicklung seines Teams, das Verhältnis zu Michael Schumacher und die Situation in der Weltmeisterschaft.

SPORT1: Herr Rosberg, bei Mercedes GP geht es von den Platzierungen her aufwärts. Ist das auch Ihr persönlicher Eindruck?

Nico Rosberg: Ja, das ist so. Wir waren in letzter Zeit Vierter, Siebter und Sechster. Da stehen wir derzeit. Wichtig ist, dass wir dadurch viele Punkte gesammelt haben und jetzt einen Platz nach vorne gerückt sind in der Konstrukteurs-WM auf Rang vier. Insgesamt hoffe ich, dass das der erste Schritt von unserem Aufwärtstrend ist.

SPORT1: Woran machen Sie diese positive Entwicklung fest?

Rosberg: Dieses Team braucht einfach noch seine Zeit, bis es soweit zusammengewachsen ist. Das ist ein Prozess. Es sind eineinhalb Jahre vergangen. Jetzt ist es langsam so, dass alles besser zusammenpasst. (Crash, Fehlstart, Punkte - Aufschwung bei Mercedes?)

SPORT1: Die erste Hälfte der Rennen liegt praktisch hinter uns. Welche Ziele sind für Sie und das Team in der zweiten Saisonhälfte noch realistisch?

Rosberg: Ein Rennsieg aus eigener Kraft ist nicht realistisch, mit ein bisschen Glück ist aber vielleicht noch was möglich. Ansonsten ist unser Ziel, so viele Punkte wie möglich zu sammeln und zu schauen, dass wir als Team besser werden und näher an die Spitze rücken. Darauf könnten wir dann im nächsten Jahr aufbauen.

[kaltura id="0_94lj98z0" class="full_size" title="Rosberg erkl rt sein Lenkrad"]

SPORT1: Motorsportchef Norbert Haug meinte kürzlich, dass es wohl auch 2012 nicht realistisch sei, in den Titelkampf mit einzugreifen.

Rosberg: Ich bin ein optimischer Mensch. Wenn wir im Winter gute Arbeit leisten, dann können wir sicherlich ein bisschen näher vorn dran sein. Über Titelchancen jetzt schon zu sprechen wäre allerdings verfrüht.

SPORT1: Derzeit ist der Rückstand zu den drei Top-Teams noch sehr hoch. Wo liegen deren Vorteile gegenüber Ihrem Team?

Rosberg: Ein Formel-1-Team muss in allen Bereichen perfekt zusammenarbeiten, um das beste Auto zu bauen. Bei uns ist das noch nicht ganz so weit, bei den anderen Teams funktioniert das momentan noch besser. Die arbeiten schon längere Jahre so zusammen. Da müssen wir eben hinkommen. (DATENCENTER: WM-Stand Teams).

SPORT1: Sie sind ein sehr ambitionierter Rennfahrer, der Titel gewinnen möchte. Gibt es bei Ihnen einen Punkt, an dem Sie sagen würden, "hier komme ich nicht weiter, ich wechsle das Team"?

Rosberg: Momentan fühle mich sehr wohl in meiner Position. Natürlich hatte ich gehofft, bessere Resultate einfahren zu können. Aber das ist jetzt nun mal so. Trotzdem ist es ein tolles Projekt, und es ist eine tolle Aufgabe, da dabei zu sein, dieses Team mit nach vorne zu bringen und den Silberpfeil zum Sieg zu führen.

SPORT1: Sie fahren nun seit eineinhalb Jahren schon mit Michael Schumacher zusammen in einem Team. Hat sich Ihr Verhältnis seitdem geändert?

Rosberg: Das war von Anfang an sehr gut. Für mich ist natürlich eine tolle und interessante Erfahrung, ihn als Teamkollegen zu haben.

SPORT1: Seit seinem Comeback hat Schumacher noch keinen Podestplatz errungen. Ihr Teamchef Ross Brawn meinte kürzlich, das liege auch an Ihrer Stärke. Wie gehen Sie mit so einem Kompliment um? (Brawn über Schumi: Man kann niemanden zwingen)

Rosberg: Es ist sehr schön zu sehen, dass mir mein Chef so ein Kompliment macht. Es freut mich auch, wie ich bis jetzt gegen Michael abgeschnitten habe. Aber natürlich weiß ich auch, dass es in jedem Rennen immer wieder sehr, sehr schwer ist. Ich tue mein Bestes, um auch weiter vor ihm zu stehen.

SPORT1: Am Start hat er allerdings immer noch Vorteile Ihnen gegenüber. Wie erklären Sie sich das?

Rosberg: Das würde ich jetzt nicht generalisieren. Vielleicht hatte ich im letzten Rennen nicht den perfekten Start. Aber da muss man eben auch sagen, er ist der siebenmaliger Weltmeister und der Beste aller Zeiten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass er viele Sachen sehr, sehr gut macht.

SPORT1: In dieser Saison wird sehr viel über technische Aspekte diskutiert. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Rosberg: Insgesamt sind die neuen Regelungen gelungen. Der verstellbare Heckflügel ist toll für die Formel 1. Da gibt es mehr Überholmöglichkeiten. Auch der schnellere Abbau der Reifen ist gut. Dadurch sehen wir einfach mehr Duelle und die Rennen sind spannender. Natürlich gab es auch schon Rennen, wo es zu leicht war zu überholen. Aber das ist immer noch besser als gar nicht zu überholen. Es liegt eben auch immer daran, wie lang man diese DRS-Zone macht. Aber da wird sicherlich die perfekte Lösung noch gefunden.

SPORT1: Nach neun von 19 Rennen führt Sebastian Vettel souverän die WM-Wertung an. Ist der alte auch der neue Weltmeister?

Rosberg: Es wird sicherlich schwer, ihn zu schlagen. Aber die Saison ist noch lang, da kann noch alles passieren (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

SPORT1: Sie wollen ihm also noch nicht zum WM-Titel gratulieren?

Rosberg: Nein, auf keinen Fall, auch wenn ich es ihm natürlich gönne. Er fährt wirklich super momentan und es passt alles zusammen.

SPORT1: Am kommenden Wochenende steht der GP von Deutschland auf dem Nürburgring an. Kribbelt es bei Ihnen schon?

Rosberg: Das ist sicherlich ein Highlight, vor den deutschen Fans zu fahren. Wir haben da immer viel Unterstützung. Da geben wird alles, dass wir dort auch ein tolles Resultat erreichen können.

SPORT1: Welche Termine stehen für Sie vor dem Rennen noch an?

Rosberg: Ich darf am Donnerstag Juan Manuel Fangios Silberpfeil von 1954 auf der Döttinger Höhe an der Nordschleife fahren. Das wird ein absolutes Highlight für mich. Es ist toll zu sehen, wie viel Tradition im Nürburgring und in der Marke, für die ich fahre, steckt. Ich bin dankbar, ein Teil davon sein zu können.

SPORT1: Wäre der Heim-Grand-Prix nicht der ideale Anlass, um mit einem Sieg noch mal ein Ausrufezeichen zu setzen?

Rosberg: Ja, mir wäre es recht. Aber das ist leider nicht realistisch. Zumindest nicht aus eigener Kraft. Da müsste für einige schon ganz schön viel schief laufen.

SPORT1: Was ist in der zweiten Saisonhälfte realistischer: Ein Podiumsplatz von Nico Rosberg oder dass Mercedes GP noch einmal in die Phalanx der ersten drei Teams eingreifen kann?

Rosberg: Beide Varianten sind sehr wahrscheinlich. Da gibt es für mich keinen Unterschied.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel