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Timo Glock begann seine Formel-1-Karriere 2004 bei Jordan © getty

Timo Glock spricht bei SPORT1 vor dem Deutschland-GP über Bewerbungsfahrten, das harte Leben als Hinterbänkler und seine Pläne.

Vom Nürburgring berichtet Marc Ellerich

Nürburg - Timo Glock ist einer von sechs deutschen Piloten, die zu ihrem Heim-Grand-Prix auf dem Nürburgring antreten (Training, Fr. ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Chancen, nach den 308 Kilometern durch die Eifel aufs Podium zu steigen, hat der Odenwälder nicht einmal im Traum.

Glock rechnet und denkt derzeit in völlig anderen Kategorien. Der Einzug in die zweite Qualifying-Runde wäre für ihn schon eine Schampus-Orgie wert (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Die persönlichen Erfolge, die er in dieser Saison schon gefeiert hat, habe nur niemand mitbekommen, meint Glock zu SPORT1.

Im SPORT1-Interview spricht er über schöne Erinnerungen an den Nürburgring, seine Frustrationstoleranz und kleine Siege.

SPORT1: Herr Glock, wie ist die Stimmung vor dem Heimrennen?

Timo Glock: Gut, ein Heimrennen ist immer etwas Besonderes. Speziell am Nürburgring habe ich viele schöne Rennen gehabt. Das ist ein Highlight.

SPORT1: Woran erinnern Sie sich besonders gerne?

Glock: 2007 habe ich in der GP2 das Rennen hier gewonnen, was damals für mich eines der wichtigsten war. Damals war viel Druck vorhanden, weil es für mich schon um einen Formel-1-Vertrag ging. Mit meinem Sieg habe ich den Grundstein gelegt.

SPORT1: Eine Bewerbungsfahrt also.

Glock: Ja, das war für mich eines der besten Rennen hier. Daran erinnere ich mich sehr gerne zurück.

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SPORT1: Der Rennsieg dürfte diesmal kaum zu Ihren Zielen gehören. Was haben Sie sich vorgenommen?

Glock: Ich nehme mir vor, aus dem, was wir im Moment haben, hundertprozentig das Beste herauszuholen. Mehr kann man, glaube ich, nicht machen. Wir wissen alle, wie wir im Moment aufgestellt sind. Für die Zukunft sieht es besser aus mit dem McLaren-Deal, den wir haben. Wir müssen uns auf nächstes Jahr konzentrieren und für den Rest der Saison schauen, was wir noch machen können.

SPORT1: 2011 ist abgehakt?

Glock: Von meiner Seite ist es so, dass ich in Qualifying und Rennen alles eingesetzt habe, dass wir immer mehr als hundert Prozent rausgeholt haben. Ich hatte eine sehr gute Qualifying-Runde in Monaco, in Kanada auch. Die Rennen waren genauso gut. Mehr können wir nicht machen, mit dem, was wir zur Verfügung haben.

SPORT1: Mit Toyota standen Sie auf dem Podium, mit Virgin kämpfen Sie im hinteren Teil des Feldes. Wie schwer fällt es Ihnen, mit dieser Situation zurecht zu kommen?

[kaltura id="0_io4sgxqe" class="full_size" title="Eine Runde um den N rburgring"]

Glock: Das fällt mir nicht schwer. Ich hatte erst gestern eine Grillparty mit meinen alten Mechanikern von Ferrari. Da sind wir auch auf das Thema gekommen. Es ist einfach so, dass ich egal, wann, wo und für wen ich ins Cockpit einsteige, immer zu hundert Prozent motiviert bin. Und das ändert sich nicht, egal ob ich ums Podium fahre oder um Platz 20. Das ist einfach so, wenn du Rennfahrer bist, mit allem, was du hast.

SPORT1: Deutschland hat gerade einen Formel-1-Weltmeister. Sie sind ehrgeizig, wollen Sie nicht um den Titel fahren?

Glock: Das ist immer so eine Sache. Man muss vorausplanen, für die Zukunft schauen: Wo gibt es realistische Chancen? Gerade in der Formel 1 darfst du nicht träumen, dass du von heute auf morgen in einem Topteam um die Weltmeisterschaft fahren kannst. Gut, das hat es gegeben bei Jenson Button, aber der hat das sicher auch nicht gedacht. Du darfst nicht träumen und dir falsche Hoffnungen machen. Du musst realistisch bleiben: Jetzt kann ich in den nächsten ein, zwei Jahren vielleicht nicht um die WM fahren, aber vielleicht ergibt sich irgendwas.

SPORT1: Gibt es denn Möglichkeiten?

Glock: Das ist im Moment zu früh zu sagen. Ich kann nur so viel sagen, dass ich im Moment hier, wo ich gerade bin, happy bin. Ich habe mehr und mehr gute Leute um mich herum. Es macht mir Spaß.

SPORT1: Sind Sie in Gesprächen mit anderen Teams?

Glock: Ich bin in Gesprächen mit meinem jetzigen Team.

SPORT1: Fährt Timo Glock 2012 für Virgin?

Glock: Mal abwarten. Schauen wir mal.

SPORT1: Sie sprachen vorher von Ihrem GP2-Sieg als Bewerbungsfahrt für ein Formel-1-Cockpit. Wird der Deutschland-Grand-Prix 2011 auch so eine Bewerbungsfahrt?

Glock: Nein, ich glaube nicht. Leider ist es so, dass ich in der Position, in der ich jetzt bin, schon viele gute Bewerbungsfahrten abgeliefert habe. Die sieht nur keiner. Ob du nun viereinhalb Sekunden von der Spitze weg bist oder fünf, interessiert den normalen Fernsehzuschauer nicht. Wenn Lewis Hamilton eine halbe Sekunde schneller fährt, sagt jeder: Oh, was hat denn der für eine Runde rausgehauen. Wenn ich das mache, sieht das keiner.

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