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Heinz-Harald Frentzen (l.) raste in seiner F1-Karriere 18 Mal aufs Podium © imago

Im Interview spricht Ex-Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen über die Stärken von Vettel. Er traut dem Weltmeister Großes zu.

Von Annette Bachert und Felix Götz

München - Das Herzschlag-Finale in Sao Paulo hat auch Heinz-Harald Frentzen mitgerissen (BERICHT: Vettel atemlos zum Titel-Triple).

Wie Millionen Formel-1-Fans verfolgte der Vizeweltmeister von 1997 die dramatische Titel-Entscheidung zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso.

Am Ende einer an Spannung kaum zu überbietenden Saison sei Vettel verdientermaßen Weltmeister geworden, so Frentzen bei SPORT1 (DATENCENTER: WM-Endstand).

Aufholjagd von Red Bull

Der dreimalige Grand-Prix-Sieger spricht im SPORT1-Interview über das Chaos-Rennen in Brasilien, die Aufholjagd von Red Bull und die Gründe für Vettels erfolgreiche Titelverteidigung (643404DIASHOW: Bilder des Rennens).

Dem jüngsten Dreifach-Weltmeister der Geschichte traut er sogar zu, Rekord-Champion Michael Schumacher eines Tages zu entthronen.

SPORT1: Das Finale in Brasilien war verrückt. War das Rennen in Interlagos eines der spannendsten und kuriosesten, das Sie je gesehen haben?

Heinz-Harald Frentzen: Das war auf jeden Fall ein spannender Grand Prix im Bezug auf die Weltmeisterschaft. Das Finale war auch wieder typisch für Brasilien: wechselhafte Wetterbedingungen, da kann alles passieren. Wir haben alle mit Sebastian Vettel mitgefiebert. Nach der ersten Runde sind wir davon ausgegangen, dass er gar nicht mehr Weltmeister werden kann, nachdem er mit Bruno Senna kollidierte. Das hat ja erst für die ganze Dramatik gesorgt.

[kaltura id="0_higdppgq" class="full_size" title=" Wir sind Vettel Heppenheim feiert seinen gr ten Sohn"]

SPORT1: Hat es Sie überrascht, dass es überhaupt noch einmal so spannend wurde?

Frentzen: Mir war schon bewusst, dass es spannend werden könnte. Wir hatten schon öfters Rennen in Brasilien mit diesen schwierigen Wetterbedingungen. Dann wird die Reifenwahl zum Pokerspiel. Man kann nie voraussehen, wie stark und lange es regnet, um auf Regenreifen zu wechseln. Manche Piloten sind auf Trockenreifen geblieben und haben sich einen Reifenwechsel erspart, weil die Strecke so schnell abgetrocknet ist. Und dann passiert trotz aller guten Vorbereitungen der Unfall mit Senna in der ersten Kurve.

SPORT1: Ist Vettel ein verdienter Weltmeister?

Frentzen: Ja sicher ist Sebastian Vettel ein verdienter Weltmeister! Das Auto und Sebastian waren zwar von Anfang an Titelverteidiger und Titelanwärter. Da sie anfangs aber mit technischen Problemen und mit dem Speed Schwierigkeiten hatten, kam der Red Bull erst ab der Hälfte der Saison immer besser in Schwung. Das Auto wurde dem Fahrstil von Sebastian Vettel angepasst, und erst dann konnte er seine Fahrkunst richtig umsetzen. Dadurch haben sie am Schluss eine Riesenaufholjagd gestartet. Das war schon beeindruckend. (ANALYSE: Vettels Triple-Trümpfe)

SPORT1: Es wurde sehr oft über das gute Auto Vettels und das Genie Adrian Newey gesprochen. Tut man ihm Unrecht, wenn man den Erfolg nur auf das Auto zurückführt?

Frentzen: Es ist keine Frage, dass Sebastian Vettel ein super Fahrer ist. Natürlich ist auch die ganze Mannschaft an diesem Erfolg beteiligt. Adrian Newey ist der Stardesigner, das Team arbeitet sehr harmonisch. Es geht auch nur in dieser Konstellation, damit alles zusammenpasst. Vettel würde aber auch bei anderen Teams einen überragenden Job machen.

SPORT1: Wie viel von Vettels Erfolg liegt tatsächlich am Auto, wie viel am Fahrer? Können Sie das in Prozent ausdrücken?

Frentzen: So etwas kann man nie genau aufteilen. In der Formel 1 ist es schon seit Jahr und Tag so, dass der Fahrer nur ein Teil des Erfolgs ist. Dazu kommen das Team, die Reifen, der Motor, das Chassis, die Aerodynamik, die Mechaniker, die Boxenstopps etc. Es kann schon entscheidend sein, wenn man es schafft, die Reifen eine halbe Sekunde schneller zu wechseln als der andere. Sicher hat Sebastian Vettel mit seinem Einsatz einen Riesenanteil am Erfolg. Mark Webber ist auch ein super schneller Fahrer, aber in den entscheidenden Momenten hatte Sebastian die Nase vorn.

SPORT1: Ferrari war mit Alonso bis zur letzten Sekunde im Titelkampf vertreten. Lag dies wirklich nur am Ausnahmefahrer Alonso oder ist der Ferrari gar nicht so schlecht, wie er oft gemacht wurde?

Frentzen: Der Ferrari war nicht das schnellste Auto, aber er war standfest und hatte nur sehr selten technische Probleme. Zudem hat Fernando Alonso auch die wenigsten Fahrfehler gemacht. Für die beiden Unfälle, bei denen er ausgefallen ist, konnte er nichts. Somit war Fernando Alonso für mich einer der konstantesten und stärksten Fahrer dieser Saison.

SPORT1: Vettel ist in seinen jungen Jahren schon drei Mal Weltmeister geworden. Wie sehen Sie seine Perspektive. Kann er Michael Schumachers Rekorde knacken?

Frentzen: Rein theoretisch kann er alle Rekorde von Michael Schumacher brechen. Er ist verdammt jung und hat noch eine lange Karriere vor sich.

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