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Heidfeld startete seine F-1-Karriere im Jahr 2000 beim Prost-Team © imago

BMW-Pilot Nick Heidfeld spricht im Sport1-de-Interview über die Spannung vor der neuen Saison und seine Titel-Chancen.

Von Marc Ellerich

München - Nick Heidfeld will in der neuen Saison um den Titel mitfahren - eine mutige Ansage, wenn man bedenkt, dass der BMW-Sauber-Pilot noch keinen einzigen Sieg in der Formel 1 auf dem Konto hat.

Doch nachdem sein Rivale Robert Kubica "Quick Nick" den ersten Sieg für die Weiß-Blauen wegschnappte, muss der Mönchengladbacher seine Ziele offensiv formulieren.

Vor dem Saisonstart in Melbourne am Wochenende (Australien-GP: Streckeninfo und Video) spricht Heidfeld im Interview mit Sport1.de über seine WM-Chancen, die Favoriten auf den Titel und das umstrittene KER-System.

Sport1.de: Herr Heidfeld, täuscht der Eindruck oder steht der Formel 1 eine der spannendsten Saisons ihrer Geschichte bevor?

Nick Heidfeld: Ich glaube schon, dass uns eine sehr spannende Saison erwartet, weil man noch weniger als in den Jahren zuvor den Leistungsstand der jeweiligen Teams kennt. Aber spannender als im letzten Jahr, als der Weltmeister noch auf den letzten 500 Metern gewechselt hat, wird es wahrscheinlich nie mehr werden. Man darf nicht vergessen, dass die letzten Jahre in der Formel 1 sensationell spannend waren.

Sport1.de: Die Frage bezog sich auch mehr auf die erste Saisonhälfte. Man hat den Eindruck, als würden derzeit alle Teams ziemlich im Nebel stochern.

Heidfeld: Genau weiß wirklich niemand Bescheid. Wir versuchen uns natürlich ein Bild zu machen, aber eine richtige Antwort bekommen wir erst in Melbourne. Deswegen ist es ja so aufregend und spannend aufs erste Rennen zuzugehen.

Sport1.de: Sie hatten gute Testresultate, ist der F1.09 ein Weltmeister-Auto?

Heidfeld: Das hoffen wir, aber das können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wirklich beantworten. Ich denke, dass wir ein gutes Auto gebaut haben. Ein bisschen überraschend für alle waren die Rundenzeiten des Ex-Honda-Teams von Brawn, das direkt schneller war als alle anderen. Das hat uns - im Moment zumindest - die Suppe ein bisschen versalzen (Brawns D-Formel sorgt für Wirbel). Ich bin gespannt, ob die das die gesamte Saison durchhalten können.

Sport1.de: In Ihrem Team gibt es diesen berühmten Vierjahresplan. Der besagt, dass ihr Team in diesem Jahr (dem vierten von BMW mit eigenem Team in der Formel 1, d. Red.) um den Titel mitfahren soll. Ist das realistisch?

Heidfeld: Das Ziel zu haben ist sinnvoll und realistisch. Es ist schon etwas Besonderes gewesen, dass wir unsere Ziele in den letzten drei, vier Jahren alle erreicht haben. Jedes Team, welches in den letzten Jahren in die Formel 1 gekommen ist, hatte einen Fünfjahresplan. Und keines hat ihn erreicht oder zum Teil sogar übertroffen so wie wir. Dementsprechend ist der Titel als Ziel realistisch. Und ich hoffe, dass wir das erreichen können. Aber es ist die gleiche Antwort wie eben: Im Moment kann man nicht konkret sagen: Wir schaffen das oder wir schaffen das nicht.

Sport1.de: Welche Ziele setzen Sie sich denn ganz persönlich, wenn man einmal das große Ziel - Weltmeister zu werden - bei Seite lässt.

Heidfeld: Das ultimative Ziel ist natürlich Weltmeister zu werden. Aber mein wichtigeres, mein kurzfristigeres Ziel ist es, in jeder Situation, in der ich im Auto bin, das Maximum herauszuholen. Der Rest ergibt sich dann. Ich kann nicht sagen, ich möchte Erster, Zweiter oder Dritter werden, ohne zu wissen, wie gut das Auto ist.

Sport1.de: Wer sind die WM-Favoriten? Wen schätzen Sie stark genug ein, um in diesem Jahr um den Titel zu fahren?

Heidfeld: Im Moment schätze ich Brawn-GP, Ferrari und Red Bull stark ein - gefolgt von Toyota. Das sind derzeit die Stärksten.

Sport1.de: McLaren-Mercedes haben Sie nicht genannt. Sind Sie irritiert über die Performance des Weltmeister-Teams?

Heidfeld: Wenn das, was wir bei den Tests gesehen haben, der wirkliche Stand ist, dann ja. McLaren-Mercedes sieht zurzeit nicht schnell aus. Aber ich würde sie noch lange nicht abschreiben. Es gibt nicht viele Teams, denen ich es zutraue, es schnell wieder an die Spitze zu schaffen, McLaren schon (Ecclestone: McLaren blufft).

Sport1.de: KERS: Mit oder ohne in Melbourne?

Heidfeld: Das ist noch nicht entschieden. Wir diskutieren das intern. Wir haben es jetzt so viel getestet, dass wir es zur Rennreife gebracht haben, und werden von Fahrer zu Fahrer und von Strecke zu Strecke entscheiden.

Sport1.de: Ein Szenario zum Schluss: Sie werden in diesem Jahr Weltmeister. Sie sind schon sehr lange in der Formel 1 dabei. Wäre ein solcher Triumph für Sie der Zeitpunkt zu sagen: Danke und tschüss?

Heidfeld: Erst einmal Weltmeister werden, dann sehen wir weiter (lacht). Nein, im Ernst, das kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Ich möchte schon noch ein paar Jährchen fahren 80690(Der Piloten-Check 2009).

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