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Sebastian Vettel wurde 2008 in Monza jüngster GP-Sieger aller Zeiten © getty

Im Interview der Woche spricht Sebastian Vettel über den anstehenden Saisonstart der Formel 1 und gewachsenen Erfolgsdruck.

Von Julian Meißner

München - Er war der Shooting-Star der vergangenen Formel-1-Saison:

Sebastian Vettel, 21 Jahre alt, gewann im eigentlich unterlegen Toro-Rosso-Boliden als jügster Fahrer aller Zeiten ein Grand-Prix-Rennen und belegte am Ende der Saison Platz acht in der WM-Wertung.

Kein Wunder, dass dem gebürtigen Heppenheimer nun fast schon Wunderdinge zugetraut werden.

Von Toro Rosso ist er ins Cockpit des "großen Bruders" Red Bull Racing gewechselt - der Erfolgsdruck ist dadurch natürlich gewachsen.

Doch Vettel lässt sich nicht beeindrucken: "Ich gebe mein Bestes und ich will im Idealfall in jedem Rennen vor allen anderen ins Ziel kommen. Daran hat sich nichts geändert", sagt er im Gespräch mit Sport1.de.

Im Interview der Woche spricht Vettel über den bevorstehenden Saisonstart, die technischen Neuerungen und das überraschungsteam Brawn GP. (VIDEO: Rennkalender und Kurse 2009)

Sport1.de: Herr Vettel, wie groß ist Ihre Hoffung, beim Saisonstart in Melbourne mit einer "Rakete" ins Rennen zu gehen?

Sebastian Vettel: Die Tests mit dem neuen RB5 sind gut für Red Bull gelaufen, aber Prognosen kann man erst nach den ersten Rennen abgeben. Wir müssen die Füße auf dem Boden lassen. Die Favoriten sind auch in dieser Saison ganz klar McLaren-Mercedes und Ferrari. Wenn wir da nahe dranbleiben könnten, wäre das natürlich toll.

Sport1.de: Wie fällt ihr Gesamtfazit der Vorbereitung aus und wo gibt es noch Probleme?

Vettel: Wir haben über den Winter hart gearbeitet und hatten keine größeren Probleme. Man muss immer ein paar Kinderkrankheiten ausräumen. Ich denke wir sind für Australien gut gerüstet. Wir werden aber erst dort sehen, ob wir einen Grund haben fröhlich zu sein oder nicht. Unsere Aufgabe ist es, das Beste rauszuholen und nach vorne zu kommen.

Sport1.de: Die Erwartungshaltung ist nach dem starken Jahr bei Toro Rosso mit Ihrem ersten Sieg und dem Wechsel zu Red Bull gewachsen. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Vettel: Ich hatte in der letzten Saison nicht mit einem Sieg gerechnet, aber wir haben ein Rennen gewonnen. Mir ist egal, was die anderen von mir oder vom Team erwarten. Ich gebe mein Bestes und ich will im Idealfall in jedem Rennen vor allen anderen ins Ziel kommen. Daran hat sich nichts geändert. Ich hoffe, dass ich immer etwas dazulerne, sonst würde ich mich ja nicht mehr weiterentwickeln.

Sport1.de: Durch die massiven Regeländerungen versprechen sich die kleineren Teams einen Sprung nach vorne. In welchem Bereich profitiert Red Bull am meisten?

Vettel: Die ganzen Neuerungen bieten für viele Teams wie uns, die bis jetzt nicht die erste oder zweite Geige gespielt haben, die Chance da anzuknüpfen. Unser Ziel muss heißen, nach vorne zu kommen. Red Bull ist im fünften Jahr. Wir haben viel Potenzial. Das gilt es nun umzusetzen. Wo genau das hinführt und das in einer Zahl zu formulieren, ist derzeit schwierig. Je weiter nach vorne desto besser.

Sport1.de: Die Formel 1 leidet unter der Finanzkrise wie nur wenige Sportarten. Hatten Sie zwischenzeitlich Angst um ihren Job?

Vettel: Nein, ich hatte keine Angst um meinen Job. Im Moment wird viel geredet und man muss die Füße auf dem Boden lassen und zunächst abwarten was passiert.

Sport1.de: Wie stehen Sie KERS, und der Tatsache, dass es beim Saisonstart kaum ein Team einsetzen wird, gegenüber? Gibt es Sicherheitsbedenken Ihrerseits? (Die Turbo-Revolution)

Vettel: Wir haben über den Winter KERS getestet. Da es keine Tests mehr gibt, mussten wir ja jetzt alles ausprobieren. Das System lief von Anfang an problemlos, wir werden es in den ersten drei Rennen aber noch nicht einsetzen. Das zusätzliche Gewicht (zwischen 30 und 40 Kilo, Anm. d. Red.) muss gut verteilt werden. Das ist nicht so einfach. Ich habe keine Bedenken, wenn man sich an die Sicherheitsvorschriften halten kann. Aber was passiert, wenn das Auto sich überschlagen hat und der Fahrer regungslos im Auto sitzt? Ich denke die Formel 1 ist immer noch eine gefährliche Sportart, auch wenn manche Leute das nicht so sehen.

Sport1.de: Für Diskussionsstoff hat die Gewichtsproblematik bedingt durch KERS gesorgt. Waren Sie auch auf Diät?

Vettel: Sowohl Mark als auch ich hatten da keine Vorgaben. Klar habe ich die Diskussion darüber mitbekommen aber ich glaube, das wird ein bisschen hochgespielt. Es wäre sicher falsch, von den Piloten zu erwarten, dass sie alle jetzt abmagern müssen. Ich bin da auf der sicheren Seite. Ich bin nicht allzu groß und nicht allzu schwer. Es kommt drauf an, was für einen Knochenbau man hat. Der, der einen robusten Knochenbau hat, wird bei einer Größe von 1,80 nie auf 60 Kilo runterkommen. Es ist vielleicht möglich, aber dann ist man nicht mehr fit genug, um das Auto zu fahren. Ich glaube, das wird nicht das Problem werden.

Sport1.de: Brawn GP hat bei den Tests für Aufsehen gesorgt. Wie schätzen Sie das Team und generell die Machtverhältnisse in der Formel 1 ein?

Vettel: Ich denke Brawn GP ist für alle eine positive Überraschung und es ist interessant zu sehen, wo das Team nach den ersten Rennen stehen wird. Die großen Regeländerungen haben einen Effekt auf Rundenzeiten und auf das, was auf dem Grid passiert. Die Karten werden neu verteilt, es wird spannend. Ich denke, dass die neuen Regeln kleineren Teams wie uns eine Chance geben, die Lücke zu den größeren Teams weiter zu schließen.

Sport1.de: Wer sind ihre Top-Favoriten auf die WM?

Vettel: Die Favoriten sind und bleiben ohne Zweifel Ferrari and McLaren. Eventuell muss man noch BMW mit auf die Rechnung setzen, alles andere wäre eine Überraschung.

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