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Keke Rosberg wurde 1982 mit 5 Punkten Vorsprung vor Didier Pironi Weltmeister © getty

Im zweiten Teil des Interviews spricht Keke Rosberg über Jenson Buttons WM-Chancen, KERS und die Lügen-Affäre.

Von Conny Konzack

Sport1.de: Der Wegbereiter war Ross Brawn, den wir mal jetzt Ross "Brain" taufen.

Rosberg: Ja, das gefällt mir. Das ist er wirklich. Ich habe mit ihm schon vor über 25 Jahren in einem Team gearbeitet. Und warum glauben Sie, hat ihn Michael Schumacher damals von Benetton zu Ferrari mitgenommen? Es freut mich, dass Ross' akribische, konsequente Arbeit auch jetzt in seinem Brawn-Team Früchte trägt.

Sport1.de: Ist Jenson Button ein WM-Aspirant?

Rosberg: Warum nicht? Schließlich ist auch der Jenson ein Fahrer, der seine bekannten Qualitäten jetzt mit dem Auto nutzen kann. Er war ja schon ein Jungstar und so eine Geschichte wie die mit Hamilton letztes Jahr - das einer so kometenhaft gleich Weltmeister wird, die gibt es ja nicht so oft. Und vergessen Sie nicht: Jenson Button siegte ja auch schon einmal mit dem alten Honda!

Sport1.de: Die Japaner, die ihr Team verkauften, sind jetzt die großen Verlierer.

Rosberg: Genau! Die müssen sich ja sonst wo hinbeißen. Alles, was den Brawn heute ausmacht, ist ja letztendlich mit deren Entwicklungsgeldern entstanden. Und jetzt siegen die Autos ohne den Namen Honda - der Werbewert ist futsch. Dumm gelaufen. Aber wieder so ein genialer Schachzug von Ross Brawn, das Team aufzukaufen. Er wusste genau, das da noch ein großes Potenzial drin steckte! VIDEO

Sport1.de: Ist die Hackordnung in der Formel 1 jetzt total verschoben?

Rosberg: Das würde ich nicht sagen, sie hat sich nicht geändert, aber die Spitze hat mehr Mitglieder bekommen. Das macht diese Saison so spannend. Kleinigkeiten entscheiden, und so ein Thema wie die neuen Reifenregelungen mit den Slicks, das bleibt in der Formel 1 immer.

Sport1.de:Und das KERS-System, das Sie letztes jahr in der Entwicklungsphase im Sport1.de-Interview noch als "Money-Killer" bezeichnet haben?

Rosberg: Wie der Name Kinetic Energy Revcovery System ja schon sagt, speichert dieses System in erster Linie Energie. Für mich ist die Frage: Speichere ich sie in einem leichten Trafo, wie ihn mein Fahrrad hat, oder in einem 50 Kilo schweren System. Ferrari fährt ganz ohne - und derzeit hinterher. Momentan sieht es so aus, das selbst ein schlechtes, weil schweres System Vorteile bringt. Ab 2010 ist KERS ja Plicht für alle. Die Frage ist dann: Generiere ich die erlaubte Extra-Power von 80 PS aus einem leichten oder schweren System. Aber generell ist KERS natürlich toll: Wie viele Autofirmen mit ihren PKW schon beweisen - Beispiel BMW - trägt auch nicht zuletzt die Formel 1 dazu bei, mit Energie-Rückgewinnung die Autos sparsamer zu machen.

Sport1.de: Mercedes hat viel in die Formel 1 investiert. Schadet den Deutschen die Lügen-Affäre um Lewis Hamilton?

Rosberg: Nein, dem Team nicht. Ich sage: Lewis hätte sich nicht hinter dem Team-Management verstecken dürfen. Er alleine ist doch für seine Lügen verantwortlich, das ist die Tatsache. Und sogar unter Eid! Aber: Jetzt reicht's, mit der Strafe, auch für die anderen im Team, die gelogen haben, ist alles wieder in Ordnung.

Sport1.de: Aber hat Hamilton jetzt nicht einen Knacks weg bekommen? Die ganze Welt, die ihn letztes Jahr so umjubelt hat, weiß jetzt, dass er ein Lügner ist.

Rosberg: Deswegen hat der doch keinen Knacks bekommen. Den hat er, weil seine Kiste nicht läuft. Deswegen ist Hamilton verwundbar!Keke über Nico und die neue Hackordnung: Hier geht's zurück zum ersten Teil

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