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Niki Lauda holte in 177 Grands Prix 25 Siege, unter anderem für Ferrari und McLaren © getty

Formel-1-Legende Niki Lauda spricht bei Sport1.de über Senkrechstarter Brawn GP, die Ferrari-Krise und Vettels WM-Chancen.

Von Julian Meißner

München - Niki Lauda kennt die Formel 1 wie kaum ein Zweiter, doch auch den dreimaligen Champion hat der Saisonstart 2009 überrascht.

"So interessant war es schon lange nicht mehr", sagt der 60-jährige Österreicher, der zweimal mit Ferrari (1975, 1977) und einmal mit McLaren (1984) Weltmeister wurde.

Ausgerechnet mit jenen beiden Teams, die lange das Establishment der PS-Liga bildeten und sich nun schweren Krisen ausgesetzt sehen.

Lauda ist nicht nur für Formel-1-Fans eine Ikone, selbst der breiten Masse ist aufgrund seiner bewegten Vita ein Begriff (71208DIASHOW: Laudas Karriere). Sein schrecklicher Unfall am 1. August 1976 auf dem Nürburgring zeichnet ihn noch heute.

Doch der Wiener ließ sich nie unterkriegen: Als Fahrer, Rennstall-Berater, Unternehmer und TV-Experte biss er sich durch.

Im Interview mit Sport1.de spricht die Formel-1-Legende über Senkrechtstarter Brawn GP, die Ferrari-Krise und Vettels WM-Chancen. >> Lügenaffäre und KERS - hier geht's zum 2. Teil des Lauda-Interviews

Für das vierte Saisonrennen in Bahrain (1.Training, Freitag, 9 Uhr LIVE) hat Lauda einen klaren Favoriten.

Sport1.de: Herr Lauda, nach drei Rennen 2009 ist nichts mehr wie es war in der Formel 1. Wie hat Ihnen der Saisonstart gefallen?

Niki Lauda: Die Reglement-Änderungen haben tatsächlich alles auf den Kopf gestellt. Das gefällt mir persönlich sehr gut, so interessant war die Formel 1 schon lange nicht mehr. Am meisten hat mich das Brawn-Team mit zwei Siegen und einem dritten Platz von Jenson Button beeindruckt. Die Sensation im letzten Rennen war natürlich Sebastian Vettel. In einem derart schwierigen Rennen einen so perfekten Sieg herauszufahren, das ist schon aller Ehren wert.

Sport1.de: Honda war nicht gerade ein Überflieger-Team. Wie erklären Sie die sensationelle Performance des Nachfolgers Brawn GP?

Lauda: Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn eine Reglement-Änderung greift, fängt jeder bei Null an. Der Intelligentere baut dann das bessere Auto, und das war in diesem Fall Brawn.

Sport1.de: Ferrari dagegen erlebt den schlechtesten Saisonstart seit 28 Jahren. Was läuft falsch bei Ihrem Ex-Team?

Lauda: Normalerweise kann man aerodynamisch auf dem alten Auto aufbauen und einfach einen Tick zulegen. Aufgrund der Regeländerungen konnten sie aber nicht die Daten von 2008 nutzen, als man ganz vorne dabei war. Die Basis musste neu gelegt werden. Ferrari war dann bei den Wintertests immer am schnellsten. Sei glaubten deshalb, dass ihre Basis genügt. Dann war man hellauf überrascht, als Brawn, Red Bull und auch Williams oder Toyota einfach schneller waren.

Sport1.de: Nun wird gemutmaßt, die Scuderia werde sich frühzeitig auf 2010 konzentrieren (Bricht Ferrari den WM-Kampf ab?).

Lauda: Damit kann ich überhaupt nichts anfangen. Wenn du jetzt nicht verstehst, wo das Problem deines Autos liegt, wirst du kaum ein neues, besseres bauen. Das aktuelle Auto muss überarbeitet werden. Meine Logik lautet: Wenn das 2009er Auto halbwegs funktioniert, kann man ans nächste Jahr denken.

Sport1.de: Kimi Räikkönen war schon Weltmeister, Felipe Massa dicht davor. Dennoch: Werden die Fahrer jetzt nervös?

Lauda: Mitgehangen, mitgefangen. Sie haben Verträge und müssen ihre Aufgabe erfüllen.

Sport1.de: Auch Michael Schumacher geriet als Berater in die Kritik. Berechtigt?

Lauda: Deswegen berechtigt, weil Ferrari den Fehler gemacht hat, ihn zu den ersten beiden Rennen einzufliegen. Früher war er eben nicht bei jedem Rennen in Uniform an der Boxenmauer und an den Funk angeschlossen. Deshalb ging jeder davon aus, dass er jetzt eine neue Aufgabe bei Ferrari hat. Im vergangenen Jahr war er ja eher als Marketing-Figur oder Unterstützer Massas vor Ort, aber nicht voll integriert in das Renn-Team. Diesen Eindruck hat er nun vermittelt. Und deswegen hat er Kritik geerntet, vor allem, weil er beispielweise die Reifenwahl hundertmal besser hätte treffen können als es teilweise geschah.

Sport1: Trifft er denn solche Entscheidungen wie in Malaysia, als man sich bei Massas Reifenstrategie im Qualifying verzockte?

Lauda: Eben nicht. Er war nicht eingebunden, sondern nur Zuhörer. Ferrari hätte von Anfang an seine Rolle klar definieren müssen, das war der Fehler.

Sport1.de: Alle Welt feiert nun Vettel. Wird er der nächste deutsche Weltmeister?

Lauda: Vettel ist sicher momentan das größte Talent in der Formel 1. Er ist von der Geschwindigkeit und der Aggressivität perfekt aufgestellt. Hinzu kommt: Er ist hochintelligent. Das unterscheidet ihn von vielen seiner Kollegen. Ob er Weltmeister wird, hängt davon ab, wie Red Bull das Auto über das Jahr hinweg weiter entwickelt und wie standfest Sebastian ist.

>> Lauda über die Lügenaffäre und KERS - hier geht's zum 2. Teil des Interviews

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