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1979 gründete Niki Lauda Lauda Air, 2003 mit Flyniki seine zweite Fluggesellschaft © getty

Formel-1-Legende Niki Lauda spricht bei Sport1.de über die Lügenaffäre, KERS und das kommende Rennen in Bahrain.

Sport1.de: Lewis Hamilton und sein Team McLaren-Mercedes müssen sich nach der Lügenaffäre vor der FIA verantworten (Silberpfeilen droht Abschiedsrennen). Wie wird der World Council nächste Woche entscheiden?

Lauda: Die Lügengeschichte von Melbourne wurde bereits bestraft. Alle Konsequenzen wurden gezogen. Da aber McLaren bei der FIA nach den Problemen des vergangenen Jahres immer noch auf dem Prüfstand steht, hat die Affäre es bis in den World Council gebracht. Ron Dennis hat dann die Konsequenzen gezogen und ist abgetreten.

Sport1.de: Um weiteren Schaden vom Team abzuwenden? (Dennis tritt ab)

Lauda: Ich denke, es war absolut notwendig. Es wäre wesentlich einfacher für alle gewesen, hätte er die Konsequenzen bereits aus der 100-Millionen-Strafe nach der Spionage-Affäre gezogen, für die er ja mitverantwortlich war. Das hat er aber nicht getan. Dass die FIA McLaren besonders unter die Lupe nimmt, weil Dennis dort an der Spitze steht, ist vollkommen logisch. Ron ist zwar einer der besten Team-Manager, die es je gegeben hat. Auf der anderen Seite ist er aber ein Grenzgänger, der seine Ideen immer so konsequent umzusetzen versucht, dass er die FIA-Funktionäre teilweise verärgert hat.

Sport1.de: Was erwarten Sie nun von der Verhandlung?

Lauda: Ich denke, aufgrund Dennis' Rücktritt und der bereits erfolgten Bestrafung wird nächste Woche in Paris nicht mehr viel passieren. Ich rechne auf keinem Fall mit einem WM-Ausschluss, einer Sperre, oder einer weiteren Strafe für Hamilton. Er hat es richtig gemacht und sich entschuldigt. Mehr kann man von ihm nicht erwarten.

Sport1.de: Zum Thema KERS: In Schanghai waren nur drei Autos mit Energie-Rückgewinnung unterwegs. Kam die Einführung des Systems zu früh?

Lauda: Nur Mercedes hat es so konsequent konstruiert, dass es funktioniert und eingesetzt werden kann. Alle anderen haben einen Schritt zurück gemacht. Besonders Ferrari, wo die Standfestigkeit nicht gegeben war. Ich habe KERS von Anfang an aufgrund der enormen Kosten kritisiert. Es wird bis Mitte des Jahres dauern, bis es alle einsetzen. Angesichts der Sparmaßnahmen hätte ich die Einführung verschoben.

Sport1.de: Keke Rosberg sagte im Sport1.de-Interview, der viel diskutierte Doppel-Diffusor werde überschätzt (Keke Rosberg im Sport1.de-Interview). Sehen Sie das ähnlich?

Lauda: Überschätzt, wenn man glaubt, dass nur der Diffusor das Auto schnell macht. Es handelt sich um ein Puzzleteil im Aerodynamik-Paket. Nur das richtige Zusammenspiel aller Komponenten macht das Auto schnell. Deswegen haben es die Teams ohne Doppel-Diffusor so schwer: Sie müssen nun ihr komplettes Aerodynamik-Paket umbauen.

Sport1.de: Wer hat am Wochenende in Bahrain die besten Karten?

Lauda: Auf dem Wüsten-Kurs sollte es trocken sein, damit hat Brawn die besten Chancen. Sie haben das schnellste Auto. Danach kommt für mich Red Bull und dann der Rest der Welt.

Sport1.de: Welcher Fahrer ist Ihr heißester Tipp auf den Weltmeister-Titel?

Lauda: Es ist zu früh, das zu sagen. Aber Button ist sicherlich in keiner schlechten Position.

>> Lauda über Brawn, Ferrari und Vettel - hier geht's zum 1. Teil des Interviews

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