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Lewis Hamilton verlor durch die "Lügen-Affäre" seine sechs Punkte aus dem Auftakt-GP © getty

Geteilte Lager nach dem milden Urteil: Experten heißen es gut, McLaren-Mercedes sieht sich bestätigt, hat die Presse spottet.

München - Nach der milden Bewährungsstrafe durch die FIA (Silber: Sperre auf Bewährung) wollen die Silberpfeile die "Lügen-Affäre" ("Lewis, der Lügenbaron") ganz schnell hinter sich lassen und auf der Rennstrecke bald wieder alte Klasse zeigen.

"Wir mögen den Sport auf der Strecke viel, viel mehr als das Verhandeln neben dieser", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug am Donnerstag.

Mit dem "Bauernopfer" Dave Ryan, dem "Königsopfer" Ron Dennis und vor allem einer ganz neuen Team-Kultur hatte McLaren-Mercedes den Automobil-Weltverband von seinem Willen zu einem kompletten Neuanfang überzeugt.

"So werden wir auch wahrgenommen"

"Wir suchen Kooperation und Kommunikation", meinte Haug. "Mercedes hat schon immer entschieden in diese Richtung gearbeitet und ich denke, entsprechend werden wir im Fahrerlager auch wahrgenommen", ergänzte der 56-Jährige, der jetzt auf den Großen Preis von Spanien am 10. Mai blickt. (Whitmarsh: "Ich bin froh, dass ich mich entschuldigen durfte")

"Wir haben in Barcelona ein extrem schweres Rennen vor uns, die Strecke ist weitaus anspruchsvoller für die Aerodynamik als die letzte in Bahrain 98107(DIASHOW: Der Bahrain-GP), wo wir zu einem großen Teil auch von gutem Motor, guten Bremsen und gutem KERS leben konnten. Unser Auto ist

keineswegs schlecht, aber es braucht mehr Abtrieb", so der Mercedes-Sportchef.

Dennis-Abschied zeigt Wirkung

Beim "Großen Preis von Paris" waren die Silberpfeile erfolgreicher als bislang auf der Strecke.

"Sie haben uns demonstriert, dass sie eine völlige Änderung ihrer Kultur in die Wege geleitet haben. Das ist ganz anders als früher. Unter diesen Umständen war es besser, die Sache hinter uns zu lassen", sagte FIA-Chef Max Mosley.

Nach Meinung des Briten sei es unfair gewesen, eine Sache weiterzuverfolgen, deren Entscheidungen Leute getroffen hätten, "die nicht mehr involviert sind". Vor allem der Abschied von Mosleys Erzfeind Dennis hatte die nötige Wirkung gezeigt.

Mit einem blauen Auge davongekommen

"Mercedes hat mit dem Rückzug von McLaren-Chef Ron Dennis aus dem operativen Formel-1-Geschäft offensichtlich rechtzeitig die Notbremse gezogen", sagte der frühere Formel-1-Pilot und heutige RTL-Experte Christian Danner.

Er hält die FIA-Entscheidung, die Sperre für drei Rennen Sperre zur Bewährung auszusetzen, für "ein salomonisches Urteil mit einer ausgesprochen milden Strafe" hält: "Dem Team damit noch eine Chance und auch einen Neuanfang zu ermöglichen, ist sehr weise."

Für Hans-Joachim Stuck ist das Urteil "vor allem politisch korrekt und deshalb ganz im Sinne der Formel 1": "McLaren und Mercedes sind ganz offensichtlich mit einem blauen Auge davongekommen", sagte der heutige VW-Motorsportrepräsentant.

Die Erfindung der "Phantom-Strafe"

Die internationalen Medien nahmen das Urteil mit gemischten Gefühlen auf. Für die spanische Sportzeitung "AS" hat die FIA eine "Phantom-Strafe für McLaren" erfunden.

Der "Corriere dello Sport" aus Italien kritisierte offen den FIA-Chef: "Mosley kontrolliert den

Weltrat und zwingt ihn zu unglaublichen Kunststücken. Gestern ist es Mosley gelungen, McLaren zu verurteilen, ohne das Team zu bestrafen."

Spott und Häme aus der Heimat

In der McLaren-Heimat England mischte sich unter die allgemeine Erleichterung auch Spott und Häme, vor allem im Mirror: "Entehrt und beschämt, entlarvt als Lügner und Betrüger, bekam McLaren einen letzten großen Schlag."

Und weiter: "Sie sind so tief gesunken und so weitreichend diskreditiert, dass die FIA Mitleid hatte und sie nicht noch weiter bestrafen wollte. Das Team ist bereits zerstört, sie sind die Außenseiter in der Boxengasse. Sie sind auf den Knien in die Anhörung gegangen, um Gnade bittend, ohne jegliche Würde und Respekt."

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