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Luca di Montezemolo (l.) und Kimi Räikkönen: Ferrari holte im 4. Saisonrennen erste Punkte © getty

Zwischen dem einstigen FIA-Liebling Ferrari und dem Weltverband herrscht absolute Eiszeit. Grund ist die Budgetobergrenze.

Von Julian Meißner

München - Nichts ist wie es einmal war in der Formel 1. Die WM wird dominiert von Honda-Nachfolger Brawn GP, die etablierten Teams fahren nur hinterher (DATENCENTER: Ergebnis und WM-Stand).

Und auch hinter den Kulissen steht die Welt der PS-Liga auf dem Kopf: Zwischen dem einstigen FIA-Liebling Ferrari und dem Weltverband ist ein offener Machtkampf entbrannt.

Hintergrund: Die Scuderia ist strikter Gegner der Budgetobergrenze, die die Machthaber des Motorsports am Donnerstag durchdrückten (FIA verabschiedet Budgetgrenze) .

Schließlich kassieren die Italiener traditionell am meisten aus dem Topf der TV-Einnahmen, die Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone verwaltet.

Ein Kostendeckel kommt Ferrari deshalb natürlich ganz und gar nicht gelegen.

Hitziger Briefwechsel

Ferrari-Boss Luca di Montezemolo reiste nicht einmal nach Paris an, und das, obwohl sein Team als einziger Rennstall einen ständigen Sitz im 26-köpfigen World Council der FIA hat.

Zuvor soll es einen hitzigen Briefwechsel zwischen di Montezemolo und FIA-Boss Max Mosley gegeben haben.

Darin beschwerte sich der Ferrari-Chef angeblich, bei der Sitzung habe man ursprünglich nur um die Lügen-Affäre um McLarens Weltmeister Lewis Hamilton behandeln wollen.

Die Causa Budgetobergrenze sei kurzfristig auf der Tagesordnung aufgetaucht - um die Teams zu überrumpeln.

Konter von Mosley

Mosley warf di Montezemolo in seiner Antwort dann vor, die Existenz der Formel 1 in Gefahr zu bringen.

Mosley will sich unter keinen Umständen von seinem Sparkurs abbringen lassen, auch nicht von Ferrari. "Wir können nicht auf bessere Zeiten hoffen. Die Angelegenheit ist dringend und duldet keinen Aufschub", sagte Mosley.

Verwirrung, Zweifel, Imageschaden?

"Ich stand dem Budgetlimit immer reserviert gegenüber", zitiert "Auto, Motor und Sport" di Montezemolo: "Erstens weil wir fürchten, dass es nicht überwacht werden kann. Zweitens weil jede Kontroverse darüber das Image der Formel 1 beschädigen könnte. Drittens, weil wir Zweifel haben, dass eine zweigleisige Meisterschaft ehrlich und fair ausgetragen werden kann und, dass eine Zweiklassengesellschaft für zusätzliche Verwirrung sorgt."

Das Regelmodell sieht vor, dass die Budgetgrenze freiwillig ist, weshalb man sich nicht zwangsläufig an das Limit halten muss. In diesem Falle entgingen dem Team aber attraktive Freiheiten wie unbeschränkte Testfahrten und Motoren ohne Drehzahllimit.

Veto-Recht aus alten Tagen

Besonders pikant: Ferrari besitzt als einziges Team im Regelfindungsprozess ein Veto-Recht. Dieses Vorrecht datiert aus der alten, harmonischen Beziehung zwischen Ferrari und FIA.

Als die Hersteller 2005 zum wiederholten Male mit einer eigenen Rennserie drohten, wechselte Ferrari die Fronten und schlug sich auf die Seite des Weltverbandes. Dieser belohnte die Scuderia mit Sonderrechten.

Doch damit ist es nun vorbei.

FOTA-Meeting in London

Am 6. Mai trifft sich die Teamvereinigung FOTA, deren Vorsitzender di Montezemolo ist, in London. Dann will di Montezemolo das Thema auf die Agendea bringen und wohl versuchen, die anderen Teams auf seine Seite zu ziehen.

Die Erfolgssaussichten sind so schlecht nicht. Und unmittelbar vor dem Saisonstart 2009 schaffte es die FOTA, das von der FIA geplante neue Punktesystem im Keim zu ersticken.

Das letzte Wort bezüglich des Reglements für 2010 ist also noch lange nicht gesprochen - ganz im Gegenteil. Der Machtkampf ist voll entbrannt.

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