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Bernie Ecclestone (l.) vermarktet seit Anfang der 1970er die Formel 1 © getty

Der Formel-1-Zampano schlägt sich im Machtkampf zwischen FIA und Ferrari auf die Seite der Roten. Mosley zeichnet ein finsteres Bild.

Von Marc Ellerich

München - Auf Attacke folgt Konter und darauf schon bald der nächste Vorstoß: Das beschlossene Budgetlimit (FIA verabschiedet Budgetlimit) in der Formel 1 hat die Fronten zwischen dem Weltverband FIA und dem mächtigen Ferrari-Rennstall verhärtet.

Beiden Seiten liefern sich in der Frage der (zunächst) freiwilligen Selbstbeschränkung einen harten Machtkampf.

Die Wortwahl ist - naturgemäß - ziemlich deutlich. Die Scuderia, die seit den Anfängen festes Element der Königsklasse des Motorsports ist, droht mit Abschied.

"Der Sport würde auch ohne Ferrari weiterleben", grüßte FIA-Präsident Max Mosley (Mosley schießt zurück) zurück.

Ecclestone stellt sich hinter Ferrari

Der Brite könnte in dem Machtgerangel allerdings einen wichtigen Verbündeten verlieren: Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone stellte sich in einem Interview mit der Londoner "Times" offen auf die Seite der Roten.

Ein Abschied des Rekord-Weltmeisters sei für ihn undenkbar, bekundete der mächtige Cheforganisator des PS-Betriebs: "Soweit werde ich es keinesfalls kommen lassen"

Ecclestone weiter: "Es sollte jeder mit einer Budget-Obergrenze einverstanden sein - auch Ferrari. Wir müssen sie nur dazu bringen, sich ebenfalls dafür zu entscheiden, und genau das können wir bewerkstelligen."

Wird der Streit geschlichtet?

Eine erneute Lex Ferrari also? Bekannt ist, dass die Italiener das meiste Geld aus dem Einnahmetopf der PS-Liga zugewiesen bekommen. Erhalten sie nun weitere Sonderrechte? Oder will der Formel-1-Mogul die gerade erst beschlossene Obergrenze wieder aufweichen?

Ecclestone glaubt jedenfalls an eine Schlichtung des Streits zwischen Mosley und Ferrari-Boss Luca di Montezemolo. (Machtkampf zwischen FIA und Ferrari)

Es gebe Bedenken, "was die Geldmenge und das zweigeteilte Reglement anbelangt". Allerdings seien diese beiden Punkte, um die sich im Wesentlichen der Konflikt zwischen der FIA und Ferrari rankt, "keine großen Baustellen", behauptete der Brite.

Spitze Richtung Mosley

Eine Spitze in Richtung seines früheren Kompagnons Mosley konnte er sich allerdings nicht verkneifen: "Leider kann Max die Dinge nicht mehr so schön verpacken, wie ihm das in der Vergangenheit gelungen ist."

Der Betroffene sieht die Dinge naturgemäß völlig anders.

Mosley rechtfertigte die Deckelung als womöglich überlebensnotwendigen Schritt für die Formel 1. Es sei die "größte Entwicklung in meiner Zeit in diesem Sport", sagte der FIA-Boss der "Financial Times".

Mosley prophezeit Probleme

Die weltweite Finanzkrise habe die PS-Liga längst noch nicht voll getroffen, behauptete Mosley, dies müsse in die Köpfe der Verantwortlichen: "Der große Schlag kommt erst", so Mosley, nämlich dann, wenn die großen Sponsorenverträge der Teams ausliefen.

"Sie würden schon in diesem Jahr nicht mehr dabei sein, wenn sie keine bindenden Verträge hätten".

Mosley betonte vor diesem Szenario die Zeitnot, unter der die Formel 1 ihre Reformen verabschieden und durchsetzen müsse.

"Es ist unser Fehler"

Offenbar rechnet der FIA-Präsident auch damit, dass es zum Abschied weiterer Teams aus der Königsklasse kommen könnte: "Weil jetzt alle wenig Geld haben, ist es nicht mehr haltbar für sie, viele Millionen in die Formel 1 zu pumpen."

Der Sport habe zu spät gehandelt, übte der Brite Selbstkritik: "Es ist ja unser Fehler. Wir haben es dem Sport gestattet, sich so zu entwickeln, dass die Raffinesse Fortschritt bedeutet, nicht aber Innovation."

Dies müsse sich nun ändern.

Mosley fordert mehrere Prüfer

Um dem Einwand des Ferrari-Teams vorzubeugen, der Budgetdeckel sei unkontrollierbar, kündigte Mosley drastische Maßnahmen an.

"Es wird Grauzonen geben", sagte er, doch könne die PS-Liga dagegen vorgehen.

So könnten mehrere Prüfer beschäftigt werden, die Verstöße aufdecken sollten. "Die Schwierigkeiten und die Gefahr beim Betrügen wären immens. Wenn wir nur den leisesten Verdacht hätten, dass jemand betrügt, dann würden wir ein ganzes Team zur Überprüfung schicken. Das gehört dazu."

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