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Norbert Haug ist seit 1990 Motorsportchef bei Daimler © imago

Trotz des milden Urteils in der "Lügen-Affäre" schließt Mercedes-Sportchef Norbert Haug einen Formel-1-Ausstieg nicht aus.

Von Andreas Kloo

München - Die "Lügen-Affäre" ist für McLaren-Mercedes erst einmal ausgestanden. Mit einer Bewährungsstrafe über eine Sperre für drei Rennen kam das Team vergleichsweise glimpflich davon. (Silber: Sperre auf Bewährung)

Vor allem für die Zukunft des Teams in der Formel 1 ist das eine positive Nachricht. Vor der Entscheidung des FIA-Gerichts hatte Daimler-Vorstand Dieter Zetsche einen möglichen Ausstieg aus der Königsklasse in Erwägung gezogen. Der ist nun erst einmal vom Tisch.(Daimler-Boss droht mit Mercedes-Ausstieg)

Aber wohl nicht für immer. "Wir sind seit 1995 in der Formel 1, also damit das zweitälteste Team seit Ferrari. Ich kann das aber nicht auf immer und ewig versprechen", stellt Mercedes-Sportchef Norbert Haug bei Sport1.de klar.

"Es muss alles passen: der sportliche Erfolg, das Feedback in der Öffentlichkeit und die Höhe der Kosten. Ein Formel-1-Engagement macht nur Sinn, wenn das Gesamtpaket stimmt", erklärt Haug die Rahmenbedingungen.

Haug erwartet wieder Brawn vorne

Auch für das bevorstehende Rennen in Barcelona (So., ab 13.45 Uhr LIVE ) bleibt er realistisch. "Ich bin sicher, dass Brawn immer noch einen Vorteil hat, dicht gefolgt von Red Bull und Toyota", prognostiziert Haug für das erst Europa-Rennen 2009 keine großen Veränderungen in der Spitze.

Die Chancen von McLaren auf eine Podestplatzierung bewertet er als gering. Zwar geht das Team nach Windkanaltests bereits in Barcelona mit einem veränderten Aerodynamik-Paket an den Start.

"Aber ob das funktionieren wird, vermag ich nicht zu sagen", zeigt sich Haug skeptisch.

"Wir haben uns verschätzt"

In Bahrain war Weltmeister Lewis Hamilton mit Platz vier ein Sprung nach vorne gelungen. Das schreibt Haug aber vor allem der Strecke zu, die auf die McLaren-Stärken Bremsen und Motor zugeschnitten war. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

"Das war eine Dragster-Strecke. Da geht es geradeaus, um eine Ecke herum und schon ist man da. So müssten die Strecken im Moment aussehen, dann wäre alles etwas besser," ordnet Haug das Ergebnis des letzten Rennens ein.

"Fakt ist, wir haben jetzt noch zu wenig Abtrieb. Wir haben uns schlicht ergreifend verschätzt bezüglich dessen, was bei den neuen Regeln erforderlich ist."

"Wenn Brawn jetzt auch noch KERS hätte"

Das Brawn-Team dagegen hat sich offenbar am Besten auf die neue Situation eingestellt, für Haug ist aber die aktuelle WM-Führung des ehemaligen Honda-Werkstalls keine Überraschung.

"Das ist nicht dieses Ein-Euro-Auto. Es ist das Auto, in welches die meiste Zeit und die meiste Finesse gewandert ist, über 15 Monate lang. Wenn Brawn jetzt auch noch KERS hätte, dann sähe das noch deutlicher und noch spektakulärer aus was die Abstände betrifft", rückt Haug die Dinge zurecht.

BMW in Barcelona ohne KERS

Das BMW-Team, das in Bahrain die letzten beiden Plätze belegte, sieht Haug auf Augenhöhe mit seinen Fahrern. "So schlecht wie in Bahrain werden die nie wieder sein. Dort kam einfach vieles zusammen."

Allerdings gehen die Weiß-Blauen in Barcelona ohne KERS an den Start. "Die Abstimmzeit am Freitag mit unserem neuen Aerodynamik-Paket wäre zu kurz", begründete BMW-Sportdirektor Mario Theissen den Verzicht. (BMW in der Krise)

Lobeshymnen für Vettel

Haug bewertet den bisherigen Saisonverlauf aus deutscher Sicht trotz der Probleme von Mercedes und BMW als äußerst positiv. Vor allem Sebastian Vettel hat es ihm angetan.

"In Australien und Malaysia wäre er bei normalem Rennverlauf Dritter geworden. Dann ist er an Jenson Button dran. Eine sportlich tolle Bilanz."

Über einen möglichen Wechsel Vettels zu McLaren-Mercedes 2010 wurde bereits spekuliert. Konkret äußerte sich Norbert Haug zwar nicht dazu. Aber nach den neuerlichen Lobeshymnen für Vettel ist das "Dream Team" der Formel 1 weiterhin denkbar.

Proteste gegen neue WM-Wertung angekündigt

Eine weitere Änderung für 2010 kommt von der FIA. Dann soll der Fahrer mit den meisten Siegen den WM-Titel bekommen. So steht es im bereits veröffentlichten Reglement für 2010.

Eigentlich war dieses System bereits für diese Saison geplant. Aber die Teamvereinigung schmetterte die Umstellung mit einem gemeinsamen Vorstoß ab.

Auch jetzt will Haug diese Reform immer noch nicht kampflos hinnehmen.

"Das muss noch einmal besprochen werden. Außerdem braucht man nicht ständige Veränderungen, wenn man eine gute Formel hat", deutet Haug bereits neue Proteste der Teams an.

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