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Böses Spiel,böse Miene: Mario Theissen (l.) und sein Pilot Nick Heidfeld © imago

Vor dem Auftakt der Europa-Rennen gibt sich Mario Theissen kämpferisch, droht aber indirekt mit Abschied aus der Formel 1.

Von Marc Ellerich und Julian Meißner

München - BMW-Sauber ist am Tiefpunkt angelangt, zumindest hofft das Mario Theissen.

Der Motorsportdirektor der Bayern sieht sich und seine Angestellten der schwersten Krise ausgesetzt, die das junge Team bislang erleben musste.

Vier magere WM-Punkte hat der selbsternannte Titelkandidat nach vier Rennen auf dem Konto, den letzten Grand Prix in Bahrain beendeten die beiden Fahrer Nick Heidfeld und Robert Kubica als Letzter und Vorletzter (DATENCENTER: Ergebnis und WM-Stand).

"Es macht natürlich keinen Sinn in unserer Situation vom Titel zu reden", sagte Theissen bei einem Medien-Gespräch in München auf Nachfrage von Sport1.de: "Wir sind derzeit nicht in der Lage, ein Rennen zu gewinnen."

Diffusor-Entwicklung verschlafen

Allzu große Hoffnungen sind daher im Vorfeld des Großen Preises von Spanien (1. Training, Freitag 10 Uhr LIVE) kaum angebracht.

Wie Theissen bestätigte, werden seine Piloten auch in Barcelona auf den ominösen Doppel-Diffusor verzichten müssen. Dieser sei "Bestandteil weiterer Entwicklungen."

"Beim Thema Doppel-Diffusor hätte ich mir im Nachhinein gewünscht, dass wir früher aufgesprungen wären", gab Theissen zu (BMW in der Krise: "Eine Katastrophe").

WM-Spitzenreiter Brawn, Toyota und Williams sind bereits seit Saisonbeginn mit dem Wunderbauteil unterwegs. McLaren-Mercedes und Renault haben inzwischen nachgerüstet, Ferrari will in Barcelona Diffusor-Premiere feiern.

KERS nicht kompatibel

Auch wird BMW in Spanien das Energie-Rückgewinnungssystem KERS erstmals bei beiden Fahrzeugen nicht einsetzen - ein weiterer Rückschlag. "Die Abstimmzeit am Freitag mit unserem neuen Aerodynamik-Paket wäre zu kurz", begründete Theissen den Ausbau angesichts der geringen Testzeit auf dem Circuit de Catalunya.

Theissen, seit je ein KERS-Verfechter, lenkt den Blick diesbezüglich in die fernere Zukunft: "Ich bin der festen Überzeugung, dass in der zweiten Saisonhälfte ein schnelles Auto KERS an Bord haben wird."

Kurzfristig kommen Heidfeld und Kubica in den Genuss neuer Aerodynamik-Teile, von denen sich die BMW-Crew einen Zeitgewinn von einer halben Sekunde pro Runde verspricht. Damit soll es laut Theissen gelingen, sich "aus dem hinteren Mittelfeld nach vorn" zu arbeiten.

Theissen pro Ferrari

Im Streit um die Budgetgrenze schlagen sich die Weiß-Blauen derweil auf die Seite von Ferrari. "Eine Zwei-Klassen-Formel 1 ist nicht attraktiv für BMW", sagte Theissen und drohte damit indirekt mit dem Abschied aus der Königsklasse.

Das italienische Traditionsteam hatte angesichts der neuen Budgetregelung vom Ausstieg aus der Formel 1 gesprochen und in Person von Luca di Montezemolo einen Machtkampf mit FIA-Boss Max Mosley provoziert (Ecclestone pro Ferrari) .

FOTA-Meeting am Mittwoch

Montezemolo ist als Ferrari-Präsident gleichzeitig Vorsitzender der Teamvereinigung FOTA, die am Mittwoch in London zusammen kommt. Dort soll das weitere Vorgehen der Rennställe im Budgetstreit abgestimmt werden.

"Ferrari ist ein Vorreiter wider Willen. Was di Montezemolo nach außen vertritt, ist FOTA-Gedankengut", erklärte Theissen.

Rückenwind bleibt aus

Nachdem bereits bei McLaren-Mercedes ein Ende der Formel-1-Aktivitäten immer realistischer erscheint (Haug: Ausstieg möglich), stellt sich diese Frage angesichts der Krise der Automobilindustrie natürlich auch bei BMW-Sauber.

"Natürlich freut sich im Unternehmen jeder so wenig über die Performance-Situation wie wir", sagte Theissen gegenüber Sport1.de: "Aber wir haben in den letzten drei Jahren gezeigt, dass wir es können, dass wir nach vorne marschieren können. Man weiß im Unternehmen auch, dass bei jedem Projekt nicht immer Rückenwind herrscht, dass man schwierige Phasen durchstehen muss, das gehört zum Geschäft."

Heidfeld zurückhaltend

Sein Pilot Heidfeld, der jüngst seinen Unmut über die schleppende Entwicklung äußerte, setzt "wie alle im Team" die Hoffnungen auf das Aerodynamik-Update.

"Das Team hat unheimlich Energie investiert, um aufzuholen. Ich hoffe, wir stehen in Barcelona im Verhältnis zur Konkurrenz tatsächlich etwas besser da. Aber das ist schwer abzusehen, weil jedes Team mehr oder weniger große Nachrüstpakete zum Europaauftakt mitbringen wird."

Theissen stellte klar, dass man die Saison keinesfalls frühzeitig verloren geben werde. Sollte allerdings auch deren Restart am Wochenende daneben gehen, erledigt sich diese Frage ohnehin von selbst.

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