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Wohin steuert die Formel 1? Die Budget-Obergrenze sorgt für Ärger © imago

Die Teamvereinigung zeigt sich nach einem Treffen unzufrieden mit der verabschiedeten Budget-Obergrenze und fordert Gespräche.

Paris - Im Streit um eine Budget-Obergrenze (61191DIASHOW: Die Etats) in der Formel 1 wollen die in der FOTA (Formula One Teams Association) organisierten Teams gemeinsam gegen die Pläne des Automobil-Weltverbandes FIA vorgehen.

Nach einem Treffen teilten die Rennställe am Mittwochabend in London mit: "Die FOTA hat Bedenken gegen die Beschlüsse für 2010, die beim letzten Treffen des FIA-Weltrats verabschiedet wurden."

Deshalb solle es schnellstmöglich Verhandlungen mit der FIA geben.

"Konstruktiver Dialog"

Man habe nach einer "konstruktiven Zusammenkunft beschlossen, methodisch für ein Vorgehen bei der Kostenreduzierung 2010 und 2011 zusammenzuarbeiten", heißt es in der Erklärung weiter.

"Die FOTA verfolgt entschieden weiter das Ziel, die Kosten in der Formel 1 einzudämmen und gleichzeitig den Aufmerksamkeitswert der weltweit populärsten Rennserie noch weiter zu steigern", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug am Donnerstag im Vorfeld des Großen Preises von Spanien in Barcelona.

"Bei diesen Zielsetzungen herrscht Einigkeit bei allen in der FOTA vereinten Teams", sagte Haug, der sich einen "konstruktiven Dialog mit der FIA" wünscht.

Obergrenze ab 2010

FIA-Chef Max Mosley hatte auf dem von der FOTA kritisierten Weltrats-Meeting in der vergangenen Woche in Paris eine ab 2010 gültige Budget-Obergrenze in der Formel 1 von rund 44 Millionen Euro pro Team durchgesetzt (44 Millionen: FIA verabschiedet Budgetobergrenze).

Wer sich daran hält, bekommt große Freiheiten bei der Aerodynamik und der Motorenleistung der Autos. Dagegen bleiben Rennställen, die weiterhin mehr investieren wollen, diese Vorteile verwehrt.

"Für uns nicht attraktiv"

Zuletzt hatten Ferrari und BMW offen gegen die Einführung einer Obergrenze protestiert und sogar mit Ausstieg gedroht (Ausstiegsgespenst auch bei BMW).

"Der Hauptkritikpunkt ist die Zweiklassen-Gesellschaft in der Formel 1", hatte BMW-Motorsport-Direktor Marion Theissen am Montag während eines Mediengesprächs mit Blick auf die Obergrenzen-Beschlüsse gesagt: "Das ist für uns nicht attraktiv."

Einige kleinere Teams wie Williams, Force India und WM-Spitzenreiter Brawn hatten dagegen angedeutet, durchaus mit einer angemessenen Budget-Obergrenze leben zu können.

Daher dürfte es für die FOTA nicht einfach werden, in den Verhandlungen mit der FIA eine gemeinsame Linie zu vertreten.

Interesse am Einstieg

Zudem haben bereits ein neuer US-Rennstall, der Sportwagenbauer Lola, das Prodrive-Team des früheren Benetton- und BAR-Teamchefs David Richards sowie mehrere GP2-Teams Interesse an einem Einstieg in die Formel 1 geäußert - unter den Bedingungen der Obergrenze (i-Sport in die Königsklasse?).

Super Aguri, das im vorigen Jahr wegen finanzieller Probleme ausgestiegen war, denkt an ein Comeback.

Frist bis Ende Mai

Die FIA hat eine Frist vom 22. bis 29. Mai gesetzt, innerhalb der sich Teams für die Formel-1-Saison 2010 einschreiben können und gleich festlegen müssen, ob sie sich der Budgetgrenze unterwerfen oder nicht.

Daher drängt für die FOTA die Zeit, zumal Mosley nach dem plötzlichen Tod seines Sohnes Alexander am Dienstag mit privaten Dingen beschäftigt ist und seine geplante Reise nach Barcelona abgesagt hat.

Ecclestone als Vermittler

Bleibt als Ansprechpartner für die Teams vorerst nur Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone, der möglicherweise zum Vermittler zwischen den Kontrahenten werden könnte. Schließlich ist dem Briten naturgemäß daran gelegen, "seine" Formel 1 so attraktiv wie möglich zu gestalten - mit Ferrari und allen anderen Top-Teams.

Allerdings spricht sich auch Ecclestone bislang deutlich gegen Geldverschwendung und für eine Budgetgrenze aus.

"Die großen Teams kapieren es nicht, weil es nicht in ihrer DNA steckt, mit der Formel 1 Geld zu verdienen. Sie wollen nur ausgeben, ausgeben, ausgeben. Das ist in einer Zeit, in der die ganze Welt versucht, Kosten zu reduzieren und Geld zu sparen, schon paradox", sagte Ecclestone im "Daily Express".

Ferrari als Negativ-Beispiel

Weiter führte er aus, dass der zur Diskussion stehende "Deckel" von rund 44 Millionen Euro durch die darin nicht enthaltenen Ausgaben für Fahrergehälter und Marketing ohnehin auf rund 66 Millionen Euro steigen würde.

"Vergesst nicht, es gibt Teams, die im Moment 280 Millionen Euro pro Jahr ausgeben. Das kauft nicht automatisch Erfolg", sagte Ecclestone: "Ferrari hat zehn Jahre lang viermal so viel Geld wie alle anderen ausgegeben, ohne Weltmeister zu werden."

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