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Gute Miene: Rubens Barrichello (r.) versucht, sich Jenson Buttons Sieg zu freuen © imago

Der Brawn-Pilot fühlt sich beim Spanien-Grand-Prix von seinem Team hintergangen. Bei Barrichello kommen böse Erinnerungen hoch.

Von Marc Ellerich

München - Die Grün-Weißen dominieren die Formel 1 im Moment fast nach Belieben. Und nach dem Doppelschlag beim Spanien-Grand-Prix in Barcelona 104463(Die Bilder) steht fest: Der Weg zum WM-Titel führt in diesem Jahr nur über Brawn GP (DATENCENTER: Ergebnis und WM-Stand).

Doch nach der Triumphfahrt von Jenson Button auf dem Circuit de Catalunya (Vettel beißt sich die Zähne aus) zeigte sich, dass die Erfolgsstory des Honda-Nachfolgers schnell ein jähes Ende finden könnte.

Denn im Team der Stunde brodelt es gewaltig.

Barrichello wütet

Nach seinem zweiten Platz in der spanischen Metropole kochte Rubens Barrichello vor Wut und machte seinem Ärger noch während der internationalen Pressekonferenz Luft.

"Ich dachte ehrlich, ich hätte es in der Tasche", offenbarte "Rubinho" den Journalisten sein Erstaunen über den Rennausgang.

Nach 30 von 66 Runden hatte der Brasilianer beim Spanien-Grand-Prix noch einen komfortablen 13-Sekunden-Vorsprung auf Jenson Button, den er ebenso wie Sebastian Vettel mit einem perfekten Start überholt hatte.

Im Ziel fehlten ihm dann 13 Sekunden auf seinen Teamkollegen.

Wie das?

"Sage das jetzt klipp und klar"

Unmittelbar nach dem Grand Prix zeigte sich Barrichello noch überrascht von dem Resultat: "Ich denke, wir müssen uns heute Abend zusammensetzen und nach Antworten suchen", hatte er sich da noch zurückhaltend geäußert.

Doch später wurde der Brasilianer deutlicher, für ihn lag der Fall offenbar klar auf der Hand.

"Ich bin erfahren mit so etwas", leitete der 36-Jährige seine Tirade ein: "Ich halte mich an keine Stallorder mehr. Ich sage das jetzt klipp und klar."

Und gegenüber brasilianischen Journalisten soll der "ewige Zweite" sogar davon gesprochen haben, er habe seinem Chef Ross Brawn mit seinem Ausstieg aus dem britischen Erfolgsteam gedroht.

"Ich habe ihm gesagt, dass ich den Helm an den Nagel hänge, wenn er irgendwas gemacht hätte, damit Jenson das Rennen gewinnt."

Zwei statt drei Stopps

Konkreter Anlass für Barrichellos Aufregung war der spektakuläre Strategiewechsel, der Button an seinem Kollegen vorbei katapultierte.

Statt den Grand Prix wie geplant mit drei Boxenstopps zu absolvieren, kam Button während des Rennens nur zwei Mal zum Tanken - und zog so an Barrichello vorbei, der sich an die Vereinbarung des Teams gehalten hatte.

"Ich wäre darüber gerne früher informiert worden", schimpfte der älteste Pilot des Fahrerfelds anschließend.

"Bei uns gibt es keine Reihenfolge"

Ross Brawn versucht die Gemüter abzukühlen: "Man hat in der ersten Kurve gesehen, dass es keine Stallorder gibt. Rubens hat Jenson überholt. Ich würde ihm und seiner Crew den Sieg gönnen, denn das würde dem Team gut tun. Bei uns gibt es keine Reihenfolge."

Auch Button sagte: "Laut unseren Strategen waren drei Stopps die schnellere Strategie."

Ziemlich sicher wissen beide, was ihren Kollegen derart auf die Palme brachte, dass er den Teamfrieden aufs Spiel setzte.

"Let Michael pass..."

Der wahre Grund für Barrichellos Wutanfall liegt in der Vergangenheit. Es sind jene schlechten Erinnerungen, die seinen Ruf als "ewiger Zweiter" begründeten.

2002 Österreich-Grand-Prix in Zeltweg: Legendär geworden ist jener Satz, mit dem der damalige Ferrari-Teamchef Jean Todt seinem Liebling Michael Schumacher zum fünften WM-Titel verhalf.

"Rubens, let Michael pass for the Championship!", musste sich Barrichello seinerzeit befehlen lassen - und das Feld widerwillig für den Deutschen räumen.

"Ich bin bei Ferrari deswegen ausgestiegen", blickte der Brawn-Pilot zurück, der in seiner Karriere 275 Rennen absolvierte und davon neun gewann.

Offenbar fürchtet der Brasilianer nichts mehr, als eine Wiederholung der Geschichte, auch wenn er einräumte: "Es stimmt, es ist jetzt anders als damals bei Ferrari."

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