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Flavio Briatore führte Benetton-Renault 1995 zur Konstrukteurs-WM © getty

Der Renault-Boss fürchtet, dass die Königsklasse von Kleinrennställen überschwemmt und die Marke Formel 1 zerstört wird.

Von Martin Hoffmann

München - Was wäre wenn die edlen Boutiquen in Monte Carlo plötzlich von Ein-Euro-Shops umringt wären?

Unvorstellbar, gerade für einen Lebemann wie den Renault-Chef Flavio Briatore, der an den exklusiven Adressen dieser Welt zu Hause ist.

Der sieht auf die Formel 1 gerade ein ähnliches Szenario zukommen.

In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" warnt der Italiener vor einer Invasion der Billig-Teams, die den Markenwert der Königsklasse in den Keller treiben würde (61191DIASHOW: Die Budgets der Teams).

Die Hürden sinken drastisch

Der Hintergrund von Briatores Mahnungen sind die Entwicklungen seit dem FIA-Beschluss, eine freiwillige Budgetobergrenze von rund 45 Millionen Euro ab 2010 einzuführen.

Weil dadurch die Hürden drastisch sinken würden, liebäugelt nun schon eine ganze Reihe kleinerer Teams mit dem Einstieg in den Formel-1-Betrieb - auch wenn noch nicht sicher ist, ob der Beschluss auch so umgesetzt wird.

So prüfen diverse GP2- und Formel-Renault-Rennställe den Aufstieg in die Königsklasse, das Prodrive-Unternehmen von Ex-BAR-Chef David Richards und auch erfolgsarme Ex-Teams wie Lola oder Super Aguri.

"Dann ist die Marke nichts mehr wert"

Ein Gräuel für Briatore: Aus seiner Sicht muss verhindert werden, "dass, wer auch immer, mit 20 oder 25 Millionen Euro pro Jahr ein Formel-1-Team betreiben kann".

Seine Befürchtung: "Wenn das ermöglicht wird, ist die Marke Formel 1, die in Jahrzehnten mühsam aufgebaut wurde, nichts mehr wert."

Eine Überschwemmung der Königsklasse mit Kleinstrennställen wäre dasselbe "als wenn sich auf einer exklusiven Einkaufstraße plötzlich Billigläden niederlassen. Das hohe Niveau würde erst dereguliert und am Ende komplett zerstört."

Nicht prinzipiell gegen die Grenze

Briatore ist nicht der einzige Kritiker der geplanten Budgetregelung, mehrere Teams wie Ferrari oder BMW haben gar mit Ausstieg gedroht, sollte sie so umgesetzt werden (Widerstand gegen den Sparzwang).

Briatore gehört dabei nicht - wie die finanziell potenten Ferrari und Red Bull - zu den Teamchefs, die das "Salary Cap" an sich ablehnen. Er ist aber gegen ihre Ausgestaltung und wie sie den Teams von der FIA aufgezwungen wird.

"Eine brutale Lösung wie sie jetzt vorliegt, wird keine Chance haben", meint er.

Appell an die "Familie"

"Die Formel 1 muss bei allen Sparmaßnahmen, auch was die Technik betrifft, außergewöhnlich bleiben", so Briatore: "Wenn wir da eine Lösung finden, erledigen sich auch die Ausstiegsdrohungen von Ferrari oder BMW."

Ein Szenario, das Briatore lieber wäre, als vielen kleinen Teams die Tür zu öffnen: "Statt zwei oder vier neue GP-2-Autos könnten alle Werksteams auch bei reduzierten Kosten ein drittes Auto einsetzen. Dabei wäre die notwendige Hochklassigkeit des Sports garantiert."

Briatore appelliert da an den Zusammenhalt der aktuellen Teams: "Die Familie muss zusammenhalten, um unser Investment und unser Geschäft und unseren Ruf zu schützen."

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