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Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo kämpft gegen die Budget-Obergrenze © getty

Kein Vetorecht der Scuderia: Das Gericht in Paris lehnt den Eilantrag der Roten ab, die alle Regeländerungen stoppen wollten.

Paris - Ferrari ist im Kampf mit der FIA gegen die Regeländerungen für die Formel-1-Saison 2010 vor Gericht gescheitert.

Das Tribunal de Grande Instance in Paris, vergleichbar einem deutschen Oberlandesgericht, lehnte am Mittwoch den Eilantrag der Scuderia ab, mit dem die Italiener die vom Automobil-Weltverband geplante Einführung einer Budget-Obergrenze stoppen wollten.

Damit ist der angedrohte Ausstieg des Traditionsrennstalls aus der Formel 1 ein großes Stück näher gerückt. (Ferrari kündigt Ausstieg an)

Ferrari behält sich weitere Schritte vor

Dies stellte Ferrari in einer ersten Reaktion noch einmal klar. "Wenn es nicht möglich ist, eine Übereinkunft mit allen Parteien zu finden, werden wir unsere Autos nicht melden", hieß es in einer Mitteilung.

Derzeit evaluiere man noch, "ob man den gerichtlichen Weg weitergehen" werde. Hierfür wartet Ferrari erst einmal die Reaktion der Konkurrenten beim Treffen der Teamvereinigung FOTA am Freitag ab.

Kein Veto-Recht

Das Gericht in Paris erkannte bei seiner Entscheidung ein von Ferrari angeführtes Veto-Recht bei Regeländerungen nicht an. Die Italiener waren der Meinung, ein solches Recht 2005 in einem eigenen Vertrag mit der FIA erhalten zu haben.

"Aus unserer Sicht gilt der Sonderstatus nicht mehr. Denn als sie ein Veto hätten einlegen können, haben sie es nicht getan", hatte FIA-Chef Max Mosley schon vor der Verhandlung dem britischen Fachmagazin "Autosport" gesagt.

Mosley triumphiert

Nach dem Urteilsspruch meinte der 69-Jährige: "Kein Wettbewerber sollte seine Interessen über die des Sports stellen, in dem er antritt. Die FIA, die Teams und unsere kommerziellen Partner werden jetzt weiter daran arbeiten, der Formel 1 eine gute Zukunft für 2010 und darüber hinaus zu sichern."

Das Gericht unter Vorsitz von Jacques Gondran de Robert stützte diese Einschätzung des gelernten Juristen Mosley. Ferrari hätte auf den Sitzungen des World Motor Sport Council der FIA im März und April offiziell gegen die Regeln protestieren müssen.

"Kein drohender Schaden"

Sie hätten sich zwar dagegen ausgesprochen, aber nicht explizit von ihrem Veto-Recht Gebrauch gemacht, was ihr Recht gewesen wäre. "Es gibt kein Risiko eines drohenden Schadens, der abgewendet werden müsste, oder offensichtliche illegale Probleme, die gestoppt werden müssten", sagte der Richter.

Nach Mosleys Auffassung habe Ferrari sein Veto-Recht schon mit der Gründung der FOTA selbst verwirkt.

"Sie hatten sich verpflichtet, der FIA gegenüber stets loyal zu sein, mit uns zu arbeiten und zu kooperieren", erklärte Mosley. Innerhalb der FOTA arbeitet Ferrari aber mit den restlichen Teams zusammen und lehnt die Budget-Grenze von rund 44 Millionen Euro und das daraus resultierende Zwei-Klassen-Reglement ab.

13 Teams für 2010

Die FIA will unter den neuen Regularien bereits in der Frist vom 22. bis 29. Mai insgesamt 13 Plätze für Teams für die Saison 2010 ausschreiben, die FOTA ist damit nicht einverstanden und versucht, am Wochenende am Rande des Großen Preises von Monaco doch noch eine andere Lösung zu finden (DATENCENTER: Ergebnisse und WM-Stand).

Sollte die FIA bei ihren Regeln bleiben, wollen auch andere Teams wie Toyota, Renault, BMW, McLaren-Mercedes und Red Bull zunächst auf die Einschreibung verzichten oder ihre Zukunft generell in Frage stellen.

Erklärung von Ferrari

Möglicherweise hatte Ferrari die Niederlage vor Gericht schon vorausgeahnt. Am Mittwochmorgen hatte der Rennstall auf seiner Internetseite eine ironische Erklärung veröffentlicht.

"Die Ferrari-Mitarbeiter haben heute morgen ihren Augen nicht getraut, als sie in den Zeitungen die Namen der Teams gelesen haben, die im kommenden Jahr an der Formel 1 teilnehmen wollen. Wenn man die aus Paris durchgesickerte Liste betrachtet, findet man keinen relevanten Namen, für den man 400 Euro für eine Tribünenkarte ausgeben würde", hieß es in dem Statement.

"Bei allem Respekt"

"Wirth Research, Lola, USF1, Epsilon Euskadi, RML, Formtech, Campos, iSport: Das sind die Teams die im nächsten Jahr an der Formel 1 der zwei Klassen von Max Mosley teilnehmen sollten", war weiter zu lesen.

"Bei allem Respekt für die Teams könnte eine Weltmeisterschaft mit diesen Mannschaften denselben Wert der heutigen Formel 1 haben, in der sich Ferrari, die größten Hersteller und Teams messen, die die Geschichte dieses Sports geschrieben haben? Wäre es nicht geeigneter, wenn man diese WM Formel GP3 nennen würde?"

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